Flüchtlinge

Pilotprojekt zur Qualifizierung von Flüchtlingen bei der Friedhelm Loh Group. Bild: Rittal

Der Verband warnt davor, im Zuge der Flüchtlingsdebatte Freiheiten in der EU dauerhaft einzuschränken. "Europas Unternehmen profitieren enorm von der Zusammenarbeit der EU-Staaten, etwa durch die Personenfreizügigkeit oder den gemeinsamen Binnenmarkt", sagt der VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. "Daher sehen wir es als Schritt in die falsche Richtung, wenn beispielsweise über dauerhafte Einschränkungen des Schengen-Abkommens diskutiert wird."

Die Maschinenbauer in Deutschland unterstützen daher die Forderung der Bundesregierung nach einer gemeinsamen EU-Asylpolitik. Zu den Beschlüssen der Großen Koalition sagt Brodtmann: „Es ist gut, dass die Bundesregierung nun beschlossen hat, den Ländern und den Kommunen finanziell dabei zu helfen, die Flüchtlingsströme in die richtigen Bahnen zu lenken.“

Nichtstun nützt niemandem

Thilo Brodtmann, VDMA-Hauptgeschäftsführer
Thilo Brodtmann, VDMA-Hauptgeschäftsführer

Grundsätzlich gelte es, alle Menschen, die in Deutschland ankommen, willkommen zu heißen und ihre Eignung für den deutschen Arbeitsmarkt zu prüfen und zu nutzen. „Dass viele Flüchtlinge wegen rechtlicher Hürden über viele Monate, ja sogar zum Teil Jahre, zum Nichtstun verurteilt sind, nützt niemandem  - weder den Flüchtlingen selbst noch dem deutschen Staat“, betont der VDMA-Hauptgeschäftsführer. Er fordert deshalb die Politik auf, alle rechtlichen Bestimmungen auf den Prüfstand zu stellen, die einen möglichst frühen Eintritt in den Arbeitsmarkt verhindern. „Das gleiche gilt auch im Hinblick auf Schule und Berufsausbildung“, fügt Brodtmann hinzu.


Der VDMA-Hauptgeschäftsführer spricht sich dafür aus, die sogenannte Vorrangprüfung bedarfsgerecht anzupassen, laut der ein Arbeitsplatz nur dann an Flüchtlinge vergeben werden darf, wenn sich kein Deutscher oder EU-Bürger als Bewerber findet. Brodtmann begrüßt zudem, dass das Arbeitsverbot für Flüchtlinge in der Zeitarbeitsbranche faktisch aufgehoben wurde. „Gerade die Zeitarbeit ist strukturell geeignet, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Hier können sie schnell zeigen, was sie können“, erläutert er. Die Ankündigung der Großen Koalition, das Zeitarbeitsverbot für Asylbewerber und Geduldete auf drei Monate zu begrenzen, sei daher der richtige Schritt.

Wichtiger Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs

Flüchtlinge
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bietet Integrationskurse, die aus einem Sprach- und einem Orientierungskurs bestehen. Bild: BAMF

Jungen Flüchtlingen sollte zudem ein Abschiebeschutz während der Ausbildungszeit und in den ersten zwei Jahren des Berufseinstiegs zugestanden werden. Das würde auch auf Seiten der Unternehmen für größere Rechtssicherheit sorgen und die Bereitschaft erhöhen, Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz anzubieten, erläutert der VDMA-Hauptgeschäftsführer. Er geht davon aus, dass die Flüchtlinge aufgrund ihrer Altersstruktur einen wichtigen Beitrag zur Deckung des wachsenden Fachkräftebedarfs leisten könnten. Davon würde auch der Maschinenbau auf längere Sicht profitieren können.

Viele Maschinenbauer in Deutschland entwickeln bereits eigene Ideen und Projekte, wie sie Flüchtlinge in ihre Unternehmen mittelfristig integrieren können. Diese reichen von Einladungen zu Werksbesichtigungen über Finanzierung von Sprachkursen und Praktika bis hin zur Nutzung von Gebäuden für neu ankommende Flüchtlinge.