Aufgrund von EU-Bedenken geht Volkswagen-Chef Martin Winterkorn die Machtübernahme bei MAN nun

Aufgrund von EU-Bedenken geht Volkswagen-Chef Martin Winterkorn die Machtübernahme bei MAN nun etwas behutsamer an (Bild: Volkswagen)

MÜNCHEN/WOLFSBURG (Dow Jones/ks)–VW-Chef Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und der Leiter der Nutzfahrzeugsparte, Jochem Heizmann, verzichten zunächst auf die geplante Kandidatur, wie der DAX-Konzern am Montag mitteilte. Das Trio wird nun erst nach der kartellrechtlichen Genehmigung für eine engere Zusammenarbeit zwischen MAN, Scania und Volkswagen durch die EU-Kommission in das Kontrollgremium einziehen. Die europäische Wettbewerbsbehörde hatte angemerkt, dass dies ein besserer Weg sei.
Wie der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëchs auf der Hauptversammlung in München erklärte, soll stattdessen Ulf Berkenhagen, Einkaufschef bei der VW-Tochter Audi, im Gremium bleiben. Zudem kandidieren nun der eigentlich als Ersatzkandidat vorgesehene Thomas Kremer sowie Rechtsanwalt Matthias Bruse.
Mitte Mai hatte VW angekündigt, Winterkorn, Pötsch und Heizmann in den MAN-Aufsichtsrat entsenden zu wollen. Bereits seinerzeit stießen die Wolfsburger mit dem Wahlvorschlag auf den Widerstand von Fonds und Aktionäresschützern, die vor allem die Doppelrolle Piëchs scharf kritisierten. Er sitzt nicht nur dem MAN-Aufsichtsrat vor, sondern auch dem von VW. Auch dass das Trio Pötsch, Winterkorn und Heizmann bereits dem Scania-Aufsichtsrat angehört, löste Kritik aus.
Nach VW-Angaben wird das Fusionskontrollverfahren aktuell in enger Abstimmung mit der EU-Kommission vorbereitet. “Wir sind dazu in guten Gesprächen und sind zuversichtlich, in den kommenden Wochen die förmliche Anmeldung einzureichen”, erklärte Europas größter Autohersteller.
Nachdem VW bei MAN auf über 30% aufgestockt hatte, mussten die Wolfsburger Ende Mai ein Pflichtangebot für den bayerischen Nutzfahrzeughersteller vorlegen. VW bietet den MAN-Stammaktionären 95 Euro je Papier und den Vorzugsaktionären 59,90 Euro – das entspricht jeweils der gesetzlich vorgeschriebenen Untergrenze und lag zeitweise ein gutes Stück unter dem Kursniveau. Entsprechend wenig Akzeptanz fand die Offerte bislang, die MAN mit insgesamt rund 13,7 Mrd Euro bewertet.
VW ist aktuell auch nicht an der Mehrheit bei MAN interessiert. Vielmehr geht es den Niedersachsen neben der kartellrechtlichen Freigabe als solcher um eine stabile Hauptversammlungsmehrheit von 35% bis 40%. Noch bis Mittwoch können MAN-Aktien angedient werden. Nach aktuellem Stand wird VW auf 31,64% MAN-Stimmrechte kommen. Der bisherige Verlauf des Pflichtangebots entspreche den Erwartungen, hieß es am Montag aus Wolfsburg.