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Dr. Ralph Wiechers, VDMA-Chefvolkswirt: „Durch Exportzuwächse zum Beispiel in Ägypten, der Ukraine, in Malaysia konnten wir Rückgänge in China und den USA teilweise kompensieren.“ - Bild: VDMA

Herr Wiechers, worauf begründen Sie Ihre Prognose für ein Produktions-Wachstum im Maschinenbau von einem Prozent 2017? Denn derzeit stagniert die Produktion.
Wir sehen durchaus expansive Kräfte in wichtigen Märkten – allen voran in Deutschland selbst, aber auch in Europa: Das ist unser größter Markt. Wir erzielen 55 Prozent unseres Gesamtumsatzes in Europa. Dazu kommen Chancen zum Beispiel in den USA, aber auch in wichtigen Schwellen- und Entwicklungsländern. Bei Letzteren ist es so, dass wir nicht von weiteren Rück­gängen ausgehen, sondern zum Teil durchaus auch leichtes Wachstum sehen. Die belastenden Faktoren werden – so unsere Hoffnung und Erwartung – geringer und die expansiven Faktoren etwas stärker.

Welche Expansionskräfte haben Sie festgestellt?
Wir haben in vielen Märkten der zweiten, wenn nicht dritten Reihe Zuwächse. Das ist weniger offensichtlich als die Belastungen in der ersten Reihe. Durch Exportzuwächse zum Beispiel in Ägypten, der Ukraine, in Malaysia konnten wir Rückgänge in China und den USA teilweise kompensieren. Kurz: Die Bearbeitung von nicht so prominenten Märkten spielt aktuell wieder eine wichtigere Rolle, der Radius, den die Maschinenbauer ziehen, wird offenbar wieder größer.

Sie sagen, dass China als Wachstumsmotor ausfällt. Dabei will das Land doch verstärkt automatisieren.
Richtig! Aber auch China kann sich auf Dauer nicht loslösen von der weltweit schwachen Investitionsnachfrage. Wir schätzen, dass der chinesische Maschinenbau im laufenden Jahr um lediglich ein Prozent wachsen wird. Das ist überhaupt kein Vergleich zu den Wachstumszahlen früherer Jahre. Hinter diesem Tempoverlust stehen massive strukturelle Veränderungen. Mit der Folge, dass die deutschen Maschinenbauer in wichtigen Segmenten von dem Bestreben der Chinesen profitieren, eine bessere Qualität herzustellen, effizienter zu sein und Arbeitskosten zu sparen. In einem schwierigen Marktumfeld spielen solche Überlegungen eine zunehmend wichtige Rolle. Die chinesischen Unternehmen kommen an den Regeln des Marktes nicht gänzlich vorbei.

Wie entwickeln sich die Exporte nach Großbritannien?
In Großbritannien hatten wir in den vergangenen Jahren eine sehr schöne Entwicklung, es gab kräftige Zuwächse. UK konnte deshalb auf Platz 4 der wichtigsten Exportmärkte vorrücken, mit einem Anteil von 4,8 % an unseren Ausfuhren. Im laufenden Jahr stellen wir einen Rückgang der Exporte nach UK um 1,6 % fest. Das liegt zum einen an dem Niveau, das erreicht wurde, und zum anderen an der Brexit-Debatte. Und wir erwarten weitere Rückgänge, auch wenn die Regierung von Großbritannien ein Abgleiten der britischen Wirtschaft verhindern will.