Volkswagen Golf Produktion

Ein Volkswagen-Sprecher hatte am Freitagmorgen bestätigt, dass der Hersteller derzeit einen Stopp der entsprechenden Produktionslinie (im Bild: Golf-Produktion) für die nächste Woche plane. Darüber hinaus könnte es nach Volkswagen-Angaben in den Werken Kassel, Braunschweig und Zwickau zu Einschränkungen kommen. - Bild: VW

"Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich", ließen die Unternehmen am Freitagnachmittag über eine Kommunikationsagentur mitteilen. "Das ist hausgemacht, und VW verlagert die eigenen Probleme auf die Zulieferindustrie", zitierte die Kommunikationsagentur den Chef von ES Automobilguss, Alexander Gerstung.

Car Trim und ES Automobilguss teilten zwar mit, sie seien "keinesfalls an einer weiteren Eskalation des Konflikts interessiert". "Die Art und Weise, wie VW mit Zulieferern umgeht, ist in keiner Weise akzeptabel und kann jeden kleineren Betrieb in den Ruin treiben", sagte ES-Automobilguss-Chef Gerstung der Mitteilung zufolge gleichwohl. Nach eigenen Angaben streben die Unternehmen "nach wie vor eine einvernehmliche Lösung mit VW an".

Der zuständige Volkswagen-Sprecher war am Freitag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Zulieferer zu erreichen. Tatsächlich leidet Volkswagen derzeit offenkundig wegen des selbst verursachten Diesel-Skandals in einigen Ländern unter Absatzschwierigkeiten. In Deutschland etwa ging die Zahl der neu zugelassen Fahrzeuge des Modells Golf zwischen Januar und Juli im Vorjahresvergleich um 8,9 Prozent zurück, wie das Kraftfahrtbundesamt jüngst berichtete. Von dem geplanten Produktionsstopp bei Volkswagen wäre vor allem die Golf-Herstellung in Wolfsburg betroffen.

Volkswagen plant Produktionsstopp

Ein Volkswagen-Sprecher hatte am Freitagmorgen bestätigt, dass der Hersteller derzeit einen Stopp der entsprechenden Produktionslinie für die nächste Woche plane. Darüber hinaus könnte es nach Volkswagen-Angaben in den Werken Kassel, Braunschweig und Zwickau zu Einschränkungen kommen. Im VW-Werk Emden gilt den Angaben zufolge schon seit Donnerstag Kurzarbeit. Dort fehlen nach den Worten einer informierten Person Teile von Sitzen für das Modell Passat, während die übrigen Werke der Lieferstopp für Teile von Getrieben trifft.

Die Lieferanten der Bauteile, Car Trim und ES Automobilguss, gehören zu der Unternehmensgruppe Prevent, die nach Angaben aus dem Handelsregister im Eigentum einer Familie aus Bosnien-Herzegowina ist. In der Mitteilung von Car Trim und ES Automobilguss heißt es aber, die Wolfsburger Prevent DEV GmbH sei selbst nicht an den Streitigkeiten beteiligt.

Die Stimmen zum VW-Zuliefererstreit

  • VW Golf Produktion Wolfsburg

    Der Konzern werde alle Mittel nutzen, die laut Gesetz möglich seien. "Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft und Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden", teilte VW gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" mit. Notfalls könne der Autobauer einen Gerichtsvollzieher schicken, der die fehlenden Autoteile pfände und zu den VW-Werken schaffen lasse. - Bild: Volkswagen

  • Bernd Osterloh

    VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verurteilte den Lieferstopp. "Hier läuft ein ganz mieses Spiel", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstag). Das Blatt berichtete zudem über geplante Auszeiten in der Golf-Fertigung vom 4. bis 7. Oktober sowie vom 19. bis 22. Dezember. Diese hätten aber nichts mit dem aktuellen Lieferstreit, sondern mit einer geringeren Golf-Nachfrage infolge der Abgas-Krise zu tun. - Bild: VW

  • Ferdinand Dudenhöffer

    Branchenexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer sieht die Schuld für die Eskalation des Konflikts zwischen Autobauer und Zulieferer beim VW-Einkaufsvorstand: "Der VW–Einkauf agiert amateurhaft." Bei dem Getriebeteil handele es sich um ein Single-Sourcing-Produkt. "Auf Single-Sourcing zu setzen ist schon längst nicht mehr zeitgemäß", so Dudenhöffer gegenüber "Produktion". Darüber hinaus hätten die Wolfsburger längst einen zweiten Zulieferer aufbauen müssen, der das fragliche Teil liefert, anstatt den Weg über das Gericht zu gehen. - Bild: Archiv/Oliver Zillmann

  • Car Trim

    Die Firma Car Trim teilte auf Anfrage von "Produktion" mit, dass die Firmenleitung heute (Freitag) nicht im Haus sei. Erst kommende Woche Montag (22.8.) stehe die Geschäftsführung für ein Statement zur Verfügung. "Das ist hausgemacht, und VW verlagert die eigenen Probleme auf die Zulieferindustrie", ", zitierte die Kommunikationsagentur den Chef von ES Automobilguss, Alexander Gerstung, am Fritagnachmittag. - Bild: Screenshot Car Trim Webseite

  • ES Automobilguss

    Auch ES Automobilguss war für ein Statement zum Konflikt mit VW nicht zu erreichen. Lediglich der Anrufbeantworter meldete sich. . "Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich", ließen ES Automobilguss und Car Trim am Freitagnachmittag über eine Kommunikationsagentur mitteilen. - Bild: Screenshot ES Automobilguss Webseite

  • Prevent

    Die Prevent-Gruppe, Mutterkonzern von Car Trim und ES Autmobilguss, verwies auf Anfrage von "Produktion" darauf, dass demnächst eine offizielle Pressemitteilung verschickt werde. Sobald diese uns vorliegt, werden wir sie an dieser Stelle veröffentlichen. - Bild: Screenshot Prevent Webseite

  • Niedersachens Wirtschaftsminister Olaf Lies

    Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies (SPD, rechts) attackierte Donnerstag im Landtag die Zulieferer. "Es ist ein unglaubliches und für mich nicht nachvollziehbares Verhalten der Unternehmen", sagte er vor den Abgeordneten. Die Unterbrechung der Lieferkette sei für den Volkswagen eine "schwere Belastung". - Bild: Volkswagen

  • Francisco Javier Garcia Sanz

    VW-Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz gilt als einer der erfahrensten Einkäufer der Branche. Er schrieb den Zulieferern Ende Juni, der Autobauer müsse auch bei den "Beschaffungskosten deutlich effizienter werden". Er wolle die Reserven mobilisieren. "Das wollen wir kooperativ erreichen, aber auch mit der notwendigen Konsequenz, um wettbewerbsfähig zu bleiben", kündigte er die Marschrichtung an. - Bild: Seat