Innovations-Forum Deutsche Industrie, Siemens, Produktion, Staufen, GE, Wittenstein

Reithalle des Maritim Hotel Stuttgart: Hier trafen sich hochrangige Innovationsmanager zum 1. Innovations-Forum Deutsche Industrie von Produktion und Staufen. - Bild: Robert Gongoll

Stéphane Tarnier hat eine große Innovation für die Menschheit geschaffen. Er war Kinderarzt in Paris und wurde von der Säuglingssterblichkeit geplagt.Tarnier beobachtete 1884 im Zoo von Paris, wie Hühnchen in Brutkästen gezüchtet wurden. Er kam auf die Idee, dass man dies auch auf Säuglinge anwenden könnte.

„Tarnier schaffte einen Technologietransfer und erfand den modernen Brutkasten für Säuglinge", sagte Professor Frank T. Piller auf dem 1. Innovations-Forum Deutsche Industrie von Produktion und Staufen AG in Stuttgart. „Die eigentliche Leistung von Tarnier war gar nicht der Transfer, sondern das wissenschaftliche Ex­perimentieren und der Nachweis, dass diese Innovation etwas bringt." Er habe nämlich kontrollierte Experimente mit Kindern aufgesetzt, um zu zeigen, dass diese Innovation funktioniert.

Dies sei eine der Innovationen, die wirklich etwas für die Menschheit gebracht haben. Dabei seien die Bedingungen damals für die Innovation günstig gewesen, erläuterte Piller: „Tarnier hatte das Bedürfnis, etwas zu tun. Paris war sehr reich und man brauchte viele Kinder für das Wachstum." Das heißt, für Innovationen werde ein frustierter Nutzer benötigt, ein System, dass die Entwicklung unterstützt, finanzielle Mittel, Kommunikation und ein bisschen Zufall.

 

Wie Unternehmen heute zu Innovationen kommen

Martin Haas Staufen
Staufen-CEO Martin Haas: "Kürzere Innovationszyklen werden immer wichtiger." - Bild: Robert Gongoll

Wie die Unternehmen heute zu Innovationen kommen, analysierte der CEO der Staufen AG, Martin Haas, in einer Studie. Demnach sind heute kürzere Innovationszyklen wichtig. „Wir müssen erreichen, dass Innovationen in geringerer Zeit realisiert und umgesetzt werden, damit Durchsatz generiert wird", meinte Haas. Neun von zehn deutschen Industriefirmen befinden sich der Studie zufolge unter einem starken Innovationsdruck und beginnen zu investieren. „Erstaunt hat uns dabei, dass sich 62 Prozent der Befragten als Vorreiter sehen und lediglich 38 % dem Wettbewerb den Vorrang geben", sagte der Staufen-CEO. Dabei hätten beide Strategien ihre Berechtigung. Aber die Strukturen des Unternehmens müssten auf die jeweilige Strategie ausgerichtet werden.

„Ein Sonderstellung nimmt dabei die Automobilindustrie ein, wo 82 Prozent angaben, die Branche sei hierzulande am innovativsten", so Haas, „gefolgt von der Elektroindustrie und dem Maschinen- und Anlagenbau." Den geringsten Innovationsgrad stellten die Befragten in der Metall-Industrie fest.

Radikale Innovation als Bestandteil der Firmenkultur

Siegfried Russwurm
Professor Siegfried Russwurm, Siemens-CTO, erklärte, wie der Konzern mit Start-ups zusammenarbeitet, um Innovationen zu fördern. - Bild: Robert Gongoll

Im Gegensatz dazu ist das Ziel von Wittenstein, radikale Innovation zu einem Bestandteil der Firmenkultur zu machen. „Das bedeutet, dass man neue Technologien oder Geschäftsmodelle entwickelt, die bisher nicht vorhanden waren", sagte der Wittenstein-Vorstandsvorsitzende Professor Dieter Spath. Als Beispiel nennt er das Ergebnis der in der Firma formulierten Herausforderung „Entwicklung eines zahnlosen Getriebes". Erst nach drei Jahren ging Wittenstein mit dem Ergebnis an die Öffentlichkeit. Bei dem Produkt „Galaxie-Getriebe" seien sämtliche Leistungsmerkmale verbessert und es gebe bereits An­fragen aus anderen Märkten wie dem Schiffbau, berichtete Spath.

Siemens-CTO Professor Siegfried Russwurm erläuterte, dass bezüglich Innovationen bei Siemens immer fünf Fragen beantwortet werden müssen: Betreffe die Innovation ein Wachstumsfeld, habe sie ein Ergebnispotenzial, bringe sie Siemens Wettbewerbsvorteile, schaffe sie Synergien und gebe es gerade einen Paradigmenwechsel in dieser Technologie oder diesem Markt? Die Antworten auf diese Fragen seien entscheidend. Nach Aussage von Russwurm scheitern Innovationen bei Siemens nicht am Geld.

Auch Open Innovation wird für Siemens immer wichtiger. So investiert der Konzern in Start-ups, geht Partnerschaften ein und gründet selbst Start-ups. Auf diese Weise will Siemens auch neue Technologien in den Markt bringen.

General Electric setzt ebenso auf Open Innovation. „Man kann sich bei Innovationen Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette vorstellen", berichtete Dr. Carlos Härtel, Managing Director GE Global Research Europe. „Früher gab es Zäune um die Forschungsabteilungen, heute gibt es viele Tausend Besucher."