Montage C-Klasse im Mercedes-Benz Werk Bremen: Montage C-Klasse im Mercedes-Benz Werk Bremen: Die

Montage C-Klasse im Mercedes-Benz Werk Bremen: Montage C-Klasse im Mercedes-Benz Werk Bremen: Die deutschen Automobilhersteller erwarten für 2012 großteils eine geringere Dynamik in der Konjunktur, aber keine Rezession (Bild: Daimler). (Bild: Daimler).

Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires

DÜSSELDORF (ks)–Waren im Sommer in weiten Teilen der sogenannten Realwirtschaft noch keine Auswirkungen der Schuldenkrise zu spüren, so werden jetzt erste Bremsspuren sichtbar. Am Donnerstag warnten die deutschen Automobilhersteller vor eingetrübten Wachstumsaussichten. Von Panik kann zwar noch keine Rede sein – an mancher Stelle wurde vorsorglich jedoch schon einmal der Aufprallschutz verstärkt.

“Unser Basisszenario für 2012 ist: weniger dynamisch, aber keine Rezession”, fasste Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber am Donnerstag die Einschätzung in der Automobilindustrie zusammen. Und auch bei der Deutschen Lufthansa vertiefen sich die Sorgenfalten. Die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit trübe die Wachstumsaussichten der Branche ein, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow am gleichen Tag bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal. Noch deute zwar nichts darauf hin, “dass es einen Double-Dip geben wird”, sagte Gemkow. Das Umfeld werde aber auf jeden Fall schwieriger, erklärte er.

Die Furcht davor, dass erneut eine Krise auf den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft übergreifen könnte, ist nachvollziehbar. Zu frisch ist noch die Erinnerung an den abrupten Einbruch der Nachfrage nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Mit der Schuldenkrise in Euro-Land und der Angst vor wankenden Banken hatte sich zuletzt die Unsicherheit in weiten Teilen der Wirtschaft wieder erhöht. Und die Sorge vor einer Rezession ist trotz der Beschlüsse des Euro-Gipfels noch lange nicht vom Tisch: Aktienanalyst Jeremy Batstone-Carr von Charles Stanley bezeichnet eine Rezession in der Eurozone in den kommenden beiden Jahren immer noch als das “Basisszenario”.

Die nach der Lehman-Pleite arg gebeutelten Automobilhersteller rechnen zwar nicht mit einer Wiederholung, glauben aber, aus den Erfahrungen gelernt und sich auf den Fall der Fälle besser vorbereitet zu haben. “Ein starker Abschwung ist immer noch das unwahrscheinlichere Szenario”, so Daimler-Finanzvorstand Uebber. Sollte es für die Branche im kommenden Jahr dennoch deutlich bergab gehen, sieht er das Unternehmen aber besser vorbereitet. Die Umsatzstruktur sei ausbalancierter, die Kostenstrukur besser und die Bestände seien niedriger, erläuterte Uebber. Auch Volkswagen fühlt sich gut aufgestellt, blickt aber mit mehr Sorge in die Zukunft: “Angesichts der aktuellen Unsicherheitsfaktoren für die Konjunktur beobachten wir die Entwicklungen auf den weltweiten Automobilmärkten weiterhin sehr genau”, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal.

Nicht alle Autobauer in der Eurozone gehen ohne deutliche Bremsspuren ins kommende Jahr. So musste Volkswagen-Konkurrent PSA Peugeot Citroen am Mittwoch nach einer Gewinnwarnung den Abbau von rund 6.000 Arbeitsplätzen bekanntgeben, weil sich die Marktbedingungen seit Ende September nochmals verschlechtert hätten und ein zunehmender Preisdruck in Europa auf dem Gewinn laste.

Möglicherweise tragen die Beschlüsse des Euro-Gipfels zum Schuldenerlass für Griechenland und der Stärkung der Kapitalbasis der Banken zur Aufhellung der Lage bei. Kurt Bock, der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Chemiekonzerns BASF, ist durch die Beschlüsse der Nacht jedenfalls optimistischer gestimmt. Dies sei der “lang erwartete große Durchbruch”, der die Unsicherheit vertreiben könne, sagte Bock. Aber auch sein Unternehmen berichtete von einer sich abschwächenden Wachstumsdynamik. Die Kunden disponierten vorsichtiger, reduzierten Vorräte und verzögerten zum Teil Bestellungen in Erwartung möglicher Preissenkungen, hieß es.

In anderen Branchen herrscht dagegen vergleichsweise Sorglosigkeit. Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister etwa rechnet mit einer stabilen Geschäftsentwicklung im kommenden Jahr. In den ersten neun Monaten erhielt das Unternehmen 50% mehr Neuaufträge; auf der erst Ende September stattgefundenen bedeutendsten Branchenmesse EMO verkaufte Gildemeister so viel wie nie zuvor. Analysten zeigen sich beeindruckt. “Trotz der konjunkturellen Unsicherheiten deutet bei Gildemeister bislang nichts auf einen Bruch des positiven Trends bei den Auftragseingängen im Segment Werkzeugmaschinen hin”, urteilen die Analysten der BHF-Bank. Doch auch Gildemeister warnt: Wegen der noch nicht prognostizierbaren Auswirkungen der weltweiten Schuldenkrise seien konkrete Aussagen für die Entwicklung im Gesamtjahr trotz der blendenden Lage nach den ersten neun Monaten noch nicht möglich.