Bei Thyssenkrupp ist nach Stahlfusion, Hiesinger-Abbau und Umbauforderungen Feuer im Topf.

Bei Thyssenkrupp ist nach Stahlfusion, Hiesinger-Abbau und Umbauforderungen Feuer im Topf. - Bild: Pixabay

Der Abgang von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger kam überraschend - und ging am Freitag eher schnell und geräuschlos über die Bühne. Nach dem Rückzug des Top-Managers kommt der Essener Industriekonzern aber nicht zur Ruhe und steuert auf eine ungewisse Zukunft zu. Zumal offen bleibt, wer den Dax-Konzern künftig führen wird. Nicht einmal ein Übergangschef wurde installiert.

Aufsichtsratschef Ulrich Lehner kündigte nach einer Sitzung des Kontrollgremiums am Freitag in Essen zwar entschlossen an, das Unternehmen werde ´"auf Kurs" bleiben. Doch aus dem Kreis der Aktionäre werden Forderungen nach einem Radikalumbau lauter. Was die Arbeitnehmer auf den Plan ruft. Die warnen vor einer Zerschlagung, an der Börse wird aber schon auf einen Strategiewechsel gesetzt.

Vor allem der Großaktionär Cevian aus Schweden hatte das Vorgehen Hiesingers immer wieder kritisiert und die Strategie des Managers für gescheitert erklärt. Den Forderungen nach einer Zerschlagung hatte Hiesinger beharrlich Absagen erteilt. Auch Betriebsratschef Wilhelm Segerath warnte eindringlich vor einem Ausverkauf auf Druck von Anteilseignern. Er sehe die Gefahr, dass der Rest des Konzerns von Finanzinvestoren zerschlagen wird.

Ein Nachfolger für den 58-jährigen Konzernchef, der sich am Freitag mit dem Aufsichtsrat über sein Ausscheiden einigte, steht aber noch nicht fest. Der soll nun in einem ´"strukturierten Prozess" gefunden werden. Wie lange dieser Prozess dauern könnte, wollte ein Sprecher nicht sagen. Bis dahin soll der mitten im Umbau steckende Ruhrkonzern ohne Vorstandschef bleiben und von den bisherigen Vorständen Guido Kerkhoff, Oliver Burkhard und Donatus Kaufmann geführt werden.

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An der Börse legte der Kurs von Thyssenkrupp teils kräftig um mehr als 2 Prozent zu - bis zum Freitagnachmittag lag das Plus immer noch bei gut 1,8 Prozent. Angetrieben von der Hoffnung auf einen Strategiewechsel - und trotz der unklaren Nachfolgesituation. Seit rund zwei Jahren dümpelt die Thyssenkrupp-Aktie zwischen 20 und 27 Euro vor sich hin. Nach dem Einbruch der Stahlpreise konnte sie sich zwar dank der Lösung für das europäische Stahlgeschäft etwas erholen. Aber da es dann kaum voran ging, blieben Anleger vorsichtig.

"Nun besteht die Chance, eine neue Strategie zu entwickeln, den Konzernumbau voranzutreiben und damit den Konzern neu auszurichten. Der Nachfolger sollte daher auch eine neue Perspektive einbringen und nicht an der bestehenden Strategie festhalten", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment.

Der Aufsichtsratschef Lehner jedenfalls dankte Hiesinger ausdrücklich für dessen Arbeit und verwies dabei auch auf die in der Satzung der Krupp-Stiftung verankerten Stiftungsgedanken, der den Erhalt des Unternehmens als Einheit vorsieht. Wohl nicht ohne Hintergedanken.

Denn zuvor war über eine mögliche Rolle der Krupp-Stiftung bei der Rücktrittsentscheidung Hiesingers spekuliert worden. Die nahm den Rückzug des Top-Managers nach einer in Essen verbreiteten Stellungnahme mit "großem Bedauern" zur Kenntnis. Die Stiftung habe Hiesinger auf seinem Weg unterstützt, die Vorschläge des Vorstands begrüßt und sie in den Entscheidungen mitgetragen, erklärte die Kuratoriumsvorsitzende Ursula Gather.

Hiesinger selbst hatte keine Gründe genannt. Er hatte lediglich erklärt, er "gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von Thyssenkrupp zu ermöglichen".

Die Ankündigung Hiesingers kam nur wenige Tage, nachdem der Manager nach langem Tauziehen die Fusion des Stahlgeschäfts mit dem Europa-Geschäft des indischen Konkurrenten Tata unter Dach und Fach gebracht hatte. Im Anschluss hatte Hiesinger noch vor wenigen Tagen angekündigt, eine überarbeitete Strategie vorlegen zu wollen. Die dürfte sich verzögern. Experten gehen davon aus, dass das für nächste Woche vorgesehene strategische Update verschoben wird, bis ein Nachfolger gefunden sei.

Aufsichtsratschef Lehner betonte nach einer Sitzung des Kontrollgremiums, dass die weitere Umsetzung der Stahlfusion mit Tata zu der mit dem Aufsichtsrat abgestimmten Strategie gehöre. "Für die weiteren Geschäftsbereiche bestehen nach außen klar kommunizierte Ziele, an denen das Unternehmen weiter arbeiten wird." Für den seit gut sieben Jahren an der Spitze stehenden Konzernchef war die Vereinbarung mit Tata eigentlich ein lange erwarteter Befreiungsschlag gewesen, der den Weg für einen Konzernumbau ebnen sollte.

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    Alles beginnt am Anfang. Wir schreiben das Jahr 1811, genauer den 20. November, als Friedrich Krupp mit zwei Teilhabern eine Gussstahlfabrik in Essen gründet. Bereits fünf Jahre später gelingt bereits die Herstellung von hochwertigem Gussstahl (Tiegelstahl) in größeren Mengen. Nach dem Tod des Gründers übernehmen Witwe und Sohn das Unternehmen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Über die Jahre entwickelt sich Krupp weiter. Der Prozess vom Walzrohling zur kompletten Walzmaschine lohnt sich für das Unternehmen. Die gefertigten Produkte belegen die hohe Qualität und Belastbarkeit des Tiegelstahls, weshalb dieser bald auch seinen Weg in Achsen, Federn und Reifen der Eisenbahn findet. Letztere findet man ab 1875 auch im Firmenzeichen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Während Krupp sich bereits zu einem großen Konzern entwickelt, beginnt dieser Prozess für ein anderes Unternehmen gerade erst. August Thyssen gründet am 1. April 1871 mit seinem Vater die Firma Thyssen & Co. in Styrum (Mülheim an der Ruhr). Das Unternehmen betreibt zu Beginn nur ein Stahl- und Bandeisenwalzwerk und wird dann systematisch erweitert. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    1883 kauft August Thyssen die ersten Kuxe an der Zeche Gewerkschaft Deutscher Kaiser. Acht Jahre später wird er, durch Kauf aller Anteilsscheine, gemeinsam mit seinem Bruder zum Eigentümer der Steinkohlezeche und beginnt mit dem Ausbau zum Hüttenwerk mit eigener Kohlenbasis. 1895 wird die Gewerkschaft Deutscher Kaiser zum integrierten Hüttenwerk ausgebaut. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Krupp expandiert indessen ebenfalls. So erfolgen beispielsweise der Kauf des Grusonwerks in Magdeburg, der Schiff- und Maschinenbau AG Germania in Kiel und der Erwerb der Zeche Hannibal bei Bochum. Außerdem wird 1896 in Rheinhausen das später Friedrich-Alfred-Hütte genannte Hüttenwerk gegründet, welches schnell eine beachtliche Größe erreicht. 1903 wird Krupp in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Familie Krupp bleibt an der Unternehmensspitze. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Auch Thyssen durchlebt ereignisreiche Zeiten. Der Konzern baut eine eigene Handels- und Schifffahrtorganisation. Niederlassungen auf der ganzen Welt werden gegründet und neue Stahlwerke gebaut. 1913 nimmt Thyssen, nur übertroffen von Krupp, eine Führungsposition in der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie ein. Mit dem Ersten Weltkrieg erfolgt bei der Gewerkschaft Deutscher Kaiser die Produktion von Rüstungsgütern, aber auch Krupp muss staatliche Aufträge erfüllen und wird zum Waffenlieferant. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stellt Krupp auf eine Friedensproduktion ohne Rüstungsgüter um. Dies führt zu einer schweren Krise die beinahe das Ende für das Unternehmen bedeutet, doch es gelingt dies zu verhindern. Schon ab 1933 sorgen Nationalsozialisten erneut für eine Aufnahme der Waffenproduktion. Krupp spielt auch während des Zweiten Weltkrieges eine große Rolle, was dazu führt, dass das Unternehmen später Alliierter Kontrolle unterstellt wird. Erst ab 1953 ist die Führung des Konzerns wieder Krupp-Angelegenheit. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Thyssen benennt 1919 die Gewerkschaft Deutscher Kaiser in August Thyssen-Hütte, Gewerkschaft um. 10 Jahre danach bringt der Konzern wesentliche Teile in die Vereinigten Stahlwerke ein. Im Dritten Reich entsteht daraus die August Thyssen-Hütte als rechtlich selbstständige Betriebsgesellschaft. Fritz Thyssens bricht später mit dem NS-Regime und wird verhaftet. Bombenangriffe sorgen dafür, dass die Thyssenhütte 1945 nicht mehr produzieren kann. Eine geplante Demontage kann 1949 verhindert werden. Es erfolgt eine Neugründung außerhalb der Vereinigten Stahlwerke. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    1967 verzichtet der Erbe der Krupp-Familie auf sein Vermögen, welches somit auf die neu gegründete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung als alleinige Gesellschafterin übergeht. Krupp beginnt wieder zu expandieren und die Stahlbasis auszubauen. Um die 80er und 90er Jahre erfolgt bei dem Konzern eine weitreichende Reorganisation. Im Jahr 1992 erfolgt die Fusion mit Hoesch, einem Unternehmen, welches in sehr ähnliche Geschäftsbereiche tätig ist. Eine Neueinteilung der Geschäftsfelder führt zu einer völlig neuen Struktur innerhalb des Konzerns. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Die horizontale und später auch vertikale Diversifikation sowie die Angliederung einer Handelsorganisation sorgen dafür, dass das Unternehmen Thyssen wieder wächst. 1973 erwirbt der Konzern das Unternehmen Rheinstahl und schafft so unter anderem neue Erzeugungs- und Verarbeitungskapazitäten von Eisen, Stahl und Edelstahl. Nachdem ein geplanter Zusammenschluss mit Krupp im Stahlbereich 1983 nicht stattfindet erfolgen anderweitige Strukturänderungen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Im März 1997 wird bekannt, dass Hoesch-Krupp versucht den Thyssen Konzern durch den Kauf von Aktien mehrheitlich zu erwerben. Schlussendlich wird die Übernahme nicht durchgeführt, doch beide Unternehmen führen nun intensive Gespräche über das industrielle Konzept einer gemeinsamen Flachstahlgesellschaft. Der Startschuss für Thyssen Krupp Stahl fällt am 1. September 1997. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Weitere Gespräche über mögliche Zusammenarbeiten folgen und enden mit einem Gesamtzusammenschluss. Am 17. März 1999 wird Thyssenkrupp ins Handelsregister eingetragen. Der neu entstandene Konzern wird in 23 Geschäftsbereiche gebündelt, die fünf Unternehmensbereiche bilden: Steel, Automotive, Industries, Engineering und Materials & Services. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Bis zum Jahr 2007 läuft es für Thyssenkrupp sehr gut, doch die Weltwirtschaftskrise trifft das Unternehmen schwer. Dennoch schafft es der Konzern auch in diesen Zeiten zu bestehen. Seit 2015 tritt Thyssenkrupp unter einer neuen einheitlichen Dachmarke auf der ganzen Welt auf. Das Unternehmen unterteilt seine Geschäftsaktivitäten in sechs Business Areas: Components Technology, Elevator Technology, Industrial Solutions, Materials Services, Steel Europe und Steel Americas. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp