Auto verzerrt

Die Zahl der Rückrufe von Fahrzeugen in Deutschland hat sich von 2011 bis 2015 verdreifacht. - Bild: kru

Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Freitagsausgabe und bezieht sich auf eine Aufstellung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA). Die Liste zeige, dass in den vergangenen fünf Jahren fast 6,5 Millionen Fahrzeuge in Deutschland zurückgerufen wurden.

Verkehrspolitiker und Fachleute kritisierten diesen Anstieg deutlich. Die Autoindustrie verteidigte sich: "Die Qualität der Fahrzeuge deutscher Hersteller und Lieferanten ist nach wie vor erstklassig", sagte Matthias Wissmann, Präsident des Branchenverbands. Rückrufaktionen spiegelten die hohe Verantwortlichkeit der Industrie für ihre Kunden auch bei komplexer werdenden Fahrzeugen wider. "Oft handelt es sich dabei um eine Vorsorgemaßnahme und stellt eine Serienstandsverbesserung dar."

"Die Zahl hat eine besorgniserregende Größenordnung erreicht", sagte dagegen Stefan Bratzel, Chef des Centers of Automotive Management an der Wirtschafts-Fachhochschule in Bergisch Gladbach, der Zeitung. "Die Autos sind nicht unsicherer geworden, aber anfälliger." Das liege an der komplizierten Technik in den Fahrzeugen. Und da diese im Baukastenprinzip gebaut und von internationalen Zulieferern ausgestattet würden, könne ein Fehler Millionen Rückrufe auslösen.

Außerdem sei der Wettbewerbsdruck intensiver geworden. "Und der Kostendruck wird auf die Zulieferer ausgeübt." "Aufgrund des harten Konkurrenzkampfes im Automobilsektor entsteht ein enormer Preisdruck bei den Herstellenden, so dass teilweise Fahrzeuge auf den Markt kommen, die nicht völlig ausgereift sind", sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann, der Zeitung. "Dies ist zum Teil einer 'Geiz ist geil'-Mentalität geschuldet, die in eine Abwärtsspirale bei der Qualität führen kann." Festzuhalten sei aber trotz alledem, dass das System der Kontrollen funktioniere und fehlerbehaftete Fahrzeuge zeitnah zurückgerufen würden.