Von Nico Schmidt, Dow Jones

FRANKFURT (ks)–Wie schnell die Erholung gekommen sei, habe überrascht. Die Aussichten für das laufende Jahr schätzt der Anbieter von Antriebs- und Fahrwerkstechnik daher positiver ein als noch im Frühjahr.

2010 rechnet ZF Friedrichshafen nun mit einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel auf über 12 Mrd Euro. “Damit kehren wir im laufenden Jahr in die Gewinnzone zurück”, so Härter. Bislang hatte das Unternehmen, das sich nahezu vollständig in Besitz der städtischen Zeppelin-Stiftung befindet, Einnahmen von bis zu 11 Mrd Euro anvisiert.

In den ersten acht Monaten des Jahres steigerte ZF Friedrichshafen die Erlöse um mehr als 40% auf knapp 8,2 Mrd Euro. Dieses Wachstum geht vor allem auf die wiedererlangte Exportstärke großer ZF-Kunden zurück: “Bei den Pkw bereitet uns gerade das vorschnell totgesagte Premiumsegment viel Freude”, sagte Härter. Im Gegensatz zu den Volumenherstellern, die unter dem Auslaufen der Verschrottungsprämien in vielen europäischen Ländern leiden, profitierten die Hersteller von Oberklassewagen zuletzt massiv von der boomenden Nachfrage in China und der Erholung des US-Marktes.

“Noch zu Jahresbeginn hätten wir eine solch schnelle Erholung in all unseren Märkten nicht erwartet”, erklärte Härter. “Offenbar treffen unsere wirtschaftlichen, den Verbrauch und die Emissionen reduzierenden Produkte sehr gut die Wünsche unserer Kunden”. Für 2011 sieht der Manager vor allem im Geschäft mit Nutzfahrzeugen gute Perspektiven.

Im Jahr 2009, das Härter als eines der schwierigsten der Unternehmensgeschichte bezeichnete, litt ZF schwer unter der Krise in der Automobilindustrie, mit der das Unternehmen fast 85% seines Umsatzes macht. Die Einnahmen brachen um ein Viertel auf 9,37 (Vorjahr: 12,50) Mrd Euro ein, und das in fast allen Marktsegmenten und Regionen. Operativ schrieb der Zulieferer einen Verlust von 361 Mio Euro, nachdem er im Vorjahr noch 768 Mio Euro verdient hatte. Unter dem Strich lag das Minus sogar bei 437 (Vj +422) Mio Euro.

Um der Krise entgegenzusteuern, hatte das am Bodensee ansässige Unternehmen im September auf die Kostenbremse getreten. Sämtliche Unternehmensbereiche, Projekte und Investitionen wurden auf den Prüfstand gestellt, Werke zusammengelegt und sogar geschlossen. Insgesamt spart ZF dank des eingeleiteten Maßnahmenpakets dauerhaft 600 Mio Euro ein, den Löwenanteil beim Personal. Weltweit wurden etwa 3.500 Stellen abgebaut, so dass ZF Friedrichshafen noch gut 60.000 Menschen beschäftigt. Im Herbst hatte sich das Unternehmen sogar einen Kredit der staatseigenen Förderbank KfW über eine Viertel Milliarde Euro gesichert, um zahlungsfähig zu bleiben.

Die operative Erholung in diesem Jahr wirkt sich allerdings auch positiv auf die Beschäftigung aus: Seit Jahresbeginn stieg die Zahl der Mitarbeiter wieder um mehr als 2.000 an. Auch wird kaum noch kurz gearbeitet. Konzernchef Härter kündigte an, das Instrument soll bis zum Jahresende ganz der Vergangenheit angehören.