Asybewerber zur Fachkräftesicherung?

Deutschland steht vor einer gewaltigen Aufgabe: die Integration hunderttausender Flüchtlinge. Laut aktueller Prognosen werden in diesem Jahr über 1 Million Asylbewerber in Deutschland erwartet. Für den deutschen Arbeitsmarkt könnte die Flüchtlingsbewegung eine Chance sein: Laut einer Umfrage des VDMA Ost unter 350 Mitgliedern glaubt immerhin jedes zweite der befragten Unternehmen, dass Asylbewerber zur Fachkräftesicherung des eigenen Betriebs beitragen können.

Damit die derzeitige Zuwanderung aber auch tatsächlich zu einer Lösung für den aktuell häufig angeführten Fachkräftemangel wird, bedarf es sehr viel Engagement – auch von Seiten der deutschen Unternehmen. Schon längst erkannt hat das die mittelhessische Friedhelm Loh Group, die in Kooperation mit dem Lahn-Dill-Kreis im Sommer ein Pilotprojekt zur Qualifizierung von Flüchtlingen für eine Ausbildung durchgeführt hat.

 

Anzahl der Asylanträge in Deutschland seit September 2014. - Quelle BAMF
Anzahl der Asylanträge in Deutschland seit September 2014. - Quelle BAMF

Integration durch Arbeit

Das Familienunternehmen ermöglichte acht jungen Flüchtlingen ein dreimonatiges Praktikum bei Rittal, der größten Tochtergesellschaft der Firmengruppe. Erklärtes Ziel des Pilotprojektes ist, dass andere Unternehmen von den Erfahrungen profitieren können.

Daher stellten die Kreise Lahn-Dill und Limburg-Weilburg auf Basis der Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt einen Förderantrag an das Land Hessen: Es brauche vollständige Qualifikationsprofile für die Auswahl der Praktikanten, begleitende berufs- und betriebsbezogene Sprachkurse und eine sozialpädagogische Unterstützung. Im Oktober hat das Land den Antrag bewilligt – und das Projekt "Chance Arbeitsmarkt" ins Leben gerufen. Mit diesem Projekt betreten andere Unternehmen nun nicht länger Neuland, wenn sie Flüchtlinge fit für eine Ausbildung machen wollen.

"Das Berufsleben bietet eine gute und schnelle Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration. Schließlich ist Arbeit essenzieller Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens", sagt Friedhelm Loh, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Friedhelm Loh Group, über die Notwendigkeit der Qualifizierung von Flüchtlingen. "Nur durch Arbeit können Menschen ihr Engagement und Know-how unter Beweis stellen, sich eine Existenz aufbauen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten", so Loh weiter.

Gesellschaftliche Verantwortung

Ganz ähnlich wird das auch beim Ditzinger Maschinen- und Anlagenbauer Trumpf gesehen: Das Unternehmen beschäftigt aktuell vier Flüchtlinge, etwa aus Syrien und dem Irak. "Wir sahen und sehen es als eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung unseres Unternehmens an, bei diesem Megathema nicht abseits zu stehen, sondern nach Kräf-
ten zu unterstützen. Dabei nehmen wir die Sorgen und Fragen, die sich momentan viele Menschen stellen, sehr ernst und bagatellisieren sie nicht. Aber wir setzen unverändert auf konkrete unterstützende Maßnahmen im Rahmen unserer Möglichkeiten, in enger Abstimmung mit den Behörden", erklärt Trumpf-Sprecher Andreas Möller.