Edelstahl-Coil von Thyssen-Krupp: Der Stahlverband bleibt zwar vorsichtig optimistisch, berichtet

Edelstahl-Coil von Thyssen-Krupp: Der Stahlverband bleibt zwar vorsichtig optimistisch, berichtet aber von einer deutlichen Eintrübung der Stahlkonjunktur (Bild: Thyssen-Krupp).

Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires

DÜSSELDORF (ks)–Die Stahlkonjunktur habe sich “in den letzten Wochen vor allem als Folge der Staatschuldenkrise eingetrübt”, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl am Dienstag in Düsseldorf. Der Stahlverband rechnet nun nicht mehr damit, dass die erwartete Rohstahlproduktion von 45,5 Mio Tonnen im laufenden Jahr erreicht wird. Der Vorjahreswert von 43,8 Mio Tonnen soll Kerkhoff zufolge aber übertroffen werden.

Die Stahlindustrie spüre die Unsicherheit auf den Märkten als Erste, erklärte Kerkhoff. Übertragen werde diese Unsicherheit über einen “ungewöhnlich ausgeprägten Lagerzyklus”. Demnach warteten Einkäufer zunächst einmal ab und deckten ihren Bedarf aus den Lägern, erläuterte der Verbandschef. So wollten sie vermeiden, mit überhöhten Beständen in eine mögliche Rezession zu gehen. Zuletzt hatten große Stahlhersteller wie Arcelor-Mittal oder Thyssen-Krupp bereits mit Kapazitätskürzungen für das Jahresende auf die schwächere Nachfrage reagiert.

Grundsätzlich ist Kerkhoff für 2012 nach eigener Aussage aber “vorsichtig optimistisch”. Der Stahlbedarf sei weiter vorhanden und er gehe davon aus, dass es der Politik in den nächsten Wochen gelinge, die Schuldenkrise schrittweise zu entschärfen. “Kann eine weitere Zuspitzung der Krise vermieden werden, sehen wir unverändert solide Aussichten für den deutschen Stahlmarkt”, sagte Kerkhoff. Seinen Optimismus gründete der Industrievertreter auf dem “Problemlösungszwang”, unter dem er die Politik sieht. “Ich habe keinen Grund anzunehmen, dass sie das nicht schaffen wird”, sagte er.

Unter dieser Annahme rechnet der Stahlverband auch nicht mit einer Rezession. Allerdings wies Kerkhoff auf weiter bestehende Risikofaktoren hin. Zwar sei der Preisanstieg bei Eisenerz und Kohle vorerst gestoppt, das Niveau bleibe aber hoch, sagte Kerkhoff. Die Nachfrage aus den aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China hält die Preise oben. Zudem würden die Entscheidungen der deutschen und europäischen Energie- und Klimapolitik für erhebliche finanzielle Belastungen sorgen, warnte er und forderte den Schutz der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.