Volkswagen strebt seit Jahren eine Nutzfahrzeug-Troika mit MAN und Scania unter dem eigenen Dach an

Volkswagen strebt seit Jahren eine Nutzfahrzeug-Troika mit MAN und Scania unter dem eigenen Dach an und ist diesem Ziel nun ein gutes Stück näher gekommen (Bild: Volkswagen).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Europas größter Autobauer hält nach eigenen Angaben vom Montag zum Ende des Übernahmeangebots 55,90% der Stimmrechte des Münchener Nutzfahrzeug- und Motorenherstellers. Dies dürfen die Niedersachsen als Erfolg verbuchen, denn das eigens ausgegebene Mindestziel von 35% bis 40% wurde damit locker übertroffen. Ohne eine Prämie zu zahlen, sicherten sich die Niedersachsen die Mehrheit an dem DAX-Konzern.

“Volkswagen ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden”, sagte Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn. “Damit rückt das Ziel näher, substanzielle Synergien zwischen MAN, Scania und Volkswagen im Interesse aller Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden heben zu können.” In enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden würden nun die gesetzlich notwendigen weltweiten Freigabeverfahren vorangetrieben.

Nachdem VW mit den lange gehegten Plänen zu einer Lkw-Allianz unter dem eigenen Konzerndach ernst machte und bei MAN auf über 30% aufstockte, wurde Ende Mai ein Pflichtangebot für den bayerischen Nutzfahrzeughersteller fällig. VW bot den MAN-Stammaktionären 95 Euro je Papier und den Vorzugsaktionären 59,90 Euro – das entspricht jeweils den gesetzlich vorgeschriebenen Untergrenzen und lag zeitweise ein gutes Stück unter dem Kursniveau.

Deshalb, und weil MAN-Vorstand und -Aufsichtsrat empfahlen, die Offerte zu den gegebenen Konditionen nicht anzunehmen, war die Resonanz anfangs überschaubar. Da die MAN-Aktie angesichts konjunktureller Sorgen in den vergangenen Wochen allerdings ein ganzes Stück nachgab und zuletzt deutlich unter den Angebotspreis fiel, dienten gegen Ende der Annahmefrist doch noch viele Aktionäre ihre Anteile an. Am Markt war zuletzt sogar/bereits damit gerechnet worden, dass VW sogar die 50%-Marke knacken könnte.

Daran war VW eigentlich gar nicht unbedingt interessiert. Vielmehr ging es den Niedersachsen um eine stabile Hauptversammlungsmehrheit und vor allem um die grundsätzliche kartellrechtliche Freigabe einer Übernahme aus Brüssel. Denn erst wenn die Kartellwächter grundsätzlich grünes Licht geben, ist eine engere Zusammenarbeit von MAN mit der schwedischen VW-Tochter Scania in Einkauf, Entwicklung und Produktion möglich – und damit die Hebung von Synergien. Dem dazu nötigen Datenaustausch steht das Wettbewerbsrecht derzeit noch im Weg.

Aufgrund von Bedenken der EU-Kommission hatte VW am vergangenen Montag den Plan zunächst auf Eis gelegt, die eigene Führungsriege im MAN-Aufsichsrat zu installieren und damit den eigenen Machtanspruch zu untermauern. Ursprünglich sollten VW-Chef Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und der Leiter der Nutzfahrzeugsparte, Jochem Heizmann, in das Kontrollgremium einziehen. Bei der EU sorgte jedoch für Unmut, dass das VW-Trio auch im Kontrollgremium der Tochter Scania sitzt.

Die Gespräche mit der Kommission über die fusionskontrollrechtliche Genehmigung laufen nach Angaben aus Wolfsburg “konstruktiv”. VW hatte sich jüngst zuversichtlich gezeigt, die förmliche Anmeldung in den nächsten Wochen anmelden zu können.

Volkswagen strebt seit Jahren eine Nutzfahrzeug-Troika mit MAN und Scania unter dem eigenen Dach an. Sie soll es mit den Branchenschwergewichten Daimler und Volvo aufnehmen können. Weniger der Schritt selbst als vielmehr der Zeitpunkt des Übernahmeangebots vor einigen Wochen kam überraschend. Denn bislang hatten VW-Chef Martin Winterkorn und der einflussreiche Aufsichtsratsvorsitzende von VW und MAN, Ferdinand Piëch, betont, zunächst müsse der Schmiergeldskandal bei der ehemaligen MAN-Tochter Ferrostaal ausgeräumt werden, bevor Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten. Eine Einigung in dieser Sache ist jedoch noch in weiter Ferne.