Volkswagen Fahrzeug

Europas größter Autobauer Volkswagen fährt beim Umsatz der Konkurrenz davon. - Bild: Volkswagen

Konkurrent Toyota verzeichnete hingegen einen Umsatzrückgang von sechs Prozent auf umgerechnet 54 Milliarden Euro, während der VW-Konzern auf knapp 57 Milliarden Euro zulegen konnte. Die Japaner verloren damit ihren Spitzenplatz im Umsatz-Ranking an den deutschen OEM.

Beim Gewinn und beim Pkw-Absatz hatte hingegen Toyota die Nase vorn: Mit umgerechnet 5,3 Milliarden Euro erwirtschaftete Toyota den höchsten operativen Gewinn (Ebit) aller Autokonzerne.

Daimler und GM landen auf den Plätzen zwei und drei. Beim Absatz lag Toyota mit 2,53 Millionen verkauften Pkw knapp vor Volkswagen (2,46 Millionen) und GM (2,40 Millionen). Das ist das Ergebnis einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Insgesamt verzeichneten die 16 größten Automobilkonzerne der Welt bei einem Absatzwachstum von drei Prozent ein leichtes Umsatzplus von 1,1 Prozent. Die deutschen Hersteller Volkswagen, Daimler und BMW entwickelten sich in Summe in beiden Disziplinen überdurchschnittlich gut und legten beim Absatz um sieben Prozent und beim Umsatz um drei Prozent zu.

Eingebrochen ist hingegen der operativen Gewinn der deutschen Konzerne: Insgesamt sank das Ebit der deutschen Autobauer um knapp ein Fünftel (BMW: plus acht Prozent; Daimler: minus 12 Prozent; Volkswagen: minus 46 Prozent). Die japanischen Hersteller verzeichneten einen Gewinnrückgang von neun Prozent. Die operativen Gewinne der US-Konzerne und der französischen Hersteller stiegen hingegen um 10 beziehungsweise 36 Prozent.

BMW bleibt Margen-König

Die Position als margenstärkster Autokonzern der Welt konnte BMW auch im zweiten Quartal verteidigen: Die Ebit-Marge der Bayern stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 10,5 auf 10,9 Prozent. Toyota musste als zweitplatziertes Unternehmen einen Rückgang von 10,8 auf 9,7 Prozent hinnehmen. Daimler belegt mit einer operativen Marge von 8,4 Prozent den dritten Platz.

"Der weltweite Automarkt hat einen Gang zurückgeschaltet", kommentiert Peter Fuß, Partner bei EY. "Einige wichtige Absatzmärkte – etwa Russland und Brasilien – befinden sich in einer tiefen Krise, in den USA stagnieren die Verkäufe auf hohem Niveau, derzeit sorgen nur noch Westeuropa und China für Wachstum."

Vor allem in Westeuropa lief es im zweiten Quartal gut: Insgesamt stiegen die Pkw-Verkäufe der analysierten Autokonzerne hier um neun Prozent, die deutschen Konzerne legten um acht Prozent zu. In China konnten die deutschen Autobauer ihren Absatz um neun Prozent erhöhen, während das Wachstum aller 16 Unternehmen bei sieben Prozent lag.

China gewinnt weiter an Bedeutung

Dank der guten Entwicklung in China gewann das Reich der Mitte für die deutschen Autobauer im ersten Halbjahr weiter an Bedeutung: Fast jedes dritte Auto (32 Prozent) verkauften die deutschen Autokonzerne in China – im Gesamtjahr 2015 lag der Anteil Chinas am weltweiten Gesamtabsatz bei 31 Prozent, im Vorjahr bei 30 Prozent. "China ist weiterhin der wichtigste Wachstumstreiber für die deutschen Autobauer, während der US-Markt ihre größte Baustelle bleibt", stellt Fuß fest. In den USA gingen die Verkäufe der deutschen Autobauer im zweiten Quartal deutlich – um sieben Prozent – zurück, der Gesamtmarkt schrumpfte nur um ein Prozent.

Die wesentlichen Gründen für den Gewinnrückgang der deutschen Konzerne waren im zweiten Quartal zum einen die zusätzlichen Rückstellungen infolge der Diesel-Affäre. Diese verringerte das Ergebnis von VW um 1,6 Milliarden Euro. Obendrein mussten die drei deutschen OEMs Rückstellungen im Zusammenhang mit möglicherweise fehlerhaften Takata Airbags in Höhe von insgesamt geschätzt 800 Millionen Euro vornehmen.

Hohe Rabatte drücken Marge

Zusätzlich drücken zum Teil hohe Rabatte auf die Gewinnmarge, beobachtet Fuß: "Die Weltkonjunktur schwächelt, der weltweite Pkw-Absatz wächst nur noch leicht, viele wichtige Absatzmärkte bleiben im Krisenmodus – da greifen die Anbieter gerade im Volumensegment vermehrt zu Rabatten, um die Verkäufe anzukurbeln und Marktanteile zu verteidigen oder zu gewinnen." Das belaste die Marge massiv.

Fuß rechnet für die zweite Jahreshälfte mit einer weiterhin schwachen Wachstumsdynamik auf dem weltweiten Neuwagenmarkt: "In den USA dürfte der Zenit des jahrelangen Aufschwungs erreicht sein, dort wächst der Markt vorläufig nicht mehr. Und auch Europa wird  beim Wachstum voraussichtlich bald das Ende der Fahnenstange erreichen – da ist nicht mehr viel Luft nach oben."

Die Autokonzerne müssten sich demnach auf niedrigere Zuwächse einstellen. Zudem dürfte laut Fuß der Verdrängungswettbewerb weiter zunehmen.

Für die deutschen Autobauer komme erschwerend hinzu, dass bei ihnen Diesel-Modelle einen besonders hohen Anteil am Gesamtabsatz haben – und der Diesel zunehmend ein Image-Problem hat. Fuß erklärt: "Die Diskussionen über ein Diesel-Fahrverbot in Innenstädten oder über den Abbau von steuerlichen Vergünstigungen sorgen für Verunsicherung bei den Käufern."

Obendrein dürften sich Dieselfahrzeuge aufgrund zusätzlicher technischer Maßnahmen zur Abgasreinigung und angesichts strengerer Grenzwerte und neuer Messmethoden zukünftig verteuern. Die Antwort müsse in zusätzlichen Anstrengungen in Sachen Elektromobilität bestehen, fordert Fuß.