Johannes Linden

Johannes Linden ist der CEO der PIA Group. - Bild: PIA Group

Herr Linden, worin sehen Sie im Vergleich zu Großunternehmen die Vorteile von Mittelständlern?

Vergleicht man Großunternehmen und mittelständische Betriebe, zeigen sich Vorteile auf beiden Seiten. Großunternehmen können etwa enorme Mittel aufbringen und damit an großen Veränderungen teilnehmen. Dies geht aber mit einer langwierigen Entscheidungsfindung und einer gewissen Trägheit einher. Mittelständler hingegen sind schlanker, schneller und können ihre Aktivitäten gezielt konzentrieren. Ihr wesentlicher Vorteil kann mit ‚Klasse statt Masse‘ umschrieben werden.

Was macht Sie als mittelständisches Unternehmen so erfolgreich?

Wie zuvor erwähnt, sind Mittelständler agiler und können daher in speziellen Marktsegmenten mit kundenspezifischen Lösungen tätig sein. Nehmen Sie uns als Beispiel: PIA ist ein One-Stop-Solution-Provider, der die Stärken und Kompe­tenzen all seiner Standorte nutzt. Wir entwi­ckeln Automatisierungslösungen, maß­geschneidert für die Produkte und Anforderungen des Kunden. Organisiert in Strategic Business Units, die eigenständig und mit Eigenverantwortung agieren, werden innerhalb des globalen PIA Netzwerks Synergieeffekte ideal genutzt und das Know-how aller Standorte geteilt. PIA ist ein Kollektiv mittelständischer Unternehmen, das als funktionierende Einheit global agiert. Diese Struktur – unseren USP – wollen wir auch in Zukunft beibehalten.

Waren das auch die Hauptgründe für Sie, die Rolle des CEO zu übernehmen?

Da waren vor allem zwei Faktoren ausschlaggebend: Zum einen ist die Automatisierung eine Wachstumsbranche mit enormem Zukunftspotenzial. Und zum anderen hat PIA keine erlahmende Konzernstruktur, sondern eine ideale Unternehmensgröße. Mit dieser Größe und der globalen Präsenz kann man etwas verändern und bewirken. Die Herausforderung ist jetzt, die Balance zu finden einerseits hinsichtlich unseres Wachstums, und andererseits im Spannungsfeld zwischen Holding-Synergien und eigenständigen Gesellschaften.

Muss der Mittelstand Angst vor Firmen wie Google, Amazon, Facebook oder Apple haben?

Die Antwort darauf kann ich nur für uns geben. Aufgrund der spezifischen Lösungsanforderungen in unserem Umfeld haben wir keine Furcht vor Google & Co. Wir sind ein Sondermaschinenbauer, der mit einem starken Produktportfolio die vielfältigen und individuellen Anforderungen der Kunden erfüllt. Und mit unseren eigenen Industrie 4.0-Lösungen entwickeln wir uns auch immer mehr in Richtung eines Softwarehauses.

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Zur Firma PIA Automation

PIA Automation ist eine international aufgestellte Unternehmensgruppe und bietet technisch komplexe Automatisierungslösungen an. Dabei werden kundenspezifische Montage-, Mess- und Prüfsysteme für die Automobil-, Elektronik- und Konsumgüterindustrie sowie für die Bereiche Medizintechnik, Pharma und erneuerbare Energien entwickelt und gefertigt. Das Leistungsspektrum reicht vom manuellen Montagearbeitsplatz bis hin zur vollautomatischen Produktionsanlage. Mehr unter: www.piagroup.com

Stichwort ‚Industrie 4.0‘: Wie weit sind Sie mit Ihrer digitalen Transformation?

Für Industrie 4.0 gibt es keine eindeutige Definition. Es ist vielmehr ein Oberbegriff für einen Strauß an verschiedenen Technologien und Anwendungen. Wir bei PIA konzentrieren uns dabei voll und ganz auf den Themenbereich Big Data & Analytics. Es geht also darum, Daten zu analysieren, um uns aus der deskriptiven und diagnostizierenden Situation in die präventive vorzuarbeiten. Wie bereits erwähnt, haben wir dazu eigene Industrie 4.0-Lösungen entwickelt. Diese können durchaus als ‚digitale Maßanzüge‘ für unsere Kunden bezeichnet werden, die in einem agilen Software­entwicklungsumfeld an ausgewählten Standorten geschaffen wurden. Beispielsweise unser Servicetool ‚piaOptimum‘ verwandelt die Daten aus dem System direkt in Verbesserung. Es optimiert schrittweise alle Bereiche und sorgt so für eine höhere Gesamtanlageneffektivität. Einzigartig an ‚piaOptimum‘ ist, dass es Produktionsdaten von Mensch und Maschine berücksichtigt.

Was empfehlen Sie denn Ihren Kunden? Gibt es konkrete Handlungsvorschläge, die Sie weiter geben?

Die konkreten Handlungsempfehlungen reichen von der Anpassung des Anlagen-Layouts bis zur Schulung der Benutzer. Innovative Dienstleistungen, die auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind, werden in Zeiten des globalen Wettbewerbs immer wichtiger. Die Grenze zwischen Produkten und Services verschwimmt dabei zunehmend; gerade an der Schnittstelle von Maschinenbau und Digitalisierung spielen smarte Dienstleistungen eine wesentliche Rolle. Wir haben für diese ‚Smart Services‘ bereits früh die Weichen gestellt.

Finden Sie genügend geeignete Mitarbeiter, um wettbewerbsfähig zu sein, oder ist die Lage eher prekär?

Die Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, ist kein deutsches oder europäisches Problem. Vergleichen Sie beispielsweise Deutschland und China: Deutschland hat rund 82 Millionen Einwohner. Bei einer Einwohnerzahl von knapp 1,4 Milliarden könnte man annehmen, dass es in China absolut kein Problem sein sollte, geeignetes Personal zu finden. Dem ist aber nicht so. Unsere chinesischen Kollegen stehen vor den gleichen Herausforderungen wie wir hier in Europa oder das HR-Team in Nordamerika. Es bedarf also immer und überall einer gewissen Anstrengung, hochqualifizierte und motivierte Menschen zu finden. Wir müssen uns attraktiv aufstellen und jedem klar machen, dass PIA mehr ist als nur ein Arbeitsplatz. Für uns zählt, dass unsere Mitarbeiter gerne bei uns arbeiten und ihre Arbeit mit einem Lächeln beginnen.

Bilden Sie auch selbst aus?

In unserer ‚PIA Academy‘ werden Fach­seminare, Persönlichkeitstrainings und Schu­lungen zur Steigerung der interkulturellen Kompetenzen durchgeführt. Mittels gezielter Aktionen bildet ‚PIA Life‘ die Basis für Gesundheit und Motivation. Was auch für uns spricht, ist die Flexibilität eines Unternehmens unserer Größe und gleichzeitig unser weltweiter Footprint. Es liegt also an uns, diese Botschaft in den Bewerbermarkt zu senden. Und wir sind guter Dinge, damit die richtigen Leute für unser Team zu finden.

Haben Sie einen unternehmerischen Leitspruch? Und wie wirkt sich dieser auf Ihre Kunden aus?

Ja, und dieser heißt schlicht PIA. PIA steht für Passion, Inspiration und Ambition. Und genau diese Kombination – sozusagen unsere DNA – macht den Unterschied aus. Jedes Projekt benötigt einen innovativen Ansatz. Aber nur mit Leidenschaft kann aus etwas Gutem etwas Besonderes, etwas Einzigartiges werden. Und dieser gedankliche Ansatz umspannt unsere Kundenprojekte genauso wie das Corporate Citizenship von PIA.

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Zur Person Johannes Linden

Johannes Linden verfügt über langjährige Managementerfahrung im Bereich des Maschinenbaus. Vor 2006 hatte er verschiedene Führungspositionen inne bei SIG, dem weltweit führenden Systemlieferanten von Kartonverpackungen, einschließlich der Position COO in der US-Niederlassung in Columbus. Von 2006 bis 2014 war er Geschäftsführer des Metall­verpackungsspezialisten Mall + Herlan. Danach folgte bis 2017 die Geschäftsführung für die Schuler Pressen GmbH. Mit 1. Juli 2017 übernahm Johannes Linden den Vorsitz der Geschäftsführung (CEO) der PIA Automation Holding GmbH und im September 2018 wurde er als neues Mitglied in den Vorstand von ­VDMA IAS (Integrated Assembly Solutions) gewählt.