Paul Horn

Lothar Horn ist Geschäftsführer der Paul Horn GmbH. - Bild: Paul Horn Gmbh

Herr Horn, was ist Ihr persönliches Erfolgskonzept?

Kurz-, mittel und langfristige Denkweisen, absolute Kundenorientierung, das Streben nach den besten Lösungen und Technologien, und am wichtigsten – meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber auch Vertrauen in die eigene Stärke und Möglichkeiten gehört dazu, um auch schwierige Zeiten, ich denke da vor allem an das Jahr 2009, gut zu überstehen.

Wie schaffen Sie es, als Mittelständler den Innovationsgrad hoch zu halten?

Ein hoher Innovationsgrad ist die Basis für optimale Lösungen der Herausforderungen, Aufgaben und Probleme unserer Kunden rund um die Zerspanung. Hierfür zuständig zeichnen sich die Bereiche F&E, Konstruktion sowie Produktmanagement. Alle Bereiche sind bestens vernetzt, vor allem mit dem Vertrieb, um an den heutigen und künftigen Marktanforderungen zu entwickeln. Das haben wir uns selbst mit unserem Slogan auf die Fahne geschrieben: Technologievorsprung ist Horn.

Was sind Ihre wichtigsten Herausforderungen für das nächste Jahr?

Zu den wichtigsten Herausforderungen der Zukunft gehören zweifelsohne die Verän­derungen in unseren großen Kundenbranchen – allen voran der Bereich Automotive – aber auch die Themen Digitalisierung und Vernetzung. Neue Werkstoffe und verbesserte Produktionsverfahren zum Beispiel im Bereich additive Fertigung sind nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern prägen unser zukünftiges Handeln ebenfalls spürbar.

Worin sehen Sie im Vergleich zu Konzernen und Großunternehmen die Vorteile von Mittelständlern?

Vorteile findet man oft bei kurzen Entscheidungswegen sowie die schnelle Umsetzung durch flache Hierarchien. Des Weiteren sehe ich vielfach den Vorteil von besserer Flexibilität. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass mittelständische Betriebe häufig noch familiengeführte Unternehmen sind. Langfristige und nachhaltige Sichtweisen und Entscheidungen sind hier meiner Meinung nach ausgeprägter. Ein Risiko ist dann gegeben, wenn die Unternehmensnachfolge nicht geklärt ist. Für Horn ist das Thema geklärt. Mein Sohn Markus Horn führt in dritter Generation die Paul Horn GmbH.

Zur Firma: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn

Seit 1969 entwickelt und produziert die Firma Paul Horn GmbH Einstech-, Längsdreh- und Nutfräswerkzeuge.  Die Anwendungsbereiche sind vielfältig und reichen von der Automobil- und deren Zulieferindustrie über Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Hydraulik/Pneumatik, der Schmuckindustrie bis hin zur Medizintechnik. Mehr unter: www.phorn.de

Die Industrie ohne Mittelstand? Für Sie überhaupt denkbar? 

Ich bin überzeugt, dass heute und in Zukunft der Mittelstand das Rückgrat der Industrie ist. Wenn man sich die Strukturen in den heutigen Branchen ansieht, sind diese auf den Mittelstand zum Beispiel im Zulieferbereich ausgelegt. Daher besteht oft eine nachweisbare Abhängigkeit – von beiden Seiten. Ich denke, dass sich Industrie und Mittelstand beziehungsweise der Mittelstand in der Industrie nicht ausschließen, sondern sinnvoll ergänzen.

Was macht Sie als mittelständisches Unternehmen so erfolgreich?

Wir, als doch schon größeres mittelständisches Unternehmen, haben die technischen und organisatorischen Voraussetzungen wie Großunternehmen, ohne dabei Schnelligkeit und Flexibilität einzubüßen. Dies ist durch flache Hierarchien, schnelle Entscheidungswege, qualifiziertes und hochmotiviertes Personal sowie einer Horn-spezifischen Organisationsstruktur möglich. Beispielsweise haben wir den Greenline-Prozess für unser Unternehmen entwickelt. Hierbei ist es möglich, kundenspezifische Schneidplatten, sogenannte Sonderwerkzeuge, innerhalb von fünf Arbeitstagen nach Zeichnungsfreigabe durch den Kunden zu liefern. Die durchschnittliche Lieferzeit in der Branche liegt um ein Vielfaches höher. Über das Thema Qualität muss ich nicht viel erzählen. Höchste Qualität und Präzision sind bei uns Grundvoraussetzung.

Haben Sie einen unternehmerischen Leitspruch?

"Der Kunde ist König" trifft es ganz gut. Wir bieten unseren Kunden Technologievorsprung. Und um diesen bieten zu können, müssen wir diesen Anspruch auch bei uns selbst ansetzen, umsetzen und leben. Nur wenn die Voraussetzungen bei uns vorhanden sind und wir nicht nur theoretisch wissen, wie es geht, können wir bei unseren Kunden optimale Lösungen anbieten. Ein weiterer Baustein ist, hinzuhören und in den Dialog zu treten – mit dem Kunden und nach innen, damit Kundenanforderungen schnell und zielführend umgesetzt werden können.

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Muss der Mittelstand Angst vor Google, Amazon, Facebook oder Apple haben?

Ich denke nicht, dass der Mittelstand vor diesen Konzernen Angst haben muss. Die Welt ist im ständigen Wandel und es hat schon in der Vergangenheit große ‚Gobal Player‘ gegeben. Ich denke, dass es wichtig ist, dass solche Unternehmen Technologie voranbringen und damit neue Möglichkeiten schaffen. Gerade beim Thema Digitalisierung und Vernetzung brauchen wir zukunftsfähige Grundlagen, die auch von diesen Firmen zum Teil mitbestimmt werden.

Wie weit sind Sie mit Ihrer digitalen Transformation?

Wir fokussieren uns aktuell sehr stark auf die Digitalisierung und Optimierung der Geschäftsprozesse, um auf die Anforderungen unserer Kunden noch agiler reagieren zu können und diese in einer bedeutend kürzeren Zeit umzusetzen. Beginnend mit einem neuen eShop für unsere Standardprodukte, einer neuen Software zur Produktkonfiguration von Sonderwerkzeugen, einer innovativen und leistungsfähigen Middleware sowie einem grundlegend überarbeiteten serviceorientierten Architekturmodell für unsere Produktion. Das Zusammenspiel und die Vernetzung der einzelnen digitalen Lösungen und Werkzeuge, die wir heute einsetzen, stellen uns vor zukunftsträchtige Herausforderungen, welche wir aktiv angehen.

Welche Neuerungen planen Sie künftig in Ihrer Produktion?

Ganz aktuell haben wir für den Bereich Technik Herrn Matthias Rommel in die Geschäftsführung berufen. Sein Verantwortungsbereich beinhaltet unter anderem den Bereich Produktion. Konkret planen wir dort beispielsweise eine Umstellung der Kommunikation auf den Daten-Austausch-Standard OPC UA sowie die Einführung der papierlosen Fertigung. Weitere Themen sind darüber hinaus in Planung.

Finden Sie geeignete Mitarbeiter, um wettbewerbsfähig zu sein?

Ja und nein. Wir haben uns einen guten Ruf als Arbeitgeber erarbeitet. Das alleine reicht aber nicht. Wir sind mit dem Standort Tübingen im Großraum Stuttgart angesiedelt – einer sehr strukturstarken Region. Um hier langfristig mit gutem Personal aufgestellt zu sein, bilden wir ständig insgesamt über 70 junge Menschen aus. Über die von uns angebotenen Umschulungen erreichen wir neue Zielgruppen als Arbeitgeber. Damit diese Maßnahmen langfristig zu Erfolg führen, ist es wichtig, alle Beteiligten mit in die Zukunft zu nehmen. D. h. Themen wie Digitalisierung und Vernetzung dürfen nicht nur technisch und organisatorisch umgesetzt werden. Es müssen auch die Menschen befähigt werden, die neuen Herausforderungen zu meistern. Mit diesen Themen beschäftigt sich vor allem unsere hauseigene Akademie. Denn nur gemeinsam können wir in Zukunft unsere Kunden, unser Unternehmen und uns alle voranbringen.

Weiterbildung: Die Horn Akademie

Die Horn Akademie konzipiert und realisiert mit ihren Teams aus der Praxis Qualifizierungsprodukte für Fachkräfte und darüber hinaus. Neben der Ausbildung zum Industriemechaniker bieten wir in den Bereichen Umschulung, Studium sowie in der Weiterbildung und Zusatzausbildung die unterschiedlichsten Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der IHK sowie der DHBW Horb an.

Automatisierungsquote: Wo arbeiten die meisten Roboter?

Global betrachtet arbeiten im Schnitt 74 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter in der Fertigungsindustrie. Das gab die International Federation of Robotics (IFR) in der jüngsten Statistik bekannt. Klicken Sie sich durch und sehen Sie, wie die Roboterdichte laut IFR weltweit verteilt ist.