Skeleton,Madiberk,Dyson

Taavi Madiberk, CEO und Mitbegründer von Skeleton Technologies, beurteilt den Einstieg von Dyson in den Bereich Elektrofahrzeuge als durchaus positiv. - Bild: Skeleton

Warum ist Dysons Engagement im EV-Segment von Bedeutung?
Stellt die Neuigkeit einen zunehmend übersättigten Markt dar?

Die Automobilindustrie ist extrem schwer zu knacken und erfordert enorme Investitionen, um überhaupt in Gang zu kommen. Bei den Verbrennungsmotoren haben führende Automobilhersteller über Jahrzehnte hinweg Kern-Know-how und Wettbewerbsvorteile aufgebaut, welche jedoch bei den Elektrofahrzeugen wegfallen.

In Elektrofahrzeugen wird von allen großen Automobilkonzernen derselbe "Motor" - Lithium-Ionen-Batterien und vor allem Graphit/NMC-Zellen – verwendet. Es gibt einige abnehmende Differenzierungsmerkmale bei den Batteriemanagementsystemen, aber keinen grundlegenden Unterschied in der Zellchemie.

Es gibt drei verschiedene Ansätze, mit denen Automobilhersteller versuchen, sich zu differenzieren:

  • Verbesserung der Graphit/NMC-Technologie
  • Kombination von Ultrakondensatoren und Graphit/NMC
  • Auf Feststoffbatterien setzen

Dyson hat auf die riskanteste der drei Optionen gesetzt, somit ist die Hauptfrage in Bezug auf Dyson nicht, ob sie ein Automobil-Unternehmen bauen können, sondern ob sie einen besseren „Motor“ haben und ob die Feststoffbatterie hält was sie verspricht. Der Markt ist nie übersättigt solange man bahnbrechende Innovationen einbringt.

Können sich Technologieunternehmen wie Dyson, die keine traditionellen OEMs sind, auf dem Markt behaupten?

Als Tesla in den Markt einstieg, glaubten die OEMs nicht an Elektrofahrzeuge als eigene Kategorie, dies verschaffte Tesla einen Vorteil. Mittlerweile wachen die OEMs allmählich auf, was den Markteintritt für Technologieunternehmen schwieriger macht. Wenn Sie ein Neuling in einem kapitalintensiven Markt sind, benötigen Sie handfeste Wettbewerbsvorteile, Ladezeit, Batterielebensdauer und Reichweite. Dyson verfolgt den richtigen Ansatz, um auf fundamentaler Ebene zu differenzieren. Dyson hat vor eine Batteriefirma zu bauen, dessen meistverkauftes Produkt Elektrofahrzeuge werden.

Welche Erwartungen haben Sie an den EV-Markt in Europa?
Erwarten Sie in naher Zukunft ein deutliches Umsatzwachstum?

Kurzfristig sehen wir eine Zunahme des Absatzes durch die Markteinführung von Tesla Model 3 sowie anderen massenmarktorientierten Elektrofahrzeugen. Mittel- bis langfristig ist das Marktwachstum auf die verbesserung der Batterieleistung zurückzuführen und selbst große OEMs sind sich nicht sicher, ob es sich um verbesserte Li-Ionen-Zellen, eine Kombination aus Ultrakondensatoren und Li-Ionen oder Feststoffbatterien handeln wird, an denen Dyson zur Zeit arbeitet. Auf der Frankfurter Autoschau stellte ein Journalist eine ähnliche Frage an BMW und sie gaben an, dass sie so viele Elektroautos herstellen werden, wie es der Markt verlangt. Ich finde das durchaus aussagekräftig.

Glauben Sie, dass Länder in Europa, die EVs in großer Zahl einsetzen, Probleme mit der Energie am Netz haben werden?

Das ist das Kernproblem. Gegenwärtig stellen Elektroautos einen sehr kleinen Teil des Automobilmarktes dar, jedoch wird die Situation in fünf oder zehn Jahren eine komplett andere sein. Leider haben wir nicht den Luxus der Zeit – Veränderungen in der Infrastruktur erfordern enorme Investitionen und viel Zeit bei der Umsetzung.

In den europäischen Ländern muss ernsthaft darüber diskutiert werden, wie ein stabiles Netz aufgebaut werden kann, das dem mit Elektrofahrzeugen unvermeidlichen Anstieg des Energieverbrauchs standhalten kann. Entscheidend dafür ist die Bewältigung besonders hoher Nachfragespitzen und der Nachweis, dass das Netz über die nötige Belastbarkeit verfügt, damit EVs zum Erfolg werden.

  • Auf Platz 10 der Automarken mit den meisten Elektroautos auf Deutschlands Straßen landet Kia (im Bild der Soul EV). 514 Elektro-Kias waren 1. Januar 2017 in Deutschland unterwegs.  - Quelle: Statista, Bild: Kia

    Auf Platz 10 der Automarken mit den meisten Elektroautos auf Deutschlands Straßen landet Kia (im Bild der Soul EV). 514 Elektro-Kias waren 1. Januar 2017 in Deutschland unterwegs. - Quelle: Statista, Bild: Kia

  • Mercedes (im Bild die Elektro-B-Klasse) landet auf Platz 9 des Rankings. 853 Strom-Mercedes waren am 1. Januar 2017 hierzulande angemeldet. - Quelle: Statista, Bild: Daimler

    Mercedes (im Bild die Elektro-B-Klasse) landet auf Platz 9 des Rankings. 853 Strom-Mercedes waren am 1. Januar 2017 hierzulande angemeldet. - Quelle: Statista, Bild: Daimler

  • 874 Elektro-Peugeot (im Bild der Ion) surrten am 1. Januar 2017 durch Deutschland. Das macht Platz 8 für die Franzosen. - Quelle: Statista, Bild: Peugeot

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  • Mit am Stichtag 997 angemeldeten Elektroautos aus eigener Produktion landet Mitsubishi (im Bild der i-Miev) auf Platz 7. - Quelle: Statista, Bild: Mitsubishi

    Mit am Stichtag 997 angemeldeten Elektroautos aus eigener Produktion landet Mitsubishi (im Bild der i-Miev) auf Platz 7. - Quelle: Statista, Bild: Mitsubishi

  • Auf Platz 6 summt Citroen (im Bild der C-Zero). 1.071 in Deutschland gemeldete Stromer hatten die Franzosen am 1. Januar 2017 auf dem Konto. - Quelle: Statista, Bild: Citroen

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  • Nissan (im Bild der Leaf) hatte zum Stichtag 2.720 Elektroautos auf Deutschlands Straßen. Das macht Platz 5 im Ranking. - Quelle: Statista, Bild: Nissan

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  • 3.742 Elektro-BMW  (im Bild der i3) waren am 1. Januar 2017 in Deutschland gemeldet. Damit kommen die Bayern auf Platz 4 im Ranking. - Quelle: Statista, Bild: BMW

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  • Auf Platz 3 kommt VW (hier der up!). Insgesamt waren am Stichtag 4.477 Volkswagen mit Batterieantrieb hierzulande unterwegs. - Quelle: Statista, Bild: VW

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  • Exakt 4.649 Smart (im Bild der Fortwo) mit Elektroantrieb waren zum 1. Januar 2017 in Deutschland gemeldet. Das macht Platz 2 im Ranking. - Quelle: Statista, Bild: Smart

    Exakt 4.649 Smart (im Bild der Fortwo) mit Elektroantrieb waren zum 1. Januar 2017 in Deutschland gemeldet. Das macht Platz 2 im Ranking. - Quelle: Statista, Bild: Smart

  • Unangefochten und mit massivem Abstand zur Silberplatzierung liegt Renault (hier der Zoe) auf Platz 1: 7.828 Elektroautos hatten die Franzosen zum 1. Januar 2017 auf deutschen Straßen. - Quelle: Statista, Bild: Renault

    Unangefochten und mit massivem Abstand zur Silberplatzierung liegt Renault (hier der Zoe) auf Platz 1: 7.828 Elektroautos hatten die Franzosen zum 1. Januar 2017 auf deutschen Straßen. - Quelle: Statista, Bild: Renault

Können Sie erklären, wie Speichertechnologien wie Ultrakondensatoren das Netz ergänzen?

Ultrakondensatoren sind die kostengünstigste Lösung, um die Netzstabilität zu verbessern. Weiträumige EV-Ladung verursacht Probleme mit Frequenz und Spannung, die eine Lösung im Intra-Minuten-Zeitrahmen erfordern, wo Ultrakondensatoren hervorragend sind.

Die Netzstabilität erfordert auch längere Zeiträume von 15 Minuten bis zu mehreren Stunden, ähnlich wie bei Elektrofahrzeugen werden Ultrakondensatoren in Tandem-Li-Ionen-Batterien verwendet, um die Batterien zu verkleinern und die Lebensdauer der Batterie zu verdoppeln.

Was für einen Unterschied macht Skeleton Technologies im EV-Segment?

Unsere Technologie richtet sich an die wichtigsten Schwachstellen bei Elektrofahrzeugen in Bezug auf Reichweite, Batterielebensdauer und Effizienz. Ultrakondensatoren decken die Spitzenleistung ab, von der Bremsenergierückgewinnung über die Beschleunigung bis hin zur Rückspeisung der Bremsenergie und die Batterien sorgen für einen langfristigen Energiebedarf. Dies ermöglicht eine Erhöhung der Reichweite um 10 Prozent aufgrund des höheren Wirkungsgrades und erhöht die Lebensdauer der Batterien um 50 - 100 Prozent, was zu niedrigeren Betriebskosten führt. Ultrakondensatoren können mehr als eine Million Lebenszyklen erreichen und sind in weniger als wenigen Sekunden wieder aufladbar.

Selbst wenn wir Tesla Modell S betrachten, ist es in Bezug auf die Effizienz verbesserbar: Modell S erlaubt maximal ca. 60 Kilowatt Bremsenergie-Rückgewinnung was bedeutet, dass viel Energie, die ein Zwei-Tonnen-Fahrzeug mit dem Bremszyklus erzeugt, aufgrund der Grenzen der Batterie-Technologie ungenutzt bleibt. Auf die Leistung bezogen wird durch die Kombination von Ultrakondensatoren und Li-Ionen-Batterien in einem Tesla der Ludicros-Modus konstant und ohne Schäden an der Batterie nutzbar.

Der Mythos Dyson: Was steckt wirklich dahinter?