Um die stark wachsende Nachfrage schnell bedienen zu können, soll das erste von GAZ gefertigte Auto

Um die stark wachsende Nachfrage schnell bedienen zu können, soll das erste von GAZ gefertigte Auto bereits Ende 2012 vom Band laufen, wie der Wolfsburger DAX-Konzern am Dienstag mitteilte (Bild: Volkswagen).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–”Der russischen Markt ist einer der Wachstumsmotoren für die Automobilindustrie und eine wichtige Säule unserer Strategie 2018″, sagte Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn. Spätestens im Jahr 2018 will VW die automobile Weltspitze erklimmen und den krisengeplagten japanischen Hersteller Toyota sowie den wiedererstarkten US-Konkurrenten General Motors von der Spitze verdrängen.

“Durch den kurzfristigen Ausbau der Produktionskapazitäten gemeinsam mit GAZ wird der Volkswagen-Konzern seine Position in diesem Schlüsselmarkt deutlich stärken”, so Winterkorn. In die Erweiterung und Modernisierung vorhandener Fertigungsanlagen sowie den Aufbau eines neuen Karosseriebaus in Nischni Nowgorod wollen die Niedersachen rund 200 Mio Euro investieren.

VW-Chef Winterkorn hatte bereits 2010 eine Kooperation mit GAZ als Option bezeichnet, die Fertigungskapazitäten in Russland kurzfristig aufzustocken. Im Februar wurde dann eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, die nun endgültig besiegelt ist. Zwischenzeitlich hatte es sogar Gerüchte gegeben, es sei eine Überkreuzbeteiligung geplant. Diese hatte Europas größter Autohersteller aber umgehend zurückgewiesen.

GAZ ist Russlands zweitgrößter Autobauer und im Westen vor allem für die Marke Wolga bekannt. Das Unternehmen stellt vornehmlich Transporter her. Ende 2010 einigte sich GAZ mit Daimler auf eine ähnliche Zusammenarbeit wie nun mit Volkswagen. Im GAZ-Stammwerk in Nischni Nowgorod werden künftig jährlich 25.000 Mercedes-Benz-Transporter vom Band rollen. Die Stuttgarter investierten dazu mehr als 100 Mio Euro.

VW-Generalbevollmächtigter Detlef Wittig erklärte am Dienstag, die Vereinbarung mit GAZ sei ein Meilenstein zur Ausweitung des Engagements in Russland. “Neben der Auftragsfertigung von jährlich 110.000 Fahrzeugen bei GAZ werden wir auch die Kapazitäten in unserem Werk in Kaluga ausbauen, um am Boom des russischen Marktes partizipieren zu können”. Details dazu nannte er nicht.

An dem Standort rund 170 Kilometer südwestlich von Moskau baute VW 2007 für insgesamt mehr als 500 Mio Euro ein Montage- und Fertigungswerk. Die Kapazität des Standorts liegt aktuell bei bis zu 150.000 Fahrzeugen jährlich. Der Leiter der VW-Landesgesellschaft, Marcus Osegowitsch, hatte bereits vor einigen Monaten angedeutet, dass in Kaluga künftig auch der neue Polo Sedan sowie andere Modelle montiert werden könnten.

Nachdem die russische Pkw-Nachfrage in der Wirtschaftskrise massiv eingebrochen war, ziehen die Verkäufe wieder deutlich an. Russland gilt – nicht zuletzt wegen des schwierigen Umfelds auf einigen europäischen Märkten – als wichtiger Zukunftsmarkt. Pkw-Importe sind aufgrund hoher Zölle, mit denen die Regierung ihre Industrie schützen will, wenig lukrativ. Diese Zölle entfallen, wenn zumindest die Endmontage in Russland erfolgt.