Die neuesten Pläne von US-Präsident Trump betreffen die deutschen Autobauer: Ihre US-Exporte sollen mit Strafzöllen belegt werden.

Die neuesten Pläne von US-Präsident Trump betreffen die deutschen Autobauer: Ihre US-Exporte sollen mit Strafzöllen belegt werden. - Bild: Audi

Mit angedrohten Strafzöllen auf europäische Autos hat Donald Trump den Handelskonflikt mit der EU angeheizt und einen der wichtigsten deutschen Industriezweige aufgeschreckt. Branchenvertreter warnten vor den Folgen eines Handelskriegs und wiesen auf die Bedeutung der deutschen Autokonzerne für die US-Wirtschaft hin.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) rief Trump zur Mäßigung auf. Doch der US-Präsident zeigt sich unbeirrt - und will noch diese Woche seinen international scharf kritisierten Plan für Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte umsetzen. US-Handelsminister Wilbur Ross verteidigte das Vorgehen.

Die USA hätten nach dem Zweiten Weltkrieg alle Arten von einseitigen Konzessionen gemacht, um den Wiederaufbau zu fördern, sagte Ross am Sonntag dem Sender ABC und erwähnte Deutschland sowie Japan namentlich. Das habe damals auch Sinn gemacht, aber nicht mehr heute. Beide Länder seien mittlerweile starke und große Wirtschaftsmächte. "Eine Menge Geschichte muss rückgängig gemacht werden." US-Medien nannten Trumps neue Attacke wegen der Bedeutung der deutschen Autoindustrie eine "direkte Drohung" gegen Deutschland.

Audi und Porsche besonders betroffen

Nach Berechnungen des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer wären vor allem die VW-Töchter Audi und Porsche von Strafzöllen betroffen, die anders als die VW-Kernmarke, BMW oder Daimler keine eigenen Werke in den USA unterhalten. Für Volkswagen rechnet Dudenhöffer im Fall von Strafzöllen mit Gewinneinbußen von rund fünf Prozent, falls die Exporte aus den USA nicht - wie eigentlich üblich - gegengerechnet würden.

  • Porsche 911 GT3

    Klar, dass ein Porsche auch im Ausland Begehrlichkeiten weckt, verwundert nicht. Aber auch "normale" deutsche Autos sowie Trucks, Busse und Landfahrzeuge sind Verkaufsschlager im Ausland. Im folgenden die wichtigsten Exportländer für die deutschen Hersteller. - Bild: Pixabay

  • Polen, Flagge

    Platz 10: Polen führte 2016 laut Statistischem Bundesamt Kraft- und Landfahrzeuge aus Deutschland im Wert von rund 6.314.175.000 Euro. - Bild: Pixabay

  • Amsterdam, Grachten, Niederlande

    Platz 9: Auch entlang der Amsterdamer Grachten sind natürlich deutsche Fahrzeuge unterwegs. Die Niederlander importierten 2016 Kraft- und Landfahrzeuge aus Deutschland im Wert von circa 6.728.310.000 Euro. Das geht aus einer Statistik des Statistischen Bundesamtes hervor. - Bild: Pixabay

  • Alpen, Österreich

    Platz 8: Österreich. Die Alpenrepublik führte 2016 für gut 7.187.142.000 Euro deutsche Kraft- und Landfahrzeuge ein. - Bild: Pixabay

  • Atomium, Belgien, Brüssel

    Platz 7: Auch der siebte Platz in unserem Ranking geht an eines der deutschen Nachbarländer. Belgien importierte 2016 Kraft- und Landfahrzeuge im Wert von 7.329.124.000 Euro. - Bild: Pixabay

  • Spanien, Flagge

    Platz 6: Spanien. Das Land importierte laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2016 für rund 9.019.161.000 Euro Kraft- und Landfahrzeuge aus Deutschland. - Bild: Pixabay

  • Cinque Terre, Italien

    Platz 5: Italien. Entlang der italienischen Küste rund um Cinque Terre lassen sich sicher schöne Autotouren machen. Die Italiener führten 2016 deutsche Kraft- und Landfahrzeuge im Wert von 11.476.864.000 Euro ein. - Bild: Pixabay

  • Eiffelturm, Paris, Frankreich

    Platz 4: Frankreich. Die Franzosen importierten 2016 Kraft- und Landfahrzeuge aus Deutschland im Wert von 15.593.382.000 Euro. - Bild: Pixabay

  • Große Mauer, China

    Platz 3: China. Das Reich der Mitte schafft es in unserem Ranking aufs Treppchen. China importierte 2016 Kraft- und Landfahrzeuge aus Deutschland im Wert von 19.887.703.000 Euro. - Bild: Pixabay

  • Big Ben, London, Großbritannien

    Platz 2: Großbritannien. Die Briten führten 2016 laut Statistischem Bundesamt Kraft- und Landfahrzeuge aus Deutschland im Wert von circa 27.138.340.000 Euro ein. - Bild: Pixabay

  • Freiheitsstatue, USA, New York

    Platz 1: USA. Die Vereinigten Staaten importierten 2016 deutsche Kraft- und Landfahrzeuge im Wert von 27.731.676.000 Euro. Damit sind sie der Sieger unseres Rankings. - Bild: Pixabay

Bei Daimler und BMW errechnete der Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen in diesem Fall einen Rückgang von "weniger als zehn Prozent". Stärker getroffen würden etwa der britische Hersteller Jaguar Land Rover oder die schwedische Marke Volvo.

Der Autoexperte Stefan Bratzel nannte Strafzölle indes eine "Katastrophe" für die deutsche Branche. Gerade im Premiumsegment seien die Autobauer "enorm" abhängig von Ausfuhren, auch in die USA.

Deutsche Unternehmen exportierten nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) im vergangenen Jahr insgesamt 494 000 Autos in die USA, das war mehr als ein Viertel weniger als noch 2013. Die Verkäufe in den Vereinigten Staaten legten demnach 2017 in der Summe im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Prozent auf 1,35 Millionen Neuwagen zu.

Der Marktanteil lag bei 7,9 Prozent, etwas höher als noch 2016. Die deutschen Hersteller beschäftigen 36 500 Mitarbeiter in den USA. VDA-Präsident Bernhard Mattes warnte: "Ein Handelskrieg zwischen den USA und Europa muss auf jeden Fall vermieden werden. In einem solchen Handelskrieg gibt es nur Verlierer, auf allen Seiten."

Experte Bratzel wies Trumps Vorwurf, US-Autobauer würden in Europa benachteiligt, als "völligen Blödsinn" zurück. US-Autos mit zumeist großem Verbrauch seien in Europa einfach nicht gefragt, es handele sich also eher um ein Designproblem. "Die US-Hersteller haben zum Beispiel keine Premiumprodukte", sagte Bratzel vom Autoinstitut der Wirtschaftshochschule Bergisch Gladbach der Deutschen Presse-Agentur.

Auch ein Branchenvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, betonte: "Das ist keine Frage der Zölle, sondern der Modelle." Er verwies darauf, dass etwa Pick-ups und SUV in Amerika mit 25 Prozent höher besteuert würden als in der EU mit 22 Prozent. Fast alle deutschen Konzerne bauen ihre Fahrzeuge für den US-Markt bereits in den Vereinigten Staaten. So stellt BMW etwa die X-Reihe dort her - und verschifft die Fahrzeuge dann nach Europa. US-Konzerne wie Ford handhaben es ähnlich und produzieren ihre Autos für den europäischen Markt in der EU auch in der Gemeinschaft.

Zuvor hatte Trump bereits Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Stahlimporte angekündigt. Damit will er die heimische Industrie abschirmen. Auf Aluminium-Einfuhren sollen 10 Prozent erhoben werden. Damit werden Importe in die USA teurer.

Nach den Worten von US-Handelsminister Ross ist davon auszugehen, dass es bei Pauschal-Zöllen bleibt - ohne Ausnahmen für einzelne Länder. Wie es aussehe, werde es ein "ziemlich breiter Pinselstrich". Kritik, dass die geplanten Zölle zu Jobverlusten in den USA und Preisanstiegen führen würden, wies Ross zurück. "Die gesamte Summe der Zölle, die wir erheben, beträgt ungefähr neun Milliarden Dollar im Jahr", sagte er. "Das ist ein Bruchteil von einem Prozent der Wirtschaft. Daher ist die Behauptung falsch, dass es eine Menge Arbeitsplätze zerstören, Preise anheben würde."

"Inakzeptable Maßnahmen"

Die EU hatte Vergeltungsmaßnahmen angekündigt und will etwa Bourbon-Whiskey oder Harley-Davidson-Motorrädern höher besteuern. EU-Vizekommissionspräsident Jyrki Katainen bekräftigte die Pläne: "Wir können (...) nicht akzeptieren, dass die US-Regierung versucht, über einseitige Maßnahmen das Handelsdefizit mit EU-Staaten auszugleichen", sagte Katainen dem "Handelsblatt" (Montag).

Ross zeigte sich unbeeindruckt. Es gehe nur um ein Volumen von "drei Milliarden Dollar oder so", sagte er. Das sei eine "ziemlich triviale" Summe.

Auch die Nachbarländer und wichtigen Stahllieferanten Kanada und Mexiko drohten Vergeltungsmaßnahmen an. Experten warnten, Stahl-Zölle gefährdeten die Verhandlungen der beiden Länder mit den USA über eine von Trump geforderte Neuauflage des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta. Auch China kündigte eine Reaktion an. Großbritanniens Regierungschefin Theresa May zeigte sich "tief besorgt".

Video: Trump warnt EU

Zugleich meldeten sich auch Volkswirte und Wirtschaftsführer in den USA zu Wort und warnten, die Zölle könnten zum Bumerang für die "America-First"-Agenda des Präsidenten werden. Vertreter der Autobranche, Getränkehersteller und Baufirmen befürchten eine Verteuerung ihrer Produkte, weil die Einkaufspreise für das Rohmaterial wie etwa Getränkedosen nach oben gehen könnten. Dagegen begrüßten Vertreter der Stahl- und Aluminiumbranche in den USA sowie Arbeitnehmervertreter Trumps Schritt.

In den USA sind 6,5 Millionen Menschen direkt und indirekt mit der Verarbeitung von Stahl- und Aluminium beschäftigt - aber nur wenige Hunderttausend mit der Erzeugung. Die USA führen nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums derzeit Stahl im Wert von 24 Milliarden Dollar ein und sind damit der weltgrößte Importeur. 4 Prozent kommen demnach aus Deutschland. Deshalb sehen sich deutsche Hersteller nur wenig betroffen.