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Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen warnt vor vermehrter Cyber-Kriminalität durch Industrie 4.0. - Bild: Geralt/Pixabay

Seine Behörde sehe mit Sorge, dass potenzielle Opfer - große Wirtschaftsnationen aber auch kleine Unternehmen - "eine immer größere Angriffsfläche bieten", sagte Maaßen am Dienstag beim "1. Berliner Sicherheitstag", der von der Münchner Sicherheitskonferenz und der Deutschen Telekom veranstaltet wurde.

Es sei wichtig, "eine Strategie zu finden, wie wir uns vor derartigen Angriffen schützen", sagte Maaßen und machte selbst einen vergleichsweise radikalen Vorschlag: "Man muss sich auch die Frage stellen, ob es nicht vielleicht notwendig ist, bestimmte Bereiche der kritischen Infrastruktur aus dem Netz herauszunehmen."

"Wir sehen die Notwendigkeit"

Als Beispiel nannte der Verfassungsschützer die Kraftwerke. Seine Behörde sei nicht dazu da, Fragen nach dem Ob und Wie einer solchen Maßnahme zu beantworten, sagte Maaßen. "Wir als Verfassungsschutz sind nur der Brandmelder." Die Probleme müssten andere lösen. "Wir sehen jedenfalls die Notwendigkeit", sagte Maaßen.

"Wir werden nicht in der Lage sein, ein Land wie Deutschland aus dem Cyberraum herauszunehmen", sagte Maaßen. Man werde nicht alles schützen können, aber das Thema müsse international oben auf der Agenda bleiben. Auf Nachfrage verwies Maaßen darauf, dass es - anders als beispielsweise in Ländern wie Großbritannien oder den USA - in Deutschland keinen eigenen Dienst für technische Aufklärung gebe. "Wenn wir so etwas wollten, müssten wir eine Weichenstellung auf politischer Ebene vornehmen", meinte der Verfassungsschutzpräsident.

David gegen Goliath

Der Cyberraum sei im militärischen Sinne letztendlich nichts anders als ein Gefechtsfeld wie Wasser, Land oder Luft, sagte Maaßen. Der Cyberraum sei damit ein weiterer Betätigungsraum, der neben die Realwelt trete. Ein Extremist, der vorher den Fuhrpark der Bundeswehr angegriffen und ein Fahrzeug angezündet habe, werde einen Angriff auch über den Cyberraum versuchen.

Der Cyberraum sei heute für Terrororganisationen wie den IS unverzichtbar, erklärte Maaßen. Unter anderem auch, um Finanziers zu finden.

Vor allem gehe es aber um Angriffe auf die Infrastruktur, machte Maaßen deutlich. Für solche Angriffe müsse man nicht hochtechnologisiert sein, der kleine David könne den großen Goliath relativ leicht zu Fall zu bringen. Die Werkzeuge für einen Cyberangriff seien leichter und billiger zu bekommen, als beispielsweise Chemikalien zum Bau einer Bombe. Zudem reiche es für den Angreifer, an nur einer Stelle durchzudringen. Das potenzielle Opfer hingegen müsse stets mit einem enormen Kostenaufwand seine gesamte Oberfläche schützen.