BRÜSSEL (Dow Jones/ks)–Im vergangenen Jahr verkauften die Autohäuser in den 27 Staaten der Europäischen Union sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz mit 13,8 Mio Neuwagen knapp 5% weniger als 2009, wie der Verband der Europäischen Autohersteller (ACEA) am Freitag in Brüssel mitteilte. Allerdings hatten staatliche Förderungen im Jahr zuvor für einen europaweiten Ansturm auf die Autohäuser gesorgt.

Nachdem Abwrackprämien in vielen Ländern Europas zu Jahresbeginn 2010 einen Einbruch der Autoverkäufe verhindert hatten, setzte nach ihrem Auslaufen im Sommer der Katzenjammer ein. Nach einer kräftigen Delle im Herbst schwand die Zurückhaltung jedoch zum Jahresende: Im Dezember meldeten die Zulassungsstellen laut ACEA europaweit nur noch ein Minus von knapp 3%.

Verantwortlich für den Rückgang der Verkaufszahlen im vergangenen Jahr in Europa war unter anderem das Minus auf dem größtem Automarkt Deutschland, wo die Neuzulassungen zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen um 23% niedriger ausfielen als 2009. Damals hatte die Verschrottungsprämie noch für ein kräftiges Zulassungsplus gesorgt, was die Statistik nun stark verzerrt.

In Italien führte das Ende des Staatszuschusses im vergangenen Jahr laut dem Verband zu 9% weniger Autoverkäufen. In Frankreich betrug das Minus demnach 2%, während in Großbritannien 2% mehr Autos verkauft worden seien, in Spanien 3% mehr.

Der Einbruch traf fast alle Massenhersteller: Volkswagen brachte 2010 den Angaben zufolge 4% weniger Golf, Audi, Seat und Co an die Kunden. Opel und die Schwestermarke Vauxhall büßten knapp 6% ein. Bei Toyota hielten sich die Kunden nach der Qualitätsdebatte weiter zurück – minus 16%. Die französische PSA hat 2% weniger Peugeot und Citroen verkauft. Ford büßte demnach 13% ein, Fiat 17%, Honda 23% und der VW-Partner Suzuki 22%.

Dem Abwärtstrend haben sich neben Renault vor allem die Premiumhersteller entziehen können. BMW verkaufte nach ACEA-Angaben 6% mehr BMW und Mini. Auch Audi konnte in Europa zulegen. Nur Daimler verkaufte europaweit 2% weniger Mercedes-Benz und Smart. Zu den Ausnahmen hat aber auch Nissan mit einem Zehntel und Mitsubishi mit 9% mehr verkauften Autos gehört.

Während die Kunden in Europa nur zaghaft in die Autohäuser zurückkehrten, lief es anderenorts erfreulicher. Weltweit wurden nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Berlin knapp 62 Mio Autos verkauft – ein Plus von 12%.

In Russland hat die im März eingeführte Abwrackprämie die Verkäufe um 30% auf gut 1,9 Mio Autos steigen lassen, wie der Verband erklärte. Dennoch habe der russische Markt noch nicht wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Im Jahr 2009 waren die Verkäufe in Russland um die Hälfte eingebrochen.

In China zogen die Verkaufszahlen etwas mehr als ein Drittel auf fast 11,3 Mio Neuwagen an, wie der VDA erklärte. Viele Kunden schlugen beim Autokauf noch schnell zu, bevor der staatliche Zuschuss und der Steuervorteil auslaufen. In Indien hat sich der Wachstumskurs mit einem Plus von knapp einem Drittel auf 2,4 Mio Autos fast ungebremst fortgesetzt. In Japan sorgte das Ende der staatlichen Unterstützung zum Jahresausklang für Einbußen. Im Gesamtjahr wurden jedoch laut VDA mit 4,2 Mio Autos 7% mehr zugelassen als 2009.

In den USA sind trotz des gebremsten Wirtschaftsaufschwungs 11% mehr Autos und vor allem Pick-Ups verkauft worden. Trotz einer leichten Delle nach dem Auslaufen des staatlichen Konjunkturprogramms zogen die Geschäfte in Brasilien in den vergangenen zwölf Monaten um 11% an.