Vor der ersten Sitzung des ‚Nationalen Forums Diesel’ (2. August 2017 in Berlin) liegt eine Reihe von Manipulationsvorwürfen, Enthüllungen, Vertuschungen, Rücktritten, Anklagen, Schadensersatzklagen, Entschuldigungen, (leeren) Versprechen und sogar Verhaftungen, die mit der VW-Dieselgate-Aufdeckung des International Council on Clean Transportation (ICCT) im Mai 2014 ihren unrühmlichen Anfang fand:

Das ICCT stellte damals fest, dass ein US-Jetta und ein US-Passat auf der Straße um ein Vielfaches höhere Stickoxidwerte aufweist als im Labor. Laut Veröffentlichung der EPA erkennt die VW-Software für die Abgaskontrollanlage die Prüfungssituation. Der VW-Abgasskandal nahm seinen Lauf und mündete schließlich in einen vermutlich flächendeckenden Dieselbetrug der deutschen Autoindustrie und in vom ‚Spiegel’ erhobene Kartellvorwürfe gegen die deutschen Autobauer.

Auch Zulieferer involviert

So sollen sich Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW über Technik der Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer, Märkte, Strategien und die Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge abgestimmt haben. Auch Zulieferer Bosch könnte involviert gewesen sein.

Ob diese schwerwiegenden Kartellvorwürfe auch auf dem ‚Nationalen Forum Diesel’ im Bundesverkehrsministerium Thema sein werden, ist nicht sicher.

Sicher hingegen ist, dass die Veranstaltung im Bundesverkehrsministerium Maßnahmen zur Reduzierung der Schadstoffemissionen bei Diesel-PKW vereinbaren soll, um die NOx-Belastung zu reduzieren und gleichzeitig die Mobilität zu gewährleisten.

Hendricks
Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Das Nationale Forum bietet den Herstellern die Chance, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.“ -Bild: BMUB

Vertrauen zurückgewinnen

Für Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) ist indes klar, worum es auf dem ‚Nationalen Forum Diesel’ auf jeden Fall auch gehen muss: „Das Nationale Forum bietet den Herstellern die Chance, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Ich hoffe, dass sie diese Chance ergreifen und einen substanziellen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in unseren Städten und damit der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger leisten.“

Mit dem Forum werde man einen Beitrag zur Nachhaltigen Mobilität und zum Strukturwandel in der Automobilwirtschaft leisten. Neben dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) sollen am Forum weitere fachbezogene Ministerien und Vertreter der Automobilindustrie sowie Entscheidungsträger der Länder beteiligt werden.

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