Der neue VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner:

Der neue VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner: "Angebot an Fachkräften wird zum limitierenden Faktor" (Bild: VDMA).

„Mit einem Produktionswachstum von plus 14 Prozent hat uns das Jahr 2011 positiv überrascht“, erklärte VDMA Präsident Thomas Lindner heute anlässlich eines Pressegesprächs. Die Kapazitätsauslastung erhöhte sich vom absoluten Tiefstand der letzten fünf Jahre mit 67,5% im Juli 2009 auf inzwischen 88,7% im Oktober 2011. Die Auftragsreichweite lag im Oktober bei 5,7 Monaten. Der Export stieg in den ersten neun Monaten nominal um 16% auf 105 Mrd Euro.
Allerdings erwarte der Verband für die Monate November und Dezember tendenziell sinkende Auftragseingänge aufgrund der sehr hohen Vorjahreswerte. „Negative Auftragseingänge in den nächsten Monaten wären keine Überraschung und schon gar kein Krisenzeichen“, machte Lindner deutlich. „Die Prognose für 2012 von plus vier Prozent spiegelt die Stimmung in den Unternehmen wider“, so der VDMA Präsident. „Ganz entscheidend wird hier sein, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den nächsten Wochen weiter entwickeln.“
Laut einer aktuellen VDMA-Studie „Zeitarbeit im deutschen Maschinen- und Anlagenbau“ beschäftigt der deutsche Maschinen- und Anlagenbau rund 57000 Zeitarbeiter – zusätzlich zur festangestellten Stammbelegschaft von 945 000 (Stand: September 2011). „Die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Übernahme ist hoch und unsere Firmen nutzen das Instrument vornehmlich nicht aus Kostengründen“, betonte der VDMA Präsident.
Verglichen mit den vergangenen Umfragen zur Zeitarbeit hat sich die Zeitarbeits-Quote im Maschinenbau von 3% im Jahr 2005 und 5% im Jahr 2007 auf nun 6% erhöht. Drei von vier der befragten Unternehmen beschäftigt Zeitarbeiter. Neben einer strukturellen Komponente sehen die deutschen Maschinenbauer hier einen erheblichen konjunkturellen Einfluss. „Zeitarbeit im Maschinenbau ist eine Brücke in die Stammbelegschaft“, sagte Lindner. Mehr als ein Drittel [37%] der befragten Unternehmen schätzen die Übernahmechancen einer derzeit bei ihnen tätigen Zeitarbeitskraft auf über 30%.
Der entstehende finanzielle Aufwand für die Beschäftigung eines Zeitarbeiters ist vergleichbar mit dem für einen Mitarbeiter der Stammbelegschaft, sagten 40% der befragten Unternehmen. Für jedes dritte Unternehmen ist das Entleihen von Arbeitskräften sogar die teurere Alternative. Dass das Instrument trotzdem genutzt wird, zeugt von einer positiven Zahlungsbereitschaft der Unternehmen für die durch die Zeitarbeit gewonnene Flexibilität. „Bei Zeitarbeit von prekären Beschäftigungsverhältnissen zu sprechen, ist irreführend – zumindest in unserer Industrie“, bekräftigte Lindner. „Gerade in Zeiten einer emotional geführten öffentlichen Diskussion zur Zeitarbeit ist das unbedingt zu betonen“, so der VDMA Präsident.
„Generell sind wir gut beraten, den Instrumentenkasten zur Kompensierung möglicher Umsatz- und Ergebniseinbußen gut gefüllt bereit zu halten. Und zu diesen Instrumenten gehört elementar die Zeitarbeit“, betonte Lindner. Deshalb seine klare Forderung an die Politik: „Finger weg von einer Regulierung der Zeitarbeit!“