Bild: GEA Group

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FRANKFURT (ks). Die Mitgliedsfirmen der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (AGAB) erzielten im Zeitraum Juli 2009 bis Juni 2010 Bestellungen in Höhe von 20,1 Mrd Euro, so eine Mitteilung des VDMA. Das sind 9 % weniger als im Vorjahr (2009: 22,1 Mrd Euro). Der Kraftwerksbau war mit einem Minus von 19 % überdurchschnittlich von dieser Entwicklung betroffen. Hingegen konnten die in Grundstoffindustrien tätigen Anlagenbauer die Rückgänge des Vorjahres teilweise wettmachen. Der Auftragseingang im Hütten- und Walzwerksbau legte um 9 % zu. Die Anbieter von Zement- und von Papieranlagen verzeichneten sogar zweistellige Wachstumsraten.

„Die Konjunktur im Großanlagenbau hat den Tiefpunkt mittlerweile hinter sich gelassen“, kommentierte AGAB-Sprecher Dieter Rosenthal, SMS Siemag AG, die aktuellen Zahlen. „Im zweiten Halbjahr haben wir begründete Erwartungen auf wieder anziehende Bestellungen.“

Inlandsnachfrage im Plus – China wichtigster Auslandsmarkt
Von Juli 2009 bis Juni 2010 stiegen die Inlandsorder um 14 % auf 4,4 Mrd Euro. Die Auslandsbestellungen beliefen sich auf 15,7 Mrd Euro (2009: 18,3 Mrd Euro). Dabei waren die Industrieländer – Westeuropa, Nordamerika – mit Bestellungen von 3,9 Mrd Euro die größte ausländische Kundengruppe – allerdings verzeichneten die AGAB-Mitglieder hier einen Rückgang um 17 %.

Deutliche Zuwächse erzielte der Großanlagenbau hingegen im Asiengeschäft. China war mit Bestellungen von 1,7 Mrd Euro (2009: 1,2 Mrd Euro) der weltweit wichtigste Einzelmarkt. Steigende Auftragseingänge meldeten die Unternehmen ferner aus Indonesien (26 %), Taiwan (22 %), Indien (11 %) und Südkorea (5 %). Rosenthal: „ Ost- und Südasien sind momentan bedeutende Absatzregionen für den Großanlagenbau. Der Ausbau der Infrastruktur sowie ambitionierte Industrieprojekte treiben die Nachfrage.“

Konkurrenzdruck aus Asien nimmt zu

Ostasien ist nicht nur als Absatzmarkt bedeutend im internationalen Großanlagenbaugeschäft. Unternehmen aus dieser Region haben sich mittlerweile auch als globale Anbieter von Großanlagen etabliert. Das gilt zum einen für Engineeringfirmen aus China, die seit rund einer Dekade international tätig sind. Bemerkenswert ist ferner das derzeit zu beobachtende massive Auftreten südkoreanischer Anlagenbauer. In den vergangenen beiden Jahren stieg der Weltmarktanteil Südkoreas auf etwa 10 %. Erfolgsfaktoren der neuen Wettbewerber sind niedrige Preise und ausgeprägte Bau- und Montagekompetenzen.

Deutscher Großanlagenbau setzt auf eigene Stärken
Der deutsche Großanlagenbau sei sich dieser Herausforderung bewusst, so der VDMA. Durch den Ausbau der internationalen Wertschöpfung, die Verstärkung von Bau- und Montagekompetenzen sowie die Nutzung von Einsparpotenzialen durch globalen Einkauf habe die Branche bereits darauf reagiert. „Unsere Unternehmen verfügen über exzellent ausgebildete, eigenverantwortlich arbeitende Mitarbeiter, gesamtplanerische Kompetenz und ein herausragendes Technologieniveau. Das sind Trümpfe, mit denen wir auch im internationalen Vergleich hervorragend dastehen“, betonte Rosenthal.

Fabrikationsrisikodeckung weiter reformieren
Dem Wettbewerb mit den „Newcomern“ aus Asien stellt sich der deutsche Großanlagenbau eigenen Angaben zufolge mit Selbstbewusstsein. Er benötige jedoch geeignete Rahmenbedingungen. Die staatliche Exportkreditversicherung zu konkurrenzfähigen Kosten bekomme hier ein größeres Gewicht. Rosenthal appelliert daher an die Politik: „Der Großanlagenbau ist durch außerordentliche Projektgrößen charakterisiert, weshalb wir eine weitergehende strukturelle Reform der Fabrikationsrisikodeckung für sinnvoll halten. Ziel muss eine stärkere Berücksichtigung des tatsächlichen Schadensrisikos und ein dafür angemessenes Entgelt sein“. Im Zeitablauf baue sich das tatsächliche Schadensrisiko erst allmählich mit dem Fabrikationsprozess und den eingegangenen Bestellverpflichtungen auf und nehme dann je nach Eingang der Teilzahlungen schon vor dem Projektabschluss wieder ab.

Ausblick: Talsohle im Großanlagenbau durchschritten
Trotz des schwierigen Umfeldes gibt sich der deutsche Großanlagenbau optimistisch. „Die Mitglieder der AGAB rechnen für 2010 damit, das Orderniveau des Vorjahres zu halten. Die Talsohle im Auftragseingang ist damit durchschritten“, lautet das Fazit des AGAB-Sprechers.