Volkswagen Stammwerk Wolfsburg Müller

Das wird VW-Chef Matthias Müller (Mitte) überhaupt nicht schmecken: Im Volkswagen-Stammwerk Wolfsburg werden ab Montag eine Woche lang keine Golf-Autos mehr gebaut. - Bild: VW

Die Machtprobe zwischen Europas größtem Autobauer Volkswagen und zwei kleinen Zulieferern geht weiter. Der Streit droht große Teile der Produktion lahm zu legen.

Nun zwingt der Streit die Wolfsburger in die Knie: Ab der Frühschicht am Montag wird die Produktion des wichtigsten Modells Golf ruhen und die gesamte Woche dauern, erklärte ein Unternehmenssprecher am Samstag. Bereits am Wochenende sind Bereiche zur Vorbereitung der Fertigung ausgesetzt worden, die entsprechende Logistik ruhe, so der Sprecher weiter.

Der Grund für die Zwangspause ist ein Lieferstopp der Partnerfirmen ES Automobilguss und Car Trim. Trotz aller Unstimmigkeiten arbeite man nach wie vor an einer Einigung, erklärte Volkswagen. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die nötigen Teile zu erhalten Die Fronten sind allerdings verhärtet: Die beiden Zulieferer wiesen eine Verantwortung zurück und geben VW die Schuld an der Entwicklung.

Finanzielles Desaster für den Autobauer?

Der Produktionsstopp könnte Volkswagen empfindlich treffen. Wie Analysten der Schweizer Großbank USB jetzt ausgerechnet haben, könnte der Lieferstopp den Wolfsburger Autobauer 100 Millionen Euro pro Woche kosten. Der Prognose kann sich Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen durchaus anschließen: "Dem Konzern drohten "Gewinneinbußen im hohen dreistelligen Millionenbereich"", so der Autoprofessor.

Mit Material von Spiegel Online und Focus Money

Die Stimmen zum VW-Zuliefererstreit

  • Der Konzern werde alle Mittel nutzen, die laut Gesetz möglich seien. "Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft und Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden", teilte VW gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" mit. Notfalls könne der Autobauer einen Gerichtsvollzieher schicken, der die fehlenden Autoteile pfände und zu den VW-Werken schaffen lasse. - Bild: Volkswagen

    Der Konzern werde alle Mittel nutzen, die laut Gesetz möglich seien. "Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft und Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden", teilte VW gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" mit. Notfalls könne der Autobauer einen Gerichtsvollzieher schicken, der die fehlenden Autoteile pfände und zu den VW-Werken schaffen lasse. - Bild: Volkswagen

  • VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verurteilte den Lieferstopp. "Hier läuft ein ganz mieses Spiel", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstag). Das Blatt berichtete zudem über geplante Auszeiten in der Golf-Fertigung vom 4. bis 7. Oktober sowie vom 19. bis 22. Dezember. Diese hätten aber nichts mit dem aktuellen Lieferstreit, sondern mit einer geringeren Golf-Nachfrage infolge der Abgas-Krise zu tun. - Bild: VW

    VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verurteilte den Lieferstopp. "Hier läuft ein ganz mieses Spiel", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstag). Das Blatt berichtete zudem über geplante Auszeiten in der Golf-Fertigung vom 4. bis 7. Oktober sowie vom 19. bis 22. Dezember. Diese hätten aber nichts mit dem aktuellen Lieferstreit, sondern mit einer geringeren Golf-Nachfrage infolge der Abgas-Krise zu tun. - Bild: VW

  • Branchenexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer sieht die Schuld für die Eskalation des Konflikts zwischen Autobauer und Zulieferer beim VW-Einkaufsvorstand: "Der VW–Einkauf agiert amateurhaft." Bei dem Getriebeteil handele es sich um ein Single-Sourcing-Produkt. "Auf Single-Sourcing zu setzen ist schon längst nicht mehr zeitgemäß", so Dudenhöffer gegenüber "Produktion". Darüber hinaus hätten die Wolfsburger längst einen zweiten Zulieferer aufbauen müssen, der das fragliche Teil liefert, anstatt den Weg über das Gericht zu gehen. - Bild: Archiv/Oliver Zillmann

    Branchenexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer sieht die Schuld für die Eskalation des Konflikts zwischen Autobauer und Zulieferer beim VW-Einkaufsvorstand: "Der VW–Einkauf agiert amateurhaft." Bei dem Getriebeteil handele es sich um ein Single-Sourcing-Produkt. "Auf Single-Sourcing zu setzen ist schon längst nicht mehr zeitgemäß", so Dudenhöffer gegenüber "Produktion". Darüber hinaus hätten die Wolfsburger längst einen zweiten Zulieferer aufbauen müssen, der das fragliche Teil liefert, anstatt den Weg über das Gericht zu gehen. - Bild: Archiv/Oliver Zillmann

  • Die Firma Car Trim teilte auf Anfrage von "Produktion" mit, dass die Firmenleitung heute (Freitag) nicht im Haus sei. Erst kommende Woche Montag (22.8.) stehe die Geschäftsführung für ein Statement zur Verfügung. "Das ist hausgemacht, und VW verlagert die eigenen Probleme auf die Zulieferindustrie", ", zitierte die Kommunikationsagentur den Chef von ES Automobilguss, Alexander Gerstung, am Fritagnachmittag. - Bild: Screenshot Car Trim Webseite

    Die Firma Car Trim teilte auf Anfrage von "Produktion" mit, dass die Firmenleitung heute (Freitag) nicht im Haus sei. Erst kommende Woche Montag (22.8.) stehe die Geschäftsführung für ein Statement zur Verfügung. "Das ist hausgemacht, und VW verlagert die eigenen Probleme auf die Zulieferindustrie", ", zitierte die Kommunikationsagentur den Chef von ES Automobilguss, Alexander Gerstung, am Fritagnachmittag. - Bild: Screenshot Car Trim Webseite

  • Auch ES Automobilguss war für ein Statement zum Konflikt mit VW nicht zu erreichen. Lediglich der Anrufbeantworter meldete sich. . "Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich", ließen ES Automobilguss und Car Trim am Freitagnachmittag über eine Kommunikationsagentur mitteilen. -  Bild: Screenshot ES Automobilguss Webseite

    Auch ES Automobilguss war für ein Statement zum Konflikt mit VW nicht zu erreichen. Lediglich der Anrufbeantworter meldete sich. . "Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich", ließen ES Automobilguss und Car Trim am Freitagnachmittag über eine Kommunikationsagentur mitteilen. - Bild: Screenshot ES Automobilguss Webseite

  • Die Prevent-Gruppe, Mutterkonzern von Car Trim und ES Autmobilguss, verwies auf Anfrage von "Produktion" darauf, dass demnächst eine offizielle Pressemitteilung verschickt werde. Sobald diese uns vorliegt, werden wir sie an dieser Stelle veröffentlichen. - Bild: Screenshot Prevent Webseite

    Die Prevent-Gruppe, Mutterkonzern von Car Trim und ES Autmobilguss, verwies auf Anfrage von "Produktion" darauf, dass demnächst eine offizielle Pressemitteilung verschickt werde. Sobald diese uns vorliegt, werden wir sie an dieser Stelle veröffentlichen. - Bild: Screenshot Prevent Webseite

  • Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies (SPD, rechts) attackierte Donnerstag im Landtag die Zulieferer. "Es ist ein unglaubliches und für mich nicht nachvollziehbares Verhalten der Unternehmen", sagte er vor den Abgeordneten. Die Unterbrechung der Lieferkette sei für den Volkswagen eine "schwere Belastung". - Bild: Volkswagen

    Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies (SPD, rechts) attackierte Donnerstag im Landtag die Zulieferer. "Es ist ein unglaubliches und für mich nicht nachvollziehbares Verhalten der Unternehmen", sagte er vor den Abgeordneten. Die Unterbrechung der Lieferkette sei für den Volkswagen eine "schwere Belastung". - Bild: Volkswagen

  • VW-Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz gilt als einer der erfahrensten Einkäufer der Branche. Er schrieb den Zulieferern Ende Juni, der Autobauer müsse auch bei den "Beschaffungskosten deutlich effizienter werden". Er wolle die Reserven mobilisieren. "Das wollen wir kooperativ erreichen, aber auch mit der notwendigen Konsequenz, um wettbewerbsfähig zu bleiben", kündigte er die Marschrichtung an. - Bild: Seat

    VW-Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz gilt als einer der erfahrensten Einkäufer der Branche. Er schrieb den Zulieferern Ende Juni, der Autobauer müsse auch bei den "Beschaffungskosten deutlich effizienter werden". Er wolle die Reserven mobilisieren. "Das wollen wir kooperativ erreichen, aber auch mit der notwendigen Konsequenz, um wettbewerbsfähig zu bleiben", kündigte er die Marschrichtung an. - Bild: Seat