Berthold Leibinger

Berthold Leibinger, der frühere Vorsitzende der Geschäftsführung und ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende von Trumpf, wirkte sein Leben lang als Unternehmer und als Mäzen. - Bild: Trumpf

Berthold Leibinger trat nach einem Maschinenbaustudium in Stuttgart und einem zweijährigen Aufenthalt in den USA 1961 in die damals noch kleine Maschinenfabrik Trumpf ein. Für seine zahlreichen Erfindungen, die er im Sinne des Unternehmens tätigte, erhielt er Firmenanteile. Vor diesem Hintergrund wurde er 1966 zeitgleich zu seiner Funktion als Geschäftsführer auch Gesellschafter.

Der Weg zum Unternehmertum war für den Sohn eines Kunsthändlers nicht vorgezeichnet. Doch der Schwabe entschied sich gegen die Kunst und für den Maschinenbau. "Jeder Mensch will etwas Nützliches und Wichtiges tun. Gebraucht zu werden, ist wichtig", schrieb er dazu in seiner Biografie, die unter dem Titel "Wer wollte eine andere Zeit als diese" erschien.

Nach seinem Studium in Stuttgart zog es den Schwaben in die USA. Von 1958 bis 1961 war er dort als Entwicklungsingenieur tätig. Dann kam er zu Trumpf nach Stuttgart-Weilimdorf. Er wurde Leiter der bis dahin kleinen Werkzeugfabrik. Schrittweise kaufte er dem kinderlosen Firmeninhaber Christian Trumpf das Unternehmen ab und übernahm dann 1978 den Vorsitz der Geschäftsführung.

Trumpf wird unter Leibinger Vorzeigeunternehmen

Unter seiner Führung entwickelte sich Trumpf zu einem der weltweit führenden Werkzeugmaschinenhersteller. Wie niemand anders erkannte Leibinger das Potenzial des Werkzeugs Licht. Er gilt als einer der Wegbereiter des Lasers in der industriellen Anwendung.

Leibinger galt vielen als Vorzeige-Unternehmer. "Der Aufbau eines Unternehmens ist wie eine Liebesbeziehung", erklärte der Diplom-Ingenieur einmal. Auch während wirtschaftlich schwieriger Zeiten setzte das Unternehmen auf seine Belegschaft. Stets stand die Qualifizierung im Vordergrund, damit der Laserspezialist beim nächsten Aufschwung wieder voll durchstarten konnte.

Der Unternehmer war seiner Zeit oftmals voraus. So hatte er sein ganzes Unternehmen auf Gruppenarbeit umgestellt und 1995 die Branche mit einem wegweisenden Arbeitszeitmodell überrascht. Dabei konnte Mehrarbeit bis zu zwei Jahre auf Arbeitszeitkonten angesammelt und im gleichen Zeitraum wieder abgebaut werden. Ein Jahr später schloss er auf betrieblicher Ebene ein Bündnis für Arbeit, um den Bau einer Laserfabrik am Stammsitz zu ermöglichen.

2005 übergab der Vater von drei Kindern die Führung des Familienunternehmens an seine ältere Tochter, Dr. Nicola Leibinger-Kammüller. Sein Sohn, Dr. Peter Leibinger, ist stellvertretender Vorsitzender der Gruppengeschäftsführung. Seine Tochter, Prof. Regine Leibinger, arbeitet als Architektin in Berlin.

Großes kulturelles und soziales Engagement

Neben seiner Tätigkeit für Trumpf nahm Leibinger zahlreiche Ämter in der deutschen Wirtschaft wahr. So gehörte er unter anderem den Aufsichtsräten der Deutschen Bank AG, der BMW AG sowie der BASF SE an, deren Vorsitz er innehatte.

Er war Präsident der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart und von 1990 bis 1992 Präsident des VDMA. Außerdem engagierte er sich auf kulturellem und sozialem Gebiet unter anderem als Vorsitzender des Freundeskreises des Deutschen Literaturarchivs Marbach e.V. und als Vorstandsvorsitzender der Internationalen Bachakademie. Er war Mitglied der CDU.

Leidenschaftlicher Ingenieur und Unternehmer

Die von Berthold Leibinger 1992 eingerichtete gemeinnützige Berthold Leibinger Stiftung widmet ihre Erträge kulturellen, wissenschaftlichen, kirchlichen und mildtätigen Zwecken. Seit dem Jahr 2000 schreibt sie den international angesehenen Berthold-Leibinger-Innovationspreis aus und vergibt überdies den jährlichen Comicbuchpreis.

„Berthold Leibinger war ein leidenschaftlicher Ingenieur und Unternehmer. Sein Wirken war immer auf das Wohl der Menschen ausgerichtet. Er war ein großes Vorbild für uns alle“, sagte Dr. Jürgen Hambrecht, Aufsichtsratsvorsitzender der Trumpf Gruppe. Leibinger war trotz seines Erfolgs stets eher ein Mann der leisen Töne. Im Hintergrund stand er mit seinem Rat oftmals auch der Politik zur Verfügung. 

Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

 

Mit Material von dpa und Trumpf

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