Fracking

Billige Energie dank Fracking: USA auf Reindustrialisierungskurs. - Bild: jwigley/pixabay

Heinemann ZEW
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, ZEW

Im ersten Halbjahr 2015 lieferte Deutschland erstmals seit über 50 Jahren mehr Waren in die Vereinigten Staaten als ins Nachbarland jenseits des Rheins. „Was den Export in die USA angeht, sind aktuell insbesondere zwei große Trends zu beobachten: Die Reindustrialisierungstendenzen der USA getrieben von niedrigen Energiekosten sowie ein wieder anziehendes Wirtschaftswachstum“, erklärt Prof. Dr. Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Die USA erleben laut Heinemann aufgrund eines völligen Umbruchs am Energiemarkt – Stichwort ‚Fracking‘ – eine Ära fast konkurrenzlos niedriger Energiekosten, auch im internationalen Vergleich. "Das befeuert vor allem die energieintensiven Branchen und hat den Trend eines schrumpfenden Industriesektors teilweise umgekehrt", weiß der Experte. Deutschland, dessen Exportseite sehr investitionsgüterlastig ist, profitiere davon natürlich. "Denn wenn Industrien wachsen bzw. neu aufgebaut werden, dann sind das die Zulieferer, die dort diese Reindustrialisierung betreiben.“

In Frankreich beobachtet der ZEW-Experte indes genau das Gegenteil: "Frankreich ist ein Land mit einer seit Jahren fortschreitenden Deindustrialisierung."

Neben diesem strukturellen Argument spielt von Heinemann das Wachstumsargument eine wichtige Rolle für die verschiebung an den Exportmärkten: „Der US-Markt wächst wesentlich stärker als der französische. Die USA hatten ihren schweren Einbruch in der Finanzkrise, haben es aber überstanden und zeigen inzwischen ein Wachstum von 2,5-3%, was deutlichen Importbedarf hervorruft. Die französische Wirtschaft hingegen stagniert mehr oder minder seit Jahren.“

 

 

VDMA: Reindustrialisierung ist nicht der Treiber

Gabriele Welcker-Clemens, VDMA
Gabriele Welcker-Clemens, VDMA

Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind die USA und China allerdings ohnehin seit Jahren die beiden Top-Absatzmärkte. „Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China ohnehin die beiden Top-Absatzmärkte. Frankreich liegt da traditionell auf Platz drei“, erklärt Gabriele Welcker Clemens, Referentin NAFTA Region beim VDMA.

Ob die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer explizit von einer Reindustrialisierung der USA profitieren, ist aus Sicht der Expertin nicht erkennbar: „Diese so genannte Reindustrialisierung ist sicher nicht der Treiber für die Nachfragesituation aus den USA. Hier spielen der anziehende private Konsum sowie die in vielen Bereichen immer drängendere Modernisierung des Anlagenbestandes eine entscheidendere Rolle."

Betrachte man die französische Importstatistik, so belege Deutschland bei der internationalen Maschineneinfuhr mit Abstand den ersten Platz. Die deutschen Maschinenexporte haben zwar 2014 noch nicht wieder das Vorkrisenniveau von 2008 erreicht, waren aber bisher tendenziell auch nicht rückläufig.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres sind die deutschen Maschinenlieferungen nach Frankreich allerdings um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück gegangen. Das ist laut VDMA auf eine Nachfrageschwäche in einzelnen Bereichen des Maschinenbaus zurück zu führen.