Die deutsche chemische Industrie bleibt trotz einem starken ersten Halbjahr weiter bei ihrer vorsichtigen Jahresprognose.

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Deutschlands viertgrößter Industriezweig erwartet 2010 im Jahresvergleich weiterhin einen Anstieg der Chemieproduktion um 8,5% und einen Umsatzzuwachs von 10%, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Mittwoch in Frankfurt bekanntgab. “Wir haben gegenüber dem Tiefpunkt der Rezession weiter Boden gut gemacht und sind zuversichtlich, dass es auch in den kommenden Monaten bergauf geht”, sagte Verbandspräsident Ulrich Lehner vor Journalisten.
Allerdings rechnet der VCI für die zweite Jahreshälfte nicht mehr mit einer so stark steigenden Nachfrage der industriellen Kunden nach chemischen Erzeugnissen wie in der ersten Jahreshälfte. Der Verband begründete die verhaltenere Einschätzung unter anderem mit dem Auslaufen von Konjunkturprogrammen und dem Beginn der Konsolidierung der Staatsfinanzen in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten. Ein umfangreicher Lageraufbau scheine bei den Industriekunden auf absehbare Zeit wenig plausibel, hieß es. Die Chemieproduktion werde sich daher im zweiten Halbjahr dem deutlich geringeren Wachstum der Kundenbranchen anpassen.
Den Angaben zufolge stieg die Chemieproduktion im ersten Halbjahr 2010 um 13% gegenüber dem ersten Halbjahr 2009, als die Produktion auf dem Tiefpunkt der Rezession angekommen war. Der Umsatz der deutschen chemischen Industrie erhöhte sich in den ersten sechs Monaten um 16% auf 77,7 Mrd Euro. Das Geschäft mit Kunden aus dem Ausland wuchs um 18% auf 45,9 Mrd Euro. Der Inlandsumsatz legte um 13% auf 31,8 Mrd Euro zu. Die Preise für Chemikalien und Pharmazeutika lagen im Schnitt im Berichtszeitraum um 1,5% höher.
Trotz der recht dynamischen Erholungsphase im ersten Halbjahr habe die chemische Industrie das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht, sagte Lehner. Mit dem bisherigen Aufholprozess könne die Branche jedoch zufrieden sein, erklärte der Verbandspräsident.