„Mit absoluter Ähnlichkeit zum  Wettbewerb werden wir keinen Pokal gewinnen“, sagt

„Mit absoluter Ähnlichkeit zum Wettbewerb werden wir keinen Pokal gewinnen“, sagt Delo-Geschäftsführerin Sabine Herold.

von Annika Mentgen

Frau Herold, wie werden Sie das Geschäftsjahr 2010/2011 im März voraussichtlich abschließen?

Ich setze ganz stark darauf, dass wir die 40 Millionen Grenze knacken werden. Gut 39 Millionen Euro werden es wohl am Ende auf jeden Fall werden.

Delo gehört zu den 100 wachstumsstärksten Mittelständlern in Deutschland und hat zwischen 2005 und 2009 ein durchschnittliches Wachstum von 15% gehalten. Wie haben Sie das trotz Wirtschaftskrise geschafft?

Ganz klar: durch Innovationen. Mit absoluter Ähnlichkeit zum Wettbewerb werden wir keinen Pokal gewinnen. Bei uns sind es definitiv die Innovationen, die zum Erfolg führen. 30 Prozent unseres Umsatzes generieren wir allein mit Produkten, die jünger als drei Jahre sind. Wir sind also innovativ hoch zehn! Und während der Krise haben wir stetig weiter in unsere Forschung und Entwicklung investiert und unsere Quote von zehn Prozent gehalten. Das war sicherlich ein entscheidender Faktor für das hervorragende Ergebnis in diesem Geschäftsjahr.

Erreichen Sie jedes Jahr diese, besonders für einen Mittelständler doch beachtliche F&E-Quote?

Größere Schwankungen gibt es bei unserer F&E-Quote nicht. Es ist unsere Strategie, dass wir jedes Jahr rund zehn Prozent in unsere Forschung und Entwicklung investieren, um auch weiter führend am Markt zu sein. Damit liegen wir auch über den Werten der Wettbewerber, die sich zwischen drei und vier Prozent bewegen. Die Quote von zehn Prozent möchten wir darüber hinaus auch immer selbst finanzieren können.

Organisches Wachstum ist für Sie…

… das A und O. Wir finanzieren alles weitestgehend aus Eigenmitteln: unsere Investitionen in Gebäude, Maschinen, Anlagen und Köpfe. Darum mussten wir während der Krise auch niemanden entlassen, hatten nicht mal Kurzarbeit. Auch kommt für uns vor dem Hintergrund des organischen Wachstums das Zukaufen von Unternehmen nicht in Frage.

Aktuell bauen Sie in Windach ein neues Technikum, ein weiteres Laborgebäude ist geplant. Folgen weitere Investitionen?

Sobald das Laborgebäude steht, werden wir langfristig auch sicher die Produktion räumlich wie personell erweitern. Hier arbeiten wir momentan schon an der Kapazitätsgrenze.

Wie steht es um Ihre Aktivitäten im Ausland?

Im Ausland ist Delo durch Vertriebsbüros vertreten. China ist dabei unser größter Auslandsmarkt. Aber auch in Singapur und Malaysia haben wir ein Verkaufsteam vor Ort. Asien ist vor dem Hintergrund der riesigen Industriezweige Consumer Electronics und Automotive sehr wichtig für uns. Hier geht es oftmals um Fertigungsprozesse mit sehr kurzen Taktzeiten und Millionen von Bauteilen, die jeweils aber nur eine sehr geringe Menge an Klebstoff benötigen. Genau darauf hat sich Delo spezialisiert. Diese Prozesse finden sich auch im Bereich der RFID-Technologie in den USA. Unser Umsatz ist hier zwar aktuell noch nicht besonders hoch, da wir erst letztes Jahr mit einer eigenen Niederlassung vor Ort gestartet sind. Mittelfristig rechne ich jedoch mit einem Umsatz von acht bis zehn Millionen Euro pro Jahr.

In welchen Branchen und Anwendungen sehen Sie mittelfristig das größte Potenzial für die Klebetechnik?

Für Delo eindeutig im Bereich der Elektronik und Mikroelektronik. Schlagworte sind hier Miniaturisierung, Leichtbau und somit die Verbindung unterschiedlicher Materialien. Hier ist das Kleben vielfach die optimale Fügetechnik, die auch im Hinblick auf verschiedenste Eigenschaften, wie zum Beispiel hohe Strukturfestigkeit oder geringes Gewicht punktet. In der Autoindustrie ist sicherlich die Weiterentwicklung der nur noch stecknadelgroßen Rückfahrkameras (CCM – Compact Camera Modules) ein Thema, die dem Autofahrer einen 360°-Blickwinkel rund um sein Fahrzeug ermöglichen sollen. Das Thema Kamera spielt aber auch bei den Handyherstellern eine zunehmend wichtigere Rolle. Hier denkt so mancher Anbieter darüber nach, seine Geräte mit mehreren Kameras auszustatten. Sprich: Viele innovative Entwicklungen, bei denen in der Herstellung winzige Mengen an Klebstoff benötigt werden. Und da kommt Delo mit seinem Fokus auf eben diese Anwendungen wieder ins Spiel.