Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires

WIESBADEN (Dow Jones/ks)–Leichtbau sei die Zukunft, sagte VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn am Montagabend im Vorfeld des Genfer Automobilsalons. Die Beteiligung sei eine “strategische Entscheidung” gewesen. Denn SGL Carbon sei einer der Marktführer für Carbonfasern und moderne Verbundwerkstoffe.

“Der Volkswagen-Konzern treibt das Thema Leichtbau seit langem mit großem Engagement voran. Denn das ist ein wichtiger Schlüssel zur Reduzierung von Verbrauch und Emissionen”, so Winterkorn. “Auch mit unserer Beteiligung an SGL Carbon wird Volkswagen an der Geschäftsentwicklung auf diesem Zukunftsmarkt partizipieren”.

Ein Volkswagen-Sprecher sagte am Nachmittag, derzeit sei es nicht geplant, den Anteil über 10% hinaus aufzustocken.

Volkswagen wolle vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung des Leichtbau-Konzerns profitieren, sagte ein Sprecher. Es handele sich insofern nicht um eine strategische, sondern eine Finanzbeteiligung. “Derzeit ist nicht geplant, den Anteil über 10% hinaus aufzustocken”, sagte er weiter.

SGL sieht in der Beteiligung eine Wertschätzung der eigenen Entwicklungsaktivitäten in neue Werkstoffe und Technologien speziell im automobilen Leichtbau. Die Beteiligung unterstütze den langfristigen Plan zur Stärkung der eigenen Unabhängigkeit durch Aufbau einer kleinen Gruppe von Ankeraktionären, erklärte der Vorstandsvorsitzende Robert Koehler. Neben Volkswagen halten SKion, die Beteiligungsgesellschaft von BMW-Erbin Susanne Klatten, gut 22% und Voith gut 5% an SGL.

Im Automobilgeschäft kooperiert SGL bereits mit der BMW AG bei der Produktion von ultraleichten Kunststoffen für das von den Münchenern geplante Elektroauto. Beide Unternehmen hatten im Frühjahr 2009 ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Aktuell wird ein gemeinsames Carbonfaserwerk in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington gebaut, in das beide Unternehmen insgesamt 100 Mio Dollar investieren. Zudem steckte BMW zuletzt weitere Millionen in die Werke in Landshut und Wackersdorf, wo künftig Kohlefaserplatten hergestellt werden, die dann zu Karrosserieteilen für die Elektroautos weiterverarbeitet werden.

An der Börse wurde die Nachricht zum VW-Einstieg bei SGL als “sensationell” begrüßt. “Es ist schon ein Hammer, wenn VW gleich mit über 8% einsteigt”, sagt ein Händler. Der Kurs von SGL schoss am Montag in der Xetra-Schlussauktion um rund 1 Euro auf 27,02 Euro und verzeichnete damit ein Kursplus von über 6%. Im Frankfurter Parketthandel legte die Aktie weiter zu auf 27,43 Euro. Am Dienstag rechnet der Händler mit einer sehr festen Eröffnung der SGL-Aktien.