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Das Technologie- und Raumfahrtunternehmen OHB bekam nicht gerade freundliche Post von einem Aktionär, dem Investor Guy Wyser-Pratte. - Bild: OHB

OHB kündigte per Adhoc-Meldung an, die Fragen zu prüfen und zu beantworten, lehnte aber einen Zeitrahmen dafür ab.

Die Wyser-Pratte Management Company (WPMC) ist nach Angaben in dem Schreiben größter familienfremder Einzelaktionär von OHB. Sie sei bereits seit Oktober 2015 beteiligt. OHB wusste davon bisher nichts. Ein Sprecher des Konzerns sagte, Wyser-Pratte habe sich zuvor noch nicht als Aktionär zu erkennen gegeben. Knapp 70 Prozent der OHB-Anteile hält die Familie Fuchs. Christa Fuchs leitet den Aufsichtsrat, ihr Sohn Marco R. Fuchs ist Vorstandsvorsitzender. Der Konzern ist an der Börse deutlich über 500 Millionen Euro wert.

"Verkrustete Führungsstrukturen"

In dem an den Vorstandschef adressierten Brief bemängelt Wyser-Pratte unter anderem verkrustete Führungsstrukturen. Die Führungsebene unterhalb des Vorstands wird als nicht gut organisiert und von mangelnder Transparenz beschrieben. Eines der Vorstandsmitglieder habe das Rentenalter bereits um zwei Jahre überschritten. Ob das akzeptabel sei, fragt der Investor.

Die Struktur des Aufsichtsrates beschreibt er als ungeeignet, um dem Vorstand Richtlinien zu setzen und ihm Elan und eine Ausrichtung zu verleihen. Es mache eher den Eindruck eines "Feudalsystems, in dem die Vasellen dem Gutsherren die Ehre erweisen". Aufsichtsratschefin Christa Fuchs befinde sich - "bei allem Respekt" - im fortgeschrittenen Alter. Das Gremium umfasse zwei weitere Mitglieder, bei einem handele es sich um den Rechtsanwalt des Unternehmens.

Video: Einweihung des OHB Raumfahrtzentrums "Optik & Wissenschaft"

Die Hauptversammlungen, so habe er erfahren, seien eher unkritische Veranstaltungen ohne große Diskussionen über die aktuellen Themen oder die strategischen Visionen für das Unternehmen. Vielmehr habe er den Eindruck, es werde von den Anteilseignern erwartet, die Vorschläge der Führung einfach abzusegnen.

OHB sei den Minderheitsaktionären, die zusammen 30 Prozent halten, treuhänderisch verpflichtet. Das Unternehmen könne sein volles Potenzial nur ausschöpfen, wenn die Interessen von Management und Aktionären übereinstimmten. Nur dann könnten alle Stakeholder profitieren.

Rügen und Empfehlungen

Der Ausblick für das weltweite Geschäft mit Satelliten sei enorm, OHB könnte dementsprechend eine große Zukunft vor sich haben, stellt Wyser-Pratte fest und will vom Vorstandschef wissen, wie er sich positionieren will.

Überdies empfiehlt der Investor OHB die Übernahme der italienischen Avio. Sie sei ein attraktives Ziel und müsse mit allen Mitteln aus der Reichweite der Konkurrenten Airbus, Safran und Thales bleiben. Die Marktkapitalisierung von Avio liege bei derzeit 350 Millionen Euro.

Zuletzt rügt Wyser-Pratte das Unternehmen, weil es der EU Schadensersatz gezahlt hat, nachdem sich die Lieferung der Galileo-Satelliten um ein Jahr verzögerte. Airbus habe sich eine Lieferverzögerung von sieben Jahren geleistet und niemals gezahlt. "Ich schlage vor, ein Komitee zur Qualitätskontrolle ins Leben zu rufen, um solche unglücklichen Fehltritte in Zukunft zu vermeiden", so der Investor.