Volkswagen will in den USA deutlich zulegen 1

HERNDON (Dow Jones/rm). Ziel für 2011 sei es, den Absatz und den Marktanteil zu steigern, sagte der für das US-Geschäft zuständige VW-Manager Jonathan Browning am Sonntag am Sitz der Landesgesellschaft in Herndon (Virginia) in der Nähe von Washington D.C. kurz vor Beginn der Automesse in Detroit.

Die Verkäufe auf Konzerneben dürften nach seiner Einschätzung in diesem Jahr auf etwa 400.000 Wagen steigen, davon rund ein Viertel der Premiummarke Audi. Das würde insgesamt einem Plus von gut einem Zehntel im Vergleich zum Jahr 2010 entsprechen, als Volkswagen in den USA insgesamt rund 360.000 Autos absetzte.

Der Manager sieht den US-Markt in diesem Jahr bei etwa 13,1 Mio Fahrzeugen nach etwa 12 Mio Einheiten im Jahr 2010. Herausforderungen seien die besonderen Anforderungen auf Produktseite sowie der große Wettbewerbs- und der daraus resultierende Preisdruck, so Browning.

Seit Anfang Oktober verantwortet Browning das US-Geschäft von Volkswagen. Der Manager, der bei den amerikanischen Markführern General Motors und Ford tätig war, hat das Zepter von Stefan Jacoby übernommen, der im Sommer überraschend an die Spitze des schwedischen Autobauers Volvo wechselte, nachdem dieser vom chinesischen Geely-Konzern von Ford übernommen wurde.

Browning soll das ambitionierte Ziel des VW-Konzerns verwirklichen, den US-Jahresabsatz bis 2018 auf mehr als 1 Mio Autos zu steigern, das wäre etwa das Dreifache der für 2010 vermeldeten Zahl verkaufter Autos der Marken Audi und Volkswagen. Allein für Audi hat sich VW in acht Jahren einen Jahresabsatz von 200.000 Einheiten vorgenommen, fast doppelt so viele wie noch 2010. Den US-Gesamtmarkt sieht Browning 2018 bei gut 15 Mio Fahrzeugen.

Bislang ist es den Wolfsburger nicht gelungen, ein starker Player auf dem US-Markt zu werden. Gegenwärtig liegt der Marktanteil auf Konzernebene bei gerade einmal gut 3%. Der US-Markt befindet sich im Umbruch. Aus der marktbestimmenden Troika der “Big Three” wurde in den vergangenen Jahren ein Septett, das den Ton angibt. Neustes Mitglied ist der koreanische Hersteller Hyundai mit einem Marktanteil von fast 5% im Jahr 2010. Entsprechend sieht Browning die Koreaner sowie die japanischen Hersteller Toyota und Honda als Hauptkonkurrenten in den USA.

Der zweitgrößte Automarkt der Welt ist ein wichtiger Eckpfeiler beim ehrgeizigen Vorhaben, Toyota bis 2018 als weltgrößter Autobauer abzulösen. Daher wurden die Investitionen für das US-Geschäft zuletzt deutlich hochgefahren. So baut Volkswagen vor Ort für 1 Mrd USD in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee ein neues Werk, in dem mehr als 2.000 Stellen geschaffen werden und jährlich 150.000 Autos gebaut werden können. Eine Ausweitung auf 500.000 Einheiten ist theoretisch möglich.

Mit Einkauf und Produktion in der Dollar-Zone will der Konzern ab 2013 wieder schwarze Zahlen im US-Geschäft schreiben, wie Browning bekräftigte.

1988 hatten sich die Niedersachsen mangels ausreichender Auslastung von einer Vor-Ort-Produktion in den USA verabschiedet. Seither schlagen Wechselkursschwankungen auf das Ergebnis durch.

Noch im ersten Quartal will VW in Chattanooga eine neue Mittelklasse-Limousine speziell für den US-Markt vom Band laufen lassen. An diesem Abend wird das neue Modell, dessen Marktstart im September erfolgen soll, auf der “North American International Auto Show” in Detroit der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Laut Browning dürfte das neue Modell in etwa das Absatzvolumen des Jetta, dem in den USA erfolgreichsten VWs, haben. Rund 60% der Käufer für das auf dem Verkaufsschlager Golf basierenden Modells sollen von der Konkurrenz zu Volkswagen wechseln.

Die Motoren für Chattanooga sollen ab 2013 aus einem neuen Werk im mexikanischen Silao kommen. Für 400 Mio EUR will VW dort Kapazitäten von 330.000 Motoren jährlich aufbauen. Auch das mexikanische Werk in Puebla soll von Silao aus mit Motoren versorgt werden. In Puebla rollt seit Oktober der neue Jetta vom Band, das volumenstärkste Modell des DAX-Konzerns in den USA. Auch die neue Version des Retro-Modells New Beetle soll dort gefertigt werden. Das an den legendären Käfer angelehnte Modell, das laut Browning auch noch in diesem Jahr an den Start geht, ist in den USA gefragt.

Der Manager stellte in Aussicht, dass für den US-Markt ein SUV sinnvoll sein könnte, das größer als der Touareg ist und eine dritte Sitzbank haben könnte. Er äußerte sich nicht näher über den möglichen Zeitrahmen einer Entscheidung über ein solches Modell.