Karl-Thomas Neumann

Arbeitet er bald für Franzosen? Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. - Bild: Opel

Seit 1999 schreibt Opel, seit fast 90 Jahren ein Teil von GM, rote Zahlen. Die US-Zeitung Detroit News schreibt, dass sich die Verluste seitdem auf rund 20 Milliarden Dollar summierten. 2016 sah es kurzzeitig so aus, als würden die Rüsselsheimer nach langer Durststrecke wieder einen Plus verbuchen können. Doch der Brexit verhagelte Opels Bilanz. Die GM-Tochter machte 257 Millionen Dollar miese.

Dass sich die Lage dieses Jahr bessert, ist unwahrscheinlich. GM’s Finanzchef Chuck Stevens erklärte vergangene Woche gegenüber Reportern in Detroit, dass man beim Europageschäft 2017 mit einem Verlust von 300 Millionen Dollar kalkuliere. Als Grund führte er die Folgen des Brexit an. Erst 2018 sei möglicherweise mit einem ersten Gewinn zu rechnen.

Keine Angst sich aus unprofitablen Märkten zu verabschieden

Das kann nicht ins Konzept von GM-CEO Mary Barra passen. Ihr Ziel sei es, den Autobauer zum wertvollsten Automotive-Unternehmen zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckte Barra nicht vor harten Maßnahmen zurück. Beispiele dafür sind die Aufgabe des Russland-Geschäfts sowie die Einstellung der Produktion in Indonesien und Australien. Die Analysehäuser Morningstar und Citi Research erklärten gegenüber US-Reportern, dass diese Aktionen beweisen, dass GM keine Probleme habe sich von Märkten zu verabschieden, die keinen Profit abwerfen.

Darüber hinaus wären wohl noch einmal signifikante Investitionen notwendig, um Opels Portfolio auf margenträchtigere Modelle, sprich SUVs, umzustellen. Aktuell haben die Rüsselsheimer lediglich den Mokka X im Angebot. Mit dem Crossland X, will die Marke bald ein zweites Modell nachlegen. Doch reicht das? Immerhin schlafen auch die Wettbewerber nicht, bringen ein neues SUV-Modell nach dem anderen auf den Markt.

GM’s Cashcows heißen Nordamerika und China

Doch auch wenn Opel endlich mehr SUVs auf dem Markt hätte, wäre die Marge, die die Marke damit verdienen würde klein – zumindest im Vergleich zu dem was GM derzeit in Nordamerika und China verdient. Der operative Gewinn  von General Motors im Jahr 2016 betrug 12,5 Milliarden Dollar – trotz des defizitären Europa-Geschäfts.

Des Weiteren sind die Überlegungen GM’s sich von Opel zu trennen nicht neu. Bereits 2009 wollte der US-Autobauer die Rüsselsheimer an den Zulieferer Magna International verkaufen. Letztlich platzte der Deal.

Würde diesmal ein Deal zustande gekommen, würde sich GM fast zu 100 Prozent aus dem europäischen Markt zurückziehen. Aktuell verkauft der Konzern neben Opel lediglich ein paar Chevrolet- und Cadillac-Modelle in homöopathischen Dosen.

Allerdings könnte General Motors das Geld aus dem Opel-Verkauf in die Entwicklung des autonomen Fahrens und neuartige Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing stecken, schreiben amerikanische Marktanalysten.

Viele Vorteile für Peugeot

Nicht zuletzt würde auch die PSA-Gruppe, zu der neben Peugeot die Marken Citroen und DS zählen, vom Opel-Kauf profitieren. Zusammen mit den Rüsselsheimern hätte das Unternehmen in Europa einen Marktanteil von 16 Prozent. Sie wären damit die auf dem Kontinent die Nummer 2 hinter dem Volkswagen-Konzern. Außerdem würden die Franzosen, traditionell stark auf dem französischen Heimatmarkt, von Opels starker Präsenz in Deutschland und Großbritannien profitieren.

Hinzu kommt: Die PSA-Gruppe könnte mit Opel an Bord durch ihre schiere Größe von signifikanten Skalen- beziehungsweise Degressionseffekten profitieren. Darüber hinaus würden sich die Franzosen jede Menge Know-how einkaufen. 8.000 Ingenieure beschäftigt Opel in Rüsselsheim. Das Herzstück ist die Entwicklung von Vierzylinder-Motoren, die derzeit noch weltweit in verschiedenen Autos aus dem GM-Konzern zum Einsatz kommen.

Opel wäre also lohnendes Objekt. So sagt Lutz Berners von Berners Consulting: "Es ist wahrscheinlich, dass auch chinesische Autobauer in die Diskussion einsteigen werden." Entsprechende Gespräche gab es bereits 2009 und 2011.

Mit dem Opel-Rückzug aus China 2014/2015 sei nun eine große Hürde für die Übernahme durch einen chinesischen Autohersteller gefallen. "Diese hätte für Opel - insbesondere die Opel-Mitarbeiter - große Vorteile im Vergleich zu einer Übernahme durch einen in Europa bereits etablierten Wettbewerber", so Berners.

Gründe gegen einen Verkauf von Opel

Gleichwohl gibt es Gründe, die gegen einen Verkauf von Opel sprechen. Da wäre das Problem, dass PSA mit diesem Kauf sich keine neuen Märkte erschließen würde. So profitiert beispielsweise Peugeot-Konkurrent Renault von der Allianz mit Nissan, da die Japaner stark auf dem US-Markt vertreten sind. Opel ist lediglich auf dem hart umkämpften europäischen Markt präsent.

GM würde durch den Verkauf von Opel kein global aufgestellter Autobauer mehr sein. Es sei denn das Unternehmen beginnt wieder Chevrolet-Modelle im großen Stile auf den europäischen Markt zu bringen. Damit das gelingt, müssten die Amerikaner allerdings zunächst ein Händlernetz aufbauen. Das könnte zumindest eine Weile dauern.

Es sei denn Chevrolet respektive GM holt sich einen neuen europäischen Partner ins Boot. Immerhin war Fiat-Chrysler-Boss Sergio Marchionne in den letzten Jahren schon öfter auf Brautschau. Einen Partner fand er bislang nicht. Vielleicht bietet sich nach einem Opel-Verkauf nun General Motors für eine tiefergehende Kooperation an.

Die margenträchtigsten Autobauer Europas

  • Platz 5 Premiummarke: Mercedes mit einer Ebit-Marge von 7,9 Prozent (Ergebnis von 3.192 Euro pro Fahrzeug). - Bild: Daimler

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  • Platz 4 Premiummarke: Audi mit einer Ebit-Marge von 8,8 Prozent (Ergebnis von 3.337 Euro pro Fahrzeug). - Bild: Audi

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  • Platz 3 Premiummarke: BMW mit einer Ebit-Marge von 9,5 Prozent (Ergebnis von 3.389 Euro pro Fahrzeug). - Bild: BMW Group

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  • Platz 2 Premiummarke: Porsche mit einer Ebit-Marge von 16,7 Prozent (Ergebnis von 15.641 Euro pro Fahrzeug). - Bild: Porsche

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  • Platz 1 Premiummarke: Ferrari mit einer Ebit-Marge von 18,0 Prozent (Ergebnis von 56.000 Euro pro Fahrzeug). - Bild: Ferrari

    Platz 1 Premiummarke: Ferrari mit einer Ebit-Marge von 18,0 Prozent (Ergebnis von 56.000 Euro pro Fahrzeug). - Bild: Ferrari