FRANKFURT (Dow Jones/rm). Die Zukunft des Minivan Routan ist dabei noch ungewiss: Es sei noch keine Entscheidung über den Routan gefallen, sagte Volkswagen-of-America-Sprecherin Jill Bratina auf Anfrage von Dow Jones Newswires.

Das Minivan-Segment sei stark von der Wirtschaftskrise betroffen gewesen und habe sich bis heute nicht völlig erholt, fügte sie hinzu. Der Anteil des Routan am Marktsegment sei allerdings bei etwa 4% stabil geblieben und es gebe durchaus Möglichkeiten ihn zu steigern, erklärte die Sprecherin.

Der Siebensitzer Routan wird seit 2008 im kanadischen Werk Windsor des US-Herstellers Chrysler im Auftrag von VW produziert. Der Einstiegspreis für die Routan S-Version mit einem 3,8-Liter-Sechszylindermotor und Sechsgang-Automatikgetriebe liegt bei 25.900 USD.

Der Routan war eines der letzten Projekte des ehemaligen Volkswagen-Managers Wolfgang Bernhard, der die Wolfsburger 2007 nach schweren Auseinandersetzungen mit den Arbeitnehmervertretern im Zuge einer tiefgreifenden Restrukturierung verlassen hatte. Vor seiner Zeit bei VW war Bernhard COO bei Chrysler zu Zeiten der ehemaligen Allianz mit Daimler. Der Routan Minivan stieß beim Nachfolge-Management um Vorstandschef Martin Winterkorn allerdings auf wenig Gegenliebe.

Winterkorn hat bereits eine andere Entscheidung unter Bernhard rückgängig gemacht: Die neue Generation der Luxus-Limousine Phaeton soll wieder in den USA auf den Markt gebracht werden. Unter der Führung Bernhards war das Flaggschiff von VWs Kernmarke wegen schwacher Verkaufszahlen vom US-Markt genommen worden.

Es sei eine zu kurzatmige Entscheidung gewesen, den Phaeton aus den USA zurückzuziehen, sagte Winterkorn in einem Interview mit der “Freien Presse” (Mittwochausgabe): “Um einen Neuling in der Luxusklasse einzuführen, muss man einen langen Atem haben”.

Europas größter Autohersteller fuhr zuletzt die Investitionen in den USA deutlich hoch, um die Gunst der dortigen Käufer zurückzuerobern und das Nordamerikageschäft endlich profitabel zu machen. Gegenwärtig baut Volkswagen ein neues Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee, wo ab 2011 eine neue Limousine speziell für den US-Markt produziert werden soll.

Das Vorhaben, bei dem rund 1.000 Stellen geschaffen werden sollen, kostet VW etwa 1 Mrd USD. Die letzte verbliebene US-Produktionsstätte in Westmoreland (Pennsylvania) hatte VW aufgrund einer zu geringen Kapazitätsauslastung im Jahr 1988 geschlossen. Einkauf und Produktion in der Dollar-Zone auszuweiten, ist ein wichtiger Schritt um das US-Geschäft wieder profitabel zu machen und die Abhängigkeit von Wechselkursschwankungen zu reduzieren.

Früheren Angaben zufolge will Volkswagen in den USA 2013 wieder schwarze Zahlen schreiben und den Absatz deutlich steigern. Bis 2018 sollen die Verkaufszahlen sogar auf mehr als 1 Million jährlich mehr als verdreifacht werden. Im vergangenen Jahr hatte VW in den USA 213.454 Autos verkauft, ein Minus von 4,3% verglichen mit 2008. Damit hielten sich die Niedersachsen in der Branchenkrise aber besser als der Gesamtmarkt – der Marktanteil stieg leicht auf 2,05% von zuvor 1,68%.

Punkten will VW ab Oktober mit der neuen Version des Jetta – dem volumenstärksten Modell der Wolfsburger in den USA. Das neue Modell wurde am Dienstag in New York vorgestellt. Der Einstiegspreis liegt bei rund 16.000 USD.

Der ehemals größte Automobilmarkt der Welt ist ein wichtiger Eckpfeiler der ambitionierten Wachstumspläne der Niedersachsen, die Toyota bis 2018 an der Weltspitze überholen wollen.