Matthias Müller

Matthias Müller: "Wir gehen durch eine Zeit der Unsicherheit und Volatilität, darauf stellen wir uns ein." - Bild: VW"

Das hat der Aufsichtsrat des Unternehmens am Freitag beschlossen, wie Volkswagen-Chef Matthias Müller nach einer Sitzung des Kontrollgremiums mitteilte. Im vergangenen Planungszeitraum lag dieser Wert bei durchschnittlich rund 13 Milliarden Euro pro Jahr.

"Wir gehen durch eine Zeit der Unsicherheit und Volatilität, darauf stellen wir uns ein", sagte Müller. "Wir werden alle geplanten Investitionen und Ausgaben strengstens priorisieren. Was nicht zwingend notwendig ist, wird wie angekündigt gestrichen oder geschoben."

Erst vor einem Jahr hatten sich die damaligen Volkswagen-Verantwortlichen vorgenommen, in den Jahren 2015 bis 2019 insgesamt 85,6 Milliarden Euro zu investieren. Hinzukommen sollten Ausgaben von 22 Milliarden Euro bei den chinesischen Gemeinschaftsunternehmen des Autokonzerns kommen.

Volkswagen steht wie andere Unternehmen der Automobilbranche unter hohem Innovationsdruck. Der Konzern muss zum einen in die Digitalisierung seiner Fahrzeuge investieren, um Technologieunternehmen wie Google und Apple etwa bei der Entwicklung selbstfahrender Autos zuvorzukommen. Zum anderen muss Volkswagen viel für neue Antriebstechnologien ausgeben, um die in vielen Ländern immer schärferen Abgasvorgaben künftig auch ohne illegale Tricks zu erfüllen.

Im November des vergangenen Jahres hatte der damalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn vor dem Hintergrund versprochen: "Wir investieren weiter in die Zukunft, um der ökologisch und ökonomisch führende Automobilkonzern zu werden - mit den besten und nachhaltigsten Produkten." Der Satz erscheint angesichts der vor rund zwei Monaten bekannt gewordenen Abgasmanipulationen heute in anderem Licht.

"Turbo-Effizienzprogramm mit Schmerzen"

Winterkorn hat wegen des Skandals den Konzern verlassen. Sein Nachfolger Müller kündigte schon kurz nach seinem Wechsel in die Position des Vorstandschefs Einschnitte an. Die Mitarbeiter bereitete er auf ein "Turbo-Effizienzprogramm" vor. Dieses werde "nicht ohne Schmerzen" umzusetzen sein, sagte er bei einer Betriebsversammlung. Die Marke Volkswagen kündigte wenig später an, die eigenen jährlichen Investitionen gegenüber dem bisherigen Plan um rund eine Milliarde Euro zu senken.

Volkswagen braucht in den nächsten Jahren viel Geld, um die Kosten des Abgasskandals zu tragen. Dem Konzern drohen weltweit nicht nur Strafen in Milliardenhöhe. Hinzukommen dürften Schadensersatzforderungen von Kunden, Steuernachzahlungen und die Ausgaben für Rückrufaktionen. Im dritten Quartal dieses Jahres hat Volkswagen wegen des Abgasskandals rund 6,7 Milliarden Euro zurückgestellt. Beobachter halten aber für wahrscheinlich, dass die Kosten des Abgasskandals letztlich weit höher ausfallen.