Europas größter Autobauer Volkswagen hat den Gewinn zum Jahresbeginn sowohl operativ als auch nach

Europas größter Autobauer Volkswagen hat den Gewinn zum Jahresbeginn sowohl operativ als auch nach Steuern überraschend deutlich gesteigert. - Bild: kru

Volkswagens Führungskrise dauert an – doch mit den Finanzdaten aus dem ersten Quartal liefert Europas größter Automobilkonzern eine positive Überraschung.

Das Unternehmen hat den Gewinn zum Jahresbeginn sowohl operativ als auch nach Steuern überraschend deutlich gesteigert. Zwar fiel das Absatzwachstum des Volkswagen-Konzerns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schwach aus, doch nahm das Unternehmen pro verkauftem Fahrzeug erheblich mehr ein. Gründe dafür sind vor allem positive Währungseffekte und eine überproportionale Nachfragesteigerung in Europa.

Vor diesem Hintergrund erhöhte Volkswagen den operativen Konzerngewinn im ersten Quartal um 16,6 Prozent auf rund 3,3 Milliarden Euro. Analysten hatten zwar mit einer Verbesserung der Kennzahl gerechnet. Im Durchschnitt blieben ihre Schätzungen aber unter dem erzielten Ergebnis: Nach den von Dow Jones Newswires zusammengetragenen Erwartungen gingen die Branchenexperten im Mittel von einem operativen Gewinn von 3,08 Milliarden Euro aus.

Wie Volkswagen schon vor mehreren Tagen mitgeteilt hatte, verbesserte sich die Zahl der weltweit von den Konzernmarken ausgelieferten Fahrzeuge um 1,8 Prozent auf 2,49 Millionen. Im Vorjahreszeitraum war das Wachstum mit 5,6 Prozent wesentlich höher ausgefallen. Vor allem in Russland und Brasilien muss Volkswagen wegen der dortigen Wirtschaftsschwäche mit erheblichen Nachfragerückgängen umgehen. Im ersten Quartal schwächte sich zudem das Auslieferungswachstum auf Volkswagens bedeutendstem Einzelmarkt China auf nur noch 2,0 Prozent ab. Grund dafür sind zum einen Kapazitätsengpässe wegen Fabrikumbauten. Zum anderen fehlt im Angebot von Volkswagen ein kleines SUV-Modell. Derartige Fahrzeuge gewinnen bei chinesischen Kunden seit einigen Monaten immer mehr an Beliebtheit.

In Europa und vor allem in Deutschland verbesserte sich das Absatzwachstum zum Jahresbeginn aber. Weil Volkswagen nahe der Heimat vergleichsweise hohe Preise erzielt und dort die Logistikkosten gering sind, trug die Wachstumsverlagerung von den aufstrebenden Märkten weg und hin nach Europa offenkundig zu einer überproportionalen Umsatzsteigerung bei. Positiv wirkte auch der schwache Euro, durch den der Euro-Wert der im Ausland erzielten Einnahmen stieg. Die Erlöse verbesserten sich angesichts dessen im ersten Quartal um 10,3 Prozent auf 52,7 Milliarden Euro. Analysten hatten nur mit Einnahmen von 50,23 Milliarden Euro gerechnet.

Vor dem Hintergrund der noch deutlicheren Gewinnsteigerung verbesserte sich die operative Marge des Volkswagen-Konzerns auf 6,3 Prozent, nach 6,0 Prozent im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr strebt das Unternehmen eine operative Gewinnspanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent an. Den entsprechenden Ausblick bestätigte Volkswagen nun. Die Konzernverantwortlichen wiederholten zudem die Prognose, nach der der Konzernumsatz in diesem Jahr um bis zu 4 Prozent steigen soll.

Die am Mittwochmorgen vorgelegten Daten über die Entwicklung im ersten Quartal lassen zudem auf weitere Verbesserungen beim Nettoergebnis hoffen: In den ersten drei Monaten verdiente der Volkswagen-Konzern den Angaben zufolge nach Steuern rund 2,93 Milliarden Euro und damit 18,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter teilte Volkswagen zunächst nicht mit.

Entwicklung in China trägt zum positiven Ergebnis bei

Trotz des schwächeren Absatzwachstums hat zu der Verbesserung abermals ganz erheblich die Entwicklung in China beigetragen. Der anteilige operative Beitrag von Volkswagens at-equity bilanzierten Joint-Ventures in dem Land verbesserte sich von rund 1,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf etwa 1,6 Milliarden Euro. Auch dafür dürfte die Abwertung des Euros ein bedeutender Grund sein.

Volkswagen habe “immer betont, dass 2015 ein anspruchsvolles Jahr für die gesamte Automobilindustrie und auch für uns wird”, zitierte der Autokonzern den eigenen Vorstandschef Martin Winterkorn in einer Mitteilung. Und weiter: “Unsere Kennzahlen für das erste Quartal beweisen aber, dass der Volkswagen Konzern trotz Gegenwinds auf Kurs fährt.”

Das Interesse vieler Volkswagen-Beobachter gilt in diesen Tagen allerdings stärker dem Konzernchef selbst als den Finanzdaten. Winterkorn hatte sich in den vergangenen Wochen in einem Machtkampf mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch durchgesetzt. Piëch trat in der Folge am vergangenen Wochenende von allen Posten bei Volkswagen zurück. Derzeit ist offen, wer neuer Aufsichtsratschef wird. Journalisten und Analysten erhoffen sich von einer Telefonkonferenz am Mittwochnachmittag Hinweise.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke