Die Zusammenarbeit von VW und MAN nimmt konkretere Formen an (Bild: MAN SE).

Die Zusammenarbeit von VW und MAN nimmt konkretere Formen an (Bild: MAN SE).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Der Schritt an sich kommt weniger überraschend als der Zeitpunkt. Denn bis zuletzt hieß es, bevor Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten, müsse zuerst der Schmiergeldskandal bei der ehemaligen MAN-Tochter Ferrostaal ausgeräumt sein.
Um eine engere Zusammenarbeit von MAN und der schwedischen Nutzfahrzeug-Tochter Scania zu ermöglichen, sei eine Aufstockung des Anteils an den Münchenern erforderlich, erklärte Volkswagen. Denn substanzielle Synergien in den Bereichen Einkauf, Entwicklung und Produktion könnten aus kartellrechtlichen Gründen nur dann gehoben werden.

Vor diesem Hintergrund hat Volkswagen den Anteil an den Stammaktien der MAN SE nun von 29,9% auf knapp 30,5% erhöht. Dadurch steigt der Anteil von Volkswagen am MAN-Gesamtkapital auf 29,2% nach 28,7%. Mit dem Überschreiten der 30%-Stimmrechtsschwelle ist Volkswagen nach deutschem Recht verpflichtet, ein Angebot für alle ausstehenden MAN-Aktien zu machen. Die Wolfsburger kündigten an, voraussichtlich 95 Euro je MAN-Stamm- und rund 60 Euro je Vorzugsaktie bieten zu wollen. Die Offerte soll spätestens Ende Mai veröffentlicht werden.

“Das Nutzfahrzeuggeschäft ist für uns ein hochinteressantes, strategisches Geschäftsfeld. Wir wollen deshalb jetzt den Weg für eine engere Zusammenarbeit zwischen MAN, Scania und Volkswagen ebnen und damit die Voraussetzungen schaffen, um zum Wohle aller Aktionäre Synergien zu heben”, sagte Volkswagens Vorstandschef Martin Winterkorn. Er bekräftigte, dass die markenspezifischen Eigenschaften und alle Geschäftsfelder von MAN und Scania unangetastet bleiben sollen.

“Selbstverständlich respektieren wir die Mitbestimmungs- und Arbeitnehmerrechte in vollem Umfang und stehen zu Standorten und Beschäftigten”, so Winterkorn. Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch ergänzte, MAN und Scania würden durch die engere Zusammenarbeit ihre Profitabilität weiter steigern und damit zusätzlichen Wert schaffen. In einer ersten Stufe sollen den Angaben zufolge vor allem im Bereich Beschaffung Synergien gehoben werden.
Seit Ende des vergangenen Jahres war wieder verstärkt darüber spekuliert worden, Volkswagen könnte mit seinen Plänen zur Verschmelzung von Scania und MAN ernst machen. Die Wolfsburger sitzen per Ende März auf fast 20 Mrd Euro an liquiden Mitteln.

Über die Lkw-Allianz wird spekuliert, seit VW bei MAN eingestiegen ist und die Mehrheit bei den Schweden übernommen hat. Die Fäden zieht im Hintergrund der Aufsichtsratsvorsitzende von VW und MAN, Ferdinand Piëch. Der Porsche-Enkel drängt auf eine verstärkte Zusammenarbeit. 2006 war MAN noch mit dem Versuch gescheitert, Scania feindlich zu übernehmen.