• Bei Rittal wird Flüchtlingsintegration groß geschrieben - teils mühsamer Anstrengungen zum Trotz: "Das Berufsleben bietet eine gute und schnelle Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration. Schließlich ist Arbeit essenzieller Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens", sagt Friedhelm Loh, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Friedhelm Loh Group, über die Notwendigkeit der Qualifizierung von Flüchtlingen. "Nur durch Arbeit können Menschen ihr Engagement und Know-how unter Beweis stellen, sich eine Existenz aufbauen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten", so Loh weiter. - Bild: Friedhelm Loh Group

    Bei Rittal wird Flüchtlingsintegration groß geschrieben - teils mühsamer Anstrengungen zum Trotz: "Das Berufsleben bietet eine gute und schnelle Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration. Schließlich ist Arbeit essenzieller Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens", sagt Friedhelm Loh, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Friedhelm Loh Group, über die Notwendigkeit der Qualifizierung von Flüchtlingen. "Nur durch Arbeit können Menschen ihr Engagement und Know-how unter Beweis stellen, sich eine Existenz aufbauen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten", so Loh weiter. - Bild: Friedhelm Loh Group

  • Auf Basis der Erkenntnisse des Loh Group-Pilotprojekts haben Kreis, Arbeitsagentur und Sozialamt gemeinsam ein Konzept erarbeitet, wie künftig von jedem Flüchtling ein Qualifikationsprofil samt Potenzialanalyse erstellt werden kann. Dank der Finanzierungszusage des Landes Hessen für diese Maßnahmen ist das Projekt "Chance Arbeitsmarkt" vor Kurzem im Lahn-Dill-Kreis und Landkreis Limburg-Weilburg gestartet. - Bild: Friedhelm Loh Group

    Auf Basis der Erkenntnisse des Loh Group-Pilotprojekts haben Kreis, Arbeitsagentur und Sozialamt gemeinsam ein Konzept erarbeitet, wie künftig von jedem Flüchtling ein Qualifikationsprofil samt Potenzialanalyse erstellt werden kann. Dank der Finanzierungszusage des Landes Hessen für diese Maßnahmen ist das Projekt "Chance Arbeitsmarkt" vor Kurzem im Lahn-Dill-Kreis und Landkreis Limburg-Weilburg gestartet. - Bild: Friedhelm Loh Group

  • "Neben den mangelnden Sprachkenntnissen ist aktuell eines der größten Probleme, dass Qualifi­kationsprofile fehlen, oder wenn vorhanden, meist lückenhaft sind. Eine Erfassung und Dokumentation ist zwingend notwendig – wir müssen wissen, wer uns gegenüber sitzt!", sagt Friedemann Hensgen von der Rittal Foundation, der das Flüchtlings-Pilotprojekt der Loh Group von Anfang an begleitet hat. - Bild: Friedhelm Loh Group

    "Neben den mangelnden Sprachkenntnissen ist aktuell eines der größten Probleme, dass Qualifi­kationsprofile fehlen, oder wenn vorhanden, meist lückenhaft sind. Eine Erfassung und Dokumentation ist zwingend notwendig – wir müssen wissen, wer uns gegenüber sitzt!", sagt Friedemann Hensgen von der Rittal Foundation, der das Flüchtlings-Pilotprojekt der Loh Group von Anfang an begleitet hat. - Bild: Friedhelm Loh Group

  • Rittal hat seinen Praktikanten einen zusätzlichen betriebs- und berufsbezogenen Deutschkurs bereitgestellt und selbst finanziert. Dabei konnte das Unternehmen auf die Deutschlehrerin der konzerneigenen Loh Akademie zurückgreifen, die in den Betrieb kam und den Schülern direkt an der Werkbank die berufsbezogenen Sprachkenntnisse vermittelte. - Bild: Friedhelm Loh Group

    Rittal hat seinen Praktikanten einen zusätzlichen betriebs- und berufsbezogenen Deutschkurs bereitgestellt und selbst finanziert. Dabei konnte das Unternehmen auf die Deutschlehrerin der konzerneigenen Loh Akademie zurückgreifen, die in den Betrieb kam und den Schülern direkt an der Werkbank die berufsbezogenen Sprachkenntnisse vermittelte. - Bild: Friedhelm Loh Group

  • Immerhin ist das Thema Sprachförderung inzwischen in der Politik angekommen: So hat die Bundesagentur für Arbeit Anfang Oktober beschlossen ihr Engagement bei der Sprachförderung einmalig auszuweiten, um die Integration der Menschen, die wahrscheinlich dauerhaft in Deutschland bleiben und noch nicht an einem Integrationskurs oder Sprachkurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teilgenommen haben, zu erleichtern. - Bild: Bundesagentur für Arbeit

    Immerhin ist das Thema Sprachförderung inzwischen in der Politik angekommen: So hat die Bundesagentur für Arbeit Anfang Oktober beschlossen ihr Engagement bei der Sprachförderung einmalig auszuweiten, um die Integration der Menschen, die wahrscheinlich dauerhaft in Deutschland bleiben und noch nicht an einem Integrationskurs oder Sprachkurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teilgenommen haben, zu erleichtern. - Bild: Bundesagentur für Arbeit

  • Bei den Qualifikationsprofilen hakt es aber noch. "Wir haben die Potenzialanalyse ersetzt, die eigentlich von Staats wegen für jeden, der zu uns kommt, gemacht werden muss. Und wenn das in Zukunft nicht stattfindet, wird es sehr schwierig werden. Denn diejenigen, die den größten akuten Bedarf an Arbeitern haben, das sind ja nicht die großen Unternehmen und Top-Arbeitgeber wie wir, sondern die kleinen Handwerksbetriebe. Von denen kann man diesen Klärungsaufwand nicht erwarten", warnt Hensgen.

    Bei den Qualifikationsprofilen hakt es aber noch. "Wir haben die Potenzialanalyse ersetzt, die eigentlich von Staats wegen für jeden, der zu uns kommt, gemacht werden muss. Und wenn das in Zukunft nicht stattfindet, wird es sehr schwierig werden. Denn diejenigen, die den größten akuten Bedarf an Arbeitern haben, das sind ja nicht die großen Unternehmen und Top-Arbeitgeber wie wir, sondern die kleinen Handwerksbetriebe. Von denen kann man diesen Klärungsaufwand nicht erwarten", warnt Hensgen.

  • Die bisherigen Sprach- und Integrationskurse bieten zwar eine Basis für das tägliche Leben. Für den Arbeitsmarkt müssen laut Rittal aber dringend auch berufs- und betriebsbezogene Themen stärker vermittelt werden. Bild: BAMF

    Die bisherigen Sprach- und Integrationskurse bieten zwar eine Basis für das tägliche Leben. Für den Arbeitsmarkt müssen laut Rittal aber dringend auch berufs- und betriebsbezogene Themen stärker vermittelt werden. Bild: BAMF

  • Große Unternehmen mit ausreichend Kapazitäten können Flüchtlinge mit Vorbereitungspraktika für eine Ausbildung fit machen. "Aber sie müssen sich bewusst sein, dass die Betreuung aufwändiger ist als bei einem deutschen Azubi. Auch die beiden Flüchtlinge, die bei uns nach dem Praktikum in eine Ausbildung gegangen sind, brauchen immer noch einen 'Kümmerer', der für sie da ist und ihnen hilft", erklärt Hensgen von der Rittal Stiftung. - Bild: Friedhelm Loh Group

    Große Unternehmen mit ausreichend Kapazitäten können Flüchtlinge mit Vorbereitungspraktika für eine Ausbildung fit machen. "Aber sie müssen sich bewusst sein, dass die Betreuung aufwändiger ist als bei einem deutschen Azubi. Auch die beiden Flüchtlinge, die bei uns nach dem Praktikum in eine Ausbildung gegangen sind, brauchen immer noch einen 'Kümmerer', der für sie da ist und ihnen hilft", erklärt Hensgen von der Rittal Stiftung. - Bild: Friedhelm Loh Group

Asybewerber zur Fachkräftesicherung?

Deutschland steht vor einer gewaltigen Aufgabe: die Integration hunderttausender Flüchtlinge. Laut aktueller Prognosen werden in diesem Jahr über 1 Million Asylbewerber in Deutschland erwartet. Für den deutschen Arbeitsmarkt könnte die Flüchtlingsbewegung eine Chance sein: Laut einer Umfrage des VDMA Ost unter 350 Mitgliedern glaubt immerhin jedes zweite der befragten Unternehmen, dass Asylbewerber zur Fachkräftesicherung des eigenen Betriebs beitragen können.

Damit die derzeitige Zuwanderung aber auch tatsächlich zu einer Lösung für den aktuell häufig angeführten Fachkräftemangel wird, bedarf es sehr viel Engagement – auch von Seiten der deutschen Unternehmen. Schon längst erkannt hat das die mittelhessische Friedhelm Loh Group, die in Kooperation mit dem Lahn-Dill-Kreis im Sommer ein Pilotprojekt zur Qualifizierung von Flüchtlingen für eine Ausbildung durchgeführt hat.

 

Anzahl der Asylanträge in Deutschland seit September 2014. - Quelle BAMF
Anzahl der Asylanträge in Deutschland seit September 2014. - Quelle BAMF

Integration durch Arbeit

Das Familienunternehmen ermöglichte acht jungen Flüchtlingen ein dreimonatiges Praktikum bei Rittal, der größten Tochtergesellschaft der Firmengruppe. Erklärtes Ziel des Pilotprojektes ist, dass andere Unternehmen von den Erfahrungen profitieren können.

Daher stellten die Kreise Lahn-Dill und Limburg-Weilburg auf Basis der Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt einen Förderantrag an das Land Hessen: Es brauche vollständige Qualifikationsprofile für die Auswahl der Praktikanten, begleitende berufs- und betriebsbezogene Sprachkurse und eine sozialpädagogische Unterstützung. Im Oktober hat das Land den Antrag bewilligt – und das Projekt "Chance Arbeitsmarkt" ins Leben gerufen. Mit diesem Projekt betreten andere Unternehmen nun nicht länger Neuland, wenn sie Flüchtlinge fit für eine Ausbildung machen wollen.

"Das Berufsleben bietet eine gute und schnelle Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration. Schließlich ist Arbeit essenzieller Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens", sagt Friedhelm Loh, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Friedhelm Loh Group, über die Notwendigkeit der Qualifizierung von Flüchtlingen. "Nur durch Arbeit können Menschen ihr Engagement und Know-how unter Beweis stellen, sich eine Existenz aufbauen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten", so Loh weiter.

Gesellschaftliche Verantwortung

Ganz ähnlich wird das auch beim Ditzinger Maschinen- und Anlagenbauer Trumpf gesehen: Das Unternehmen beschäftigt aktuell vier Flüchtlinge, etwa aus Syrien und dem Irak. "Wir sahen und sehen es als eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung unseres Unternehmens an, bei diesem Megathema nicht abseits zu stehen, sondern nach Kräf-
ten zu unterstützen. Dabei nehmen wir die Sorgen und Fragen, die sich momentan viele Menschen stellen, sehr ernst und bagatellisieren sie nicht. Aber wir setzen unverändert auf konkrete unterstützende Maßnahmen im Rahmen unserer Möglichkeiten, in enger Abstimmung mit den Behörden", erklärt Trumpf-Sprecher Andreas Möller.