Von Beate Preuschoff, Dow Jones

BERLIN (Dow Jones/ks)–”Der Inlandsmarkt ist auf Normalisierungskurs, die Neuzulassungen werden im kommenden Jahr auf 3,1 Mio Einheiten steigen”, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Donnerstag bei der VDA-Jahrespressekonferenz in Berlin.

Die deutsche Automobilindustrie sei schneller als erwartet aus der Krise herausgefahren. Die Neuzulassungen auf dem Pkw-Inlandsmarkt dürften 2010 bei rund 2,92 Mio Einheiten liegen. Bislang erwartete der Verband 2,9 Mio Pkw-Neuzulassungen.

Auch die Nutzfahrzeugmärkte erholten sich nach ihrem tiefen Einbruch wieder. In der Transporterklasse bis 6 Tonnen geht der VDA in Deutschland 2010 von 195.000 Neuzulassungen aus, im kommenden Jahr von 206.000. Bei den schweren Lkw werden 2010 laut VDA 70.000 Einheiten in Deutschland zugelassen werden, 2011 dann 80.000. In beiden Segmenten komme die stärkere Dynamik aus dem Ausland. Die Unternehmen dürften 2010 rund 160.000 Transporter (plus 46%) und 70.000 schwere Fahrzeuge (plus 65%) exportieren.

Beim Export insgesamt werde es auch 2011 weiter aufwärts gehen. Die deutschen Pkw-Exporte dürften 2011 um 5% auf 4,4 Mio Einheiten zulegen. Das ist mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007, in dem 4,3 Mio Pkw’s exportiert wurden. Im laufenden Jahr wird sich der deutsche Pkw-Export laut VDA-Prognose um 23% auf 4,2 Mio Einheiten erhöhen.

China rücke immer stärker in den Fokus und werde 2010 der am stärksten wachsende Automarkt sein. Der dortige Pkw-Absatz werde voraussichtlich 2010 um 30% auf 10,9 Mio Pkw und 2011 dann um 11% auf 12,1 Mio Autos steigen. In Indien dürfte das Plus 2010 bei 27% auf 2,3 Mio Pkw und 2011 bei 17% auf 2,7 Mio Autos liegen. In den USA dürfte der Absatz im laufenden Jahr um 12% auf 11,7 Mio Pkw zulegen, im kommenden Jahr dann um 9% auf 12,8 Mio Autos. Auch in Westeuropa dürften im kommenden Jahr rund 13 Mio Pkw verkauft werden. Damit machten die USA und Westeuropa noch immer rund 40% des Weltmarktes aus.

Doch der Weltmarkt verändere sich mit hoher Geschwindigkeit. Habe der Anteil Chinas am Weltmarkt 2008 noch bei etwa 10% gelegen, werde er sich voraussichtlich auf knapp 19% im kommenden Jahr erhöhen. 2010 werde nahezu jeder fünfte Neuwagen nach China geliefert. Besonders erfreulich sei dabei, dass fast jeder fünfte dieser Neuwagen in China zu einer deutschen Konzernmarke zähle, sagte der VDA-Präsident.

Der Weltautomobilmarkt wird laut VDA im laufenden Jahr um 8% auf knapp 60 Mio Pkw wachsen. Damit werde das Vorkrisenniveau wieder überschritten. “Für 2011 wird mit einem weiteren Wachstum um 8% auf 64,5 Mio Pkw gerechnet”, sagte der VDA-Präsident. Im Jahr 2008 lag der weltweite Pkw-Absatz bei knapp 58 Mio Pkw.

Besonders diese Dynamik der internationalen Märkte habe dafür gesorgt, dass die Belegschaften im Inland mit rund 714.000 Mitarbeitern stabil gehalten werden konnten. “Wir werden in unseren inländischen Werken dieses Jahr gut 5,5 Mio Pkw fertigen, ein Zuwachs von rund 11%”, sagte Wissmann. Damit werde das Produktionsniveau von 2008 erreicht. Im kommenden Jahr dürfte die Pkw-Inlandsproduktion nach VDA-Vorhersage um 5% auf knapp 5,8 Mio Einheiten steigen.

Die Kapazitäten seien entsprechend wieder gut ausgelastet. Der inländische Auftragsbestand von 532.000 Bestellungen liege deutlich über dem langjährigen Schnitt und entspreche einer Reichweite von rund zwei Monaten, sagte Wissmann. Inzwischen bestünden bei einigen Fahrzeugen wieder Lieferzeiten von mehreren Monaten. Bei einigen Elektronikbauteilen träten bereits Engpässe auf. Die Kapazitätsauslastung betrage im vierten Quartal wieder knapp 85%. Bei den Pkw-Herstellern liege sie über 87%, bei den Zulieferern über 81%.

Im Jahr 2010 fertigen deutsche Hersteller nach Angaben von Wissmann erstmals mehr Autos an internationalen Standorten als im Inland. Die Auslandsproduktion deutscher Hersteller wird sich laut VDA 2010 um 17% auf 5,7 Mio Pkw erhöhen.

Der Umsatz der deutschen Autoindustrie liegt nach Einschätzung von Wissman im Jahr 2010 “wohl über 300 Mrd Euro”. Es sei die Absicht der Autohersteller, ihre Fahrzeuge bezahlbar zu halten. “Wir wissen genau, dass es beim Verbraucher hier Grenzen gibt”, sagte der VDA-Präsident.