Kalanick

Erst vor wenigen Tagen hatte sich der umstrittene Uber-Chef Travis Kalanick eine Auszeit verordnet. - Bild: Wikimedia

Nach sechs Monaten mit Skandalen und Rückschlägen ist dieser Schritt eine atemberaubende Wende. Nach massiver Kritik an seiner Person hatte Kalanick in der vergangenen Woche zunächst eine Auszeit von unbestimmter Dauer angekündigt.

Diverse Investoren hätten den 40-Jährigen zu diesem Schritt gedrängt, um einen Neuanfang zu erleichtern, sagte der Sprecher. Uber muss sich Vorwürfen erwehren, innerhalb des Unternehmens würden aggressive Umgangsformen gepflegt und sexuelle Übergriffe geduldet. Wer den Chefposten übernimmt, ist bislang unklar. In den vergangenen Wochen haben zahlreiche Topmanager das Unternehmen verlassen. So fehlen Uber aktuell Topmanager für die Finanzen und das operative Geschäft.

Flammendes Bekenntnis des scheidenden Chefs

"Ich liebe Uber mehr als alles andere auf der Welt", erklärte Kalanick in einer Stellungnahme. "Deshalb habe ich an diesem schwierigen Punkt in meinem Leben die Forderung von Investoren akzeptiert, zurückzutreten, damit Uber weiter wachsen kann und nicht in weitere Kämpfe verwickelt wird."

Eine Gruppe von Investoren habe Kalanick am Dienstag aufgefordert zurückzutreten, sagten mit der Situation vertraute Personen. In einem Brief an den Uber-Mitgründer hätten sie Zweifel geäußert, dass er in der Lage sein werde, jene Veränderungen an der Unternehmenskultur umzusetzen, die die Kanzlei des früheren US-Generalstaatsanwalts Eric Holder nach einer Untersuchung empfohlen hatte. Die Liste der fast 50 Empfehlungen hatte der Verwaltungsrat des Unternehmens ausdrücklich gebilligt.

Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören nach Angaben der Insider Boardmitglied Bill Gurley, Menlo Ventures, Lowercase Capital, First Round Capital und Fidelity Investments. Kalanick habe seinen Rückzug nur wenige Stunden nach Erhalt des Briefes erklärt, sagte ein Informant. Zuvor habe er mit einem Board-Mitglied beraten, das ihm den Amtsverzicht empfohlen habe.

Schon in der vergangenen Woche hatte Kalanick eine Auszeit auf unbestimmte Zeit genommen. Er wolle um seine Mutter trauern, die im Mai bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen war, ließ er verlauten und kündigte an, gestärkt als neuer Chef zurückkehren zu wollen. Den Betrieb von Uber hatte er an eine Gruppe von 14 führenden Managern übertragen.

Board-Mitglieder zollten Kalanick für eine "mutige Entscheidung" Respekt. Uber bekomme die Chance, uneingeschränkt ein neues Kapitel der Unternehmensgeschichte aufzuschlagen.

Kalanick wird auch weiter eine Schlüsselfigur bleiben

Kalanick, der das Unternehmen vor acht Jahren mit Garrett Camp gegründet hat, dürfte trotz des Rückzugs eine der Hauptfiguren im Konzern bleiben. Er behält seinen Sitz im Board und hält zusammen mit Camp und Ryan Graves die Mehrheit der Stimmrechte an dem Startup, dessen Wert auf rund 68 Milliarden US-Dollar taxiert wird.

Mit Kalanicks Rückzug wird allerdings auch der Mangel an Führungspersonal offenkundig. Sein Nachfolger wird eine Reihe von Herausforderungen zu meistern haben. So muss er die verunsicherte Belegschaft überzeugen und ein Geschäft voranbringen, das allein im ersten Quartal 708 Millionen Dollar Verlust machte, überwiegend wegen finanzieller Anreize, die nötig waren, um die für eigene Rechnung tätigen Fahrer bei Laune zu halten.

Überdies muss ein Wandel der Unternehmenskultur gelingen, die in der Ära Kalanick nicht selten von rechtlichen Grauzonen geprägt war. Schon vor den Skandalen verkörperte Kalanick den extremen Archetyp eines Startup-Chefs, der sich einen Teufel um Konventionen scherte und die Grenzen seiner Geschäftspraktiken immer weiter hinausschob.