Ampel, Ostdeutschland

Stehen die wirtschaftlichen Ampeln in Ostdeutschland auf rot? - Bild: Pixabay

"Obgleich sich die Wirtschaftskraft zwischen Ost- und Westdeutschland in den letzten Jahren weiter angenähert hat, beträgt der durchschnittliche Abstand 2016 noch 27 Prozent", heißt es im Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit 2017, der am Mittwoch vom Kabinett beraten wird und aus dem die Schweriner Volkszeitung am Dienstag vorab berichtete.

"Die Verringerung dieses Abstandes hat sich in den letzten anderthalb Jahren erheblich verlangsamt", heißt es im Jahresbericht weiter. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner lag im vergangenen Jahr im Osten bei 73,2 Prozent, ein Plus von 0,7 Prozentpunkten im Vergleich zu 2015.

Ostdeutsche Wirtschaft zu kleinteilig

Die Bundesregierung erklärt den Rückstand der neuen Länder der Zeitung zufolge mit der "Kleinteiligkeit der Wirtschaft" und einem "Mangel an Konzernzentralen großer Unternehmen". Zudem sei die ostdeutsche Industrie stärker als die westdeutsche "auf weniger wertschöpfungsintensive Vorprodukte" orientiert.

Die Wirtschaftskraft der neuen Länder habe jedoch den Durchschnitt der Europäischen Union "bereits fast erreicht", heißt es weiter. Einigen ostdeutschen Regionen wie Jena oder Leipzig sei es gelungen, "westdeutsche Regionen bei der Wirtschaftskraft zu überholen".

Die Beschäftigtenzahl in Ostdeutschland erreichte mit 7,8 Millionen im vergangenen Jahr laut Bericht den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Dennoch war die Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern mit 8,5 Prozent auch 2016 höher als im Westen (5,6 Prozent).

Das Steueraufkommen der ostdeutschen Länder ist entsprechend deutlich geringer. Es betrug 2016 im Schnitt 1.444 Euro je Einwohner, in den westdeutschen Flächenländern waren es 2.105 Euro.