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Bild: paulina101/pixabay

Ein Fachbereich der Fakultät für Ingenieurwesen der Universität von West Virginia sah sich nach neuen Projekten um, als die Forscher im Jahr 2013 eine Anfrage für ein Projekt beantworteten, bei dem es um einen Vergleich von US-Dieselautos mit europäischen Modellen ging. Die Anfrage kam ausgerechnet von einer gemeinnützigen europäischen Forschungseinrichtung.

Drei Fakultätsmitglieder und zwei Doktoranden arbeiteten an der Studie. Sie siedelten sich extra in Südkalifornien an, um näher an den Luftqualitätslaboren des Bundesstaats zu sein. Die Wissenschaftler mieteten einen BMW X5-SUV mit einem Dieselmotor von einem Autohändler und zwei Volkswagen - einen Jetta und einen Passat.

Anschließend installierten sie Emissionsüberwachungsausrüstung in den Fahrzeugen. Mit den Geräten ließen sich Abgase in eine Reihe von Messsystemen ausstoßen, die die Schadstoffe ermitteln konnten, die sich bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten ergeben. Doch anders als bei Standardtests für Emissionen liefen die Tests nicht unter Standardlaborbedingungen im Stehen ab, sondern die Forscher fuhren Hunderte von Meilen und maßen dabei kontinuierlich die Schadstoffe.

Sie waren mit einem Rätsel konfrontiert: Beim BMW stimmten die Laborergebnisse mit jenen der Testfahrten weitgehend überein. Doch die VW stießen weitaus mehr Schadstoffe aus, als sie eigentlich hätten herauspusten dürfen. "Als wir zuerst die Zahlen sahen, waren sie höher, als wir erwartet hatten", erläutert Direktor Dan Carder vom Fachbereich der Universität. "Zunächst einmal stellten wir unsere eigenen Resultate in Frage." Daraufhin gingen sie wieder in den Straßenverkehr.

Forscher in Kontakt mit VW

Die Gruppe kontaktierte VW, um den Konzern über die Ergebnisse zu informieren. "Sie hinterfragten die Resultate kritisch und es war für uns ganz natürlich, dass wir das auch taten", erinnert sich Carder. Eine VW-Sprecherin wollte sich zu der Konversation mit den Forschern nicht äußern.

Letztlich präsentierten die Forscher aus West Virginia ihre Resultate im Mai 2014 der Umweltbehörde EPA und dem California Air Resources Board. Vergangenen Freitag dann beschuldigte die EPA den VW-Konzern bewusst gegen US-Umweltschutzauflagen verstoßen zu haben, indem er eine Software installiert habe, mit der rund 500.000 US-Fahrzeuge Emissionstests der Regierung praktisch umgingen. Diese Woche räumte VW dann ein, dass weltweit rund 11 Millionen Autos die Manipulationssoftware enthalten. Es bleibt aber unklar, wie das die Tests außerhalb der USA beeinflusste.

Carders Forschungen stießen nach seinen Angaben nicht zu der Art und Weise vor, wie die Software für die Motorenkontrolle funktioniert. Es ist auch alles andere als ersichtlich, ob das Umweltproblem mit einem einfachen Handgriff behoben werden kann. Andere Autobauer, darunter BMW, verwenden ein Verfahren, das sich selektive katalytische Reduktion nennt und bei dem Automobil-Harnstoff in die Abgase gesprüht wird. Als Reaktion verwandelt sich das umweltschädliche Stickstoffoxid in weniger gefährlichen Stickstoff, Wasser und kleinere Mengen von Kohlendioxid.

Viele Diesel nutzen dieser Tage eine Spielart dieses Systems, um die Emissionsregeln einzuhalten. Der VW Passat, den Carder testete, verfügt über ein solches System und verfehlte trotzdem die Auflagen. Der Jetta besitzt kein solches System. Carder selbst sieht die Diesel-Autos nicht einmal überaus kritisch. Trotz der Probleme von VW könnten saubere Diesel eine veritable Alternative sein, um Emissionen zu verringern.

Viele Autobauer setzen seit langem stark auf diese Technik. "Es geht nicht um einen vermeintlichen Gegensatz zwischen sauberen und Dieselmotoren", meint Carder. "Bei diesem Thema dreht es sich darum, wie ein Fahrzeug läuft, während es zertifiziert wird und wie es dann tatsächlich auf der Straße funktioniert."