Sowohl der Motorradhersteller Ducati (hier eine 899 Panigale auf dem Adria Raceway) als auch der Getriebebauer Renk könnten aus dem VW-Konzern ausgegliedert werden

Sowohl der Motorradhersteller Ducati (hier eine 899 Panigale auf dem Adria Raceway) als auch der Getriebebauer Renk könnten aus dem VW-Konzern ausgegliedert werden. - Bild: Audi

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Ausgliederungen seien "denkbar", aber auch Erweiterungen und Wachstumsstrategien, erklärte der Manager am Donnerstag vor den Aktionären auf der Hauptversammlung in Berlin. Damit macht Diess klar, dass weder Verkäufe noch Börsengänge ausgeschlossen sind.

Für die nicht zum Kerngeschäft zählenden Geschäftsfelder - darunter auch MAN Diesel & Turbo, ein Anbieter von Großdieselmotoren - müssten "belastbare Zukunftsperspektiven" erarbeitet werden, kündigte er an. Das werde "in aller Ruhe und mit der gebotenen Gründlichkeit" geschehen.

Die Sparte der schweren Nutzfahrzeuge - Volkswagen Truck & Bus - wiederum solle weitgehend unabhängig von der Steuerung durch den Konzern aufgestellt und "in absehbarer Zeit" fit für die Börse gemacht werden. Nach Angaben von Spartenchef Andreas Renschler wird Volkswagen hier die Mehrheit der Anteile behalten.

Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg sei nur mit einer gesunden Unternehmenskultur möglich, betonte Diess. "Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden." Der schon von Ex-Konzernchef Matthias Müller ausgerufene Kulturwandel für mehr Kritikfähigkeit und ethisches Verhalten - angestoßen nach dem Abgasskandal mit Millionen von manipulierten Dieselautos - ließ bislang aber viele Fragen offen.

Der Vorstand hat laut Diess mit "Together4Integrity" ein Programm zum Kulturwandel auf den Weg gebracht. Das interne Hinweisgeber-System soll demnach ausgebaut, Fehlverhalten kompromisslos geahndet und integres Verhalten in den Mittelpunkt gestellt werden.

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgasskandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Thompson soll nach dem Abgasbetrug und Schuldeingeständnis des Konzerns in den USA sicherstellen, dass sich solches Verhalten nicht wiederholt.

"Eine Portion Demut"

Nötig seien belastbare Strukturen und Prozesse - "vor allem aber müssen wir auch danach handeln", verlangte Diess. "Mir ist es ein Anliegen, dass Volkswagen offen und transparent ist." Dazu gehöre es auch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen: Den Weg zu einer offeneren Unternehmenskultur, in der Widerspruch belohnt statt erstickt werde, habe man unterschätzt. "Eine Portion Demut" mahnte der neue Chef an.

Zugleich konkretisierte Diess, was er sich unter der neuen Konzernstruktur vorstellt - neben der möglichen Ausgliederung von Nicht-Kerngeschäften. Arbeitnehmervertreter hatten einen Verkauf von Renk, an dem die VW-Tochter MAN 76 Prozent hält, strikt abgelehnt. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh fragte kürzlich mit Blick vor allem auf Ducati: "Warum sollen wir nicht zukaufen, uns Partner in China suchen, vielleicht auch da in die Elektromobilität einsteigen?"

  • Volkswagen, Muttergesellschaft

    1934 konstruierte Ferdinand Porsche den ersten Volkswagen. Heute ist VW die Stammmarke des größten europäischen Automobilherstellers. Mit über 70 Modellen deckt VW alle wichtigen Bereiche des Teilmarktes ab. - Bild: Volkswagen AG

  • Audi, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Audi ist einer der führenden Premiumhersteller weltweit und wurde 1965 die erste Tochtergesellschaft der Volkswagen AG. 2016 verkaufte Audi rund 1,8 Millionen Fahrzeuge weltweit. - Bild: Audi AG

  • Ducati, Audi, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Die 1926 gegründete italienische Motorradmarke wurde 2012 von der Tochterfirma Audi gekauft und ist somit auch Teil des VW Konzerns. - Bild: Stefan Krause

  • Lamborghini, Audi, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Lamborghini ist ein italienischer Automobilhersteller, der seit 1963 Sportwägen produziert. Als Audi 1998 das Unternehmen kaufte, wurde der Kleinserienhersteller auch Teil des Volkswagenkonzerns. - Bild: Automobili Lamborghini S.p.A.

  • Bugatti, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Die kleinste Stückzahl im VW Konzern produziert die 1998 gekaufte Marke Bugatti. Auf dem diesjährigen Genfer Autosalon stellt Bugatti sein neues Model - den Chiron - vor. Von nur 500 produzierten Modellen sind bereits 250 verkauft. - Bild: Clèment Bucco Lechat

  • Porsche, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Porsche lieferte 2015 225.000 Fahrzeuge aus und gilt damit als weltweit erfolgreichster Sportwagenhersteller. Seit 2012 gehört Porsche zum VW Konzern. - Bild: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

  • Bentley, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Bentley fertigt Automobile der Luxusklasse und ist als offizieller Hoflieferant des britischen Königshauses bekannt. 1998 kaufte VW den britischen Hersteller und ist seitdem Teil des Konzerns. - Bild: Bentley Motors

  • Seat, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Seat produziert 11 verschiedene Modelle und liefert mehr als 400.000 Fahrzeuge an seine Kunden aus. 1986 wurde der Autobauer Teil des Konzerns. - Bild: SEAT

  • Skoda, Volkswagen, Tochterunternehme

    Seit 1986 gehört Skoda zu Volkswagen und hat die Auslieferungen seitdem mehr als versechsfacht. Aktuell produziert der tschechische Hersteller sechs Modellreihen. - Bild: ŠKODA AUTO Deutschland GmbH

  • VW Nutzfahrzeuge, Volkswagen

    VW Nutzfahrzeuge ist seit knapp 60 Jahren eine eigenständige Marke der VW AG und für die Produktion von Nutzfahrzeugen zuständig. - Bild: Volkswagen AG

  • Scania, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Die schwedische Marke Scania ist einer der weltweit führenden Hersteller von Nutzfahrzeugen. Seit 2008 ist sie ein Tochterunternehmen der VW AG. - Bild: Scania

  • MAN, Volkswagen, Tochterunternehmen

    Der dritte Nutzfahrzeughersteller im Bunde ist MAN. Mit 75,28 Prozent besitzt VW die Mehrheit der Stammaktien. - Bild: MAN Group

Nach dem Willen des Vorstands soll Volkswagen bei Entscheidungen und deren Umsetzung schneller werden. Die Beschlusswege seien zu lang, zudem gebe es an vielen Stellen Doppelarbeit, erklärte Diess. Das solle anders werden: Die neuen Markengruppen heißen "Volumen" (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge, Mobilitätsdienstleister Moia), "Premium" (Audi, Porsche Holding Salzburg, Lamborghini, Ducati) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti).

2018 will der Konzern mehr als 70 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen. Diess warnte mit Blick auf den neuen WLTP-Prüfzyklus vor möglichen Lieferengpässen. Er wies etwa auf die Kapazitäten der Genehmigungsbehörden hin. 2018 werde aber erneut ein gutes Jahr. Der Konzern bestätigte, dass die Erlöse um bis zu fünf Prozent steigen sollten, die operative Rendite - der Anteil des operativen Ergebnisses am Umsatz - werde zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen.

Vor der Halle forderten Greenpeace-Aktivisten zu Beginn der Hauptversammlung, Volkswagen müsse sauberer werden. Auch die umstrittenen Tierversuche mit Affen prangerten sie an. "Herbert Diess muss bei VW endlich ein Großreinemachen anstoßen", sagte Greenpeace-Sprecher Niklas Schinerl. Er rief dazu auf, das Ende des Verbrennungsmotors einzuleiten.