Windräder

Derzeit herrscht Flaute bei den deutschen Herstellern von Windanlagen. - Bild: Pixabay

Die Aktie von Nordex verlor am Dienstag mehr als vier Prozent, fielen die Zahlen doch etwas schwächer aus als erwartet. Die Papiere von Senvion konnten hingegen minimal zulegen.

Nordex-Chef José Luis Blanco geht dabei von einer stärkeren zweiten Jahreshälfte aus. Hoffnung verleiht der robuste Auftragseingang, der in den ersten sechs Monaten mehr als doppelt so hoch ausfiel wie ein Jahr zuvor. Dennoch geht Nordex weiter von zwei schwierigen Jahren aus, der deutsche Markt dürfte sich erst 2020 wieder erholen.

Umsatzeinbrüche bei den Herstellern

So brach der Umsatz des TecDax-Unternehmens in den ersten sechs Monaten um mehr als ein Drittel auf 957 Millionen Euro ein. Das operative Ergebnis (Ebitda) sackte überdurchschnittlich um zwei Drittel auf 38,4 Millionen Euro ab, wie das Unternehmen am Dienstag in Hamburg mitteilte. Unter dem Strich schrieb der Konzern einen Verlust von gut 40 Millionen Euro.

Bei Senvion ging es ebenfalls abwärts. Der Umsatz rutschte im ersten Halbjahr um fast 44 Prozent auf 466 Millionen Euro ab, wie das Unternehmen ebenfalls am Dienstag in Hamburg mitteilte. Das bereinigte Ebitda brach um fast 80 Prozent auf 13,3 Millionen Euro ein. Unter dem Strich reduzierte sich der auf die Aktionäre entfallende Verlust jedoch von 92 Millionen Euro ein Jahr zuvor auf 50 Millionen, weil weniger Abschreibungen auf Zukäufe anfielen, Umbaukosten nicht mehr schwer wogen und weniger Zinsen für Schulden bezahlt werden mussten.

Wie die anderen Windhersteller auch leiden Nordex und Senvion unter dem schwierigen Branchenumfeld. Zwar werden immer mehr Windräder installiert, doch bringen diese weniger ein als früher. Grund ist der Wechsel von den festen Einspeisetarifen hin zu Auktionen.

Europaweit finden Ausschreibungen für neue Anlagen inzwischen überwiegend über eine Auktion statt, was die Preise drückt. Die Windanlagenbauer leiden daher unter einem harten Konkurrenzkampf. Dies gilt vor allem für Anlagen an Land, da der Markt zunehmend gesättigt ist und Subventionen heruntergefahren werden. Mit Enercon hatte zuletzt Anfang August einer der größten deutschen Hersteller einen Abbau von 800 Stellen bei seinen Zulieferern angekündigt.

Nordex-Chef rechnet mit Erholung des Marktes

Der Deutsche Markt gilt dabei als besonders schwierig. Hier war durch das 2017 eingeführte Auktionssystem die Nachfrage nach Windanlagen nahezu zusammengebrochen. So erhielten bei den letztjährigen Auktionen sogenannte Bürgerwindparks den Zuschlag für fast das gesamte Volumen.

Diese haben jedoch eine längere Realisierungsfrist als etwa professionelle Energieunternehmen, nämlich viereinhalb Jahre. Nach der sich nun als Folge abzeichnenden Ausbaulücke hat die Bundesnetzagentur die Regeln für solche Bürgerwindparks wieder verschärft.

Dennoch geht Nordex-Chef Blanco weiterhin erst ab 2020 von einer Erholung des deutschen Marktes aus. Die Jahre davor bleiben schwierig. Nordex treibt daher wie die anderen Hersteller auch die Expansion in neue Märkte voran. Vom im ersten Halbjahr erreichten Auftragseingang von 2,1 Gigawatt entfiel der überwiegende Teil aus dem Ausland. Stärkste Einzelmärkte waren Brasilien, Mexiko und die USA, in Europa waren es Frankreich, die Türkei und Schweden. Im Heimatmarkt Deutschland stagnierte die Auftragslage in der Branche weiterhin, erklärte Blanco.

Die Jahresprognose bekräftigte der Konzern. Der Vorstandschef sieht Nordex auf Kurs, in diesem Jahr einen Umsatz von 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro zu erreichen. Davon sollen 4 bis 5 Prozent als operativer Gewinn hängen bleiben. Im ersten Halbjahr lag die Ebitda-Marge bei 4 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie mit 7,8 Prozent fast doppelt so hoch gelegen.

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