Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires

WOLFSBURG (Dow Jones)–2010 verdiente Europas größter Automobilkonzern unter dem Strich und nach Anteilen Dritter mit 6,8 Mrd Euro gut sieben Mal so viel wie im Vorjahr, wie der Wolfsburger Konzern am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung überraschend mitteilte. Dass die Ergebnisse deutlich besser ausfielen als erwartet, sorgte an der Börse für Kauflaune.

Doch fast schon reflexartig traten die Norddeutschen bei der Verkündung der guten Nachrichten auf die Euphoriebremse: Die Aussichten für das laufende Jahr seien trotz allen konjunkturellen Unwägbarkeiten positiv, erklärte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. “Wir gehen davon aus, dass die Umsatzerlöse und das operative Ergebnis des Konzerns im Jahr 2011 die Vorjahreswerte übertreffen werden. Allerdings werden die weiterhin volatilen Zins- und Wechselkursverläufe sowie Rohstoffpreise den positiven Volumeneffekt abschwächen”, erklärten die Wolfsburger. Volkswagen ist für vorsichtige Ausblicke bekannt.

Im vergangenen Jahr war von den immer wieder beschworenen Bremsspuren wenig zu sehen: Obwohl es in den heimischen Autohäusern nach dem Ende der Abwrackprämie ruhiger war und sich auch die Kunden im restlichen Europa nicht recht zu einem Autokauf durchringen konnten, verkaufte Volkswagen vor allem dank der Nachfrage in China, Brasilien und den USA mit 7,1 Millionen Golf, Polo, Passat, Audi, Skoda und Co 14% mehr Autos und damit so viel wie nie zuvor. In diesem Jahr sollen es mindestens 5% mehr werden. Damit ist VW auf dem besten Wege, schon vor 2018 und damit früher als geplant, Toyota als weltgrößten Autohersteller abzulösen.

Mit dem neuerlichen Verkaufsrekord kletterte der Umsatz den Angaben zufolge um gut ein Fünftel auf 126,9 Mrd Euro. Operativ habe der DAX-Konzern 2010 mit 7,1 Mrd Euro fast vier Mal so viel erwirtschaftet wie im Vorjahr.

Dabei kamen VW auch die günstigen Wechselkurse zu Gute. Der aufgrund der Schuldenkrise einiger europäischer Staaten im Vergleich zum US-Dollar schwache Euro machte aus Europa in die USA exportierte Autos billiger.

Europas größter Autobauer verfügt inzwischen nach eigenen Angaben über knapp 19 Mrd Euro flüssige Mittel. Die prall gefüllte Kasse nährte immer wieder Spekulationen, dass VW den Sportwagenhersteller Porsche in Kürze komplett kaufen könnte und nicht auf die bis Jahresende geplante Fusion wartet, die sich aufgrund steuerlicher und juristischer Unklarheiten ohnehin verzögern könnte. VWs Plan B ist es, die mit 3,9 Mrd Euro bewertete verbliebene Hälfte an Porsches Kerngeschäft direkt zu kaufen, sollte die Fusion nicht wie geplant klappen. Zudem gibt es immer wieder Gerüchte, dass Volkswagen seinen Anteil an Suzuki erhöhen wolle.

Die Aktionäre, allen voran die Eigentümerfamilien des Stuttgarter Sportwagenbauers Porsche, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, dürfen sich wieder über eine höhere Dividende freuen: Der VW-Vorstand will den Aktionärsbonus auf 2,20 (Vj 1,60) Euro pro Stammaktie und 2,26 (Vj 1,66) Euro je Vorzugsaktie anheben.

Die detaillierten Ergebnisse will Volkswagen am 10. März vorlegen. An der Frankfurter Börse sorgten die vorgelegten Zahlen für das abgelaufene Jahr für gute Laune. “Die Ergebnisse sind in jeder Hinsicht überzeugend”, sagte ein Händler. Die Vorzugsaktien klettern bis 15.33 Uhr um 4,9% auf 118,00 Euro und sind damit stärkster Wert im DAX.