Hans Dieter Pötsch

Hans Dieter Pötsch: "Der VW-Konzern habe das Vertrauen bei Kunden, Investoren und Öffentlichkeit verloren." - Bild: VW"

Zu Volkswagens Software-Manipulationen bei Abgastests ist es nach Einschätzung des Autokonzerns nicht durch einen einzelnen Fehler, sondern durch eine Kette von falschen Entscheidungen gekommen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg mit.

Diese Fehlerkette habe kein Volkwagen-Mitarbeiter durchbrochen, berichtete das Unternehmen weiter. Es habe eine Haltung in Teilen des Konzerns gegeben, "Regelverstöße zu tolerieren", sagte Vorstandschef Matthias Müller.

Nach den Worten des Konzernchefs hat Volkswagen die interne Untersuchung des Abgasskandals weitgehend abgeschlossen. Ergebnisse der externen Untersuchung durch die Anwaltskanzlei Jones Day versprach Müller aber erst für die Hauptversammlung im April. Er nannte zunächst auch keine Namen von mutmaßlich Verantwortlichen für den Abgasskandal.

"Hatten keine legale Möglichkeit gefunden"

Nach den Erkenntnissen aus der internen Untersuchung, von denen Müller berichtete, nahmen die Abgasmanipulationen ihren Ausgang, als Volkswagen im Jahr 2005 anstrebte, in den USA mit Dieselmotoren in die Offensive zu gehen. Damals hätten Ingenieure des Konzerns keine legale Möglichkeit gefunden, die vergleichsweise scharfen US-Vorgaben für den Stickoxidausstoß mit legalen Mitteln zu erfüllen, teilte Volkswagen mit.

Die daraufhin getroffene Entscheidung, den wahren Schadstoffausstoß mit der Hilfe von Software zu verschleiern, sei nicht revidiert worden. Volkswagen brachte das auch in Verbindung mit mangelhaften Prozessen. Diese seien nicht geeignet gewesen, die Manipulationen zu verhindern. Zudem habe es "individuelles Fehlverhalten und persönliche Versäumnisse einzelner Mitarbeiter" gegeben, sagte Konzernchef Müller, ohne dies weiter zu beschreiben. In einem ersten Schritt habe Volkswagen neun Manager von ihren Aufgaben freigestellt.

Volkswagen nannte die Lage des Konzerns angesichts des Abgasskandals "nicht dramatisch, aber angespannt". Das operative Geschäft verlaufe derzeit "im Rahmen der Erwartungen". Die Vertriebszahlen entwickelten sich in den verschiedenen Regionen derzeit sehr unterschiedlich. Die Ende Oktober wegen der Rückstellungen für die Affäre angepasste Geschäftsprognose bleibe unverändert.