Von Nico Schmidt, Dow Jones

DETROIT (ks)–Bereits Mitte Dezember hatte Härter die Krise endgültig abgehakt und erklärt, dass dank der starken Entwicklung in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und vor allem China 2010 ein neuer Umsatzrekord aufgestellt worden ist. Die Einnahmen lagen bei rund 12,9 Mrd Euro, ein Plus von 38% im Vergleich zum Krisenjahr 2009 und mehr als jemals zuvor.

Härter stellte am Montag in Detroit eine “gute Umsatzrendite” in Aussicht, nannte aber keine Details. Konkret will sich das am Bodensee ansässige Unternehmen zur Ertragslage erst auf der Bilanzpressekonferenz Ende April äußern.

Die eigenen Jahresziele erfüllte der sich nahezu vollständig in Besitz der städtischen Zeppelin-Stiftung befindliche Konzern damit: Der Automobilzulieferer hatte zuletzt Einnahmen von mehr als 12 Mrd Euro und schwarze Zahlen angepeilt, nachdem noch im Frühjahr noch Erlöse von nur 11 Mrd Euro für möglich gehalten worden waren.

Im Jahr 2009, dem wohl schwierigsten der Firmengeschichte, litt ZF schwer unter der Krise in der Automobilindustrie, mit der das Unternehmen fast 85% seines Umsatzes macht. Die Einnahmen brachen um ein Viertel auf 9,37 Mrd Euro ein, und das in fast allen Marktsegmenten und Regionen. Operativ schrieb der Zulieferer einen Verlust von 361 Mio Euro, nachdem er im Vorjahr noch 768 Mio Euro verdient hatte. Unter dem Strich lag das Minus sogar bei 437 Mio Euro nach einem Gewinn von 422 Mio Euro.

Um der Krise entgegenzusteuern, hatte das am Bodensee ansässige Unternehmen im Herbst 2009 auf die Kostenbremse getreten. Sämtliche Unternehmensbereiche, Projekte und Investitionen wurden auf den Prüfstand gestellt, Werke zusammengelegt und sogar geschlossen. Insgesamt spart ZF dank des eingeleiteten Maßnahmenpakets dauerhaft 600 Mio Euro ein.

Weltweit wurden etwa 3.500 Stellen abgebaut, so dass in der schlimmsten Krisenzeit nur noch gut 60.000 Menschen für ZF Friedrichshafen arbeiteten. 2010 stieg die Zahl der Mitarbeiter dann allerdings wieder um rund 4.000. In diesem Jahr sollen weitere 3.000 Stellen dazu kommen, wie Härter am Montag bekräftigte.

Künftig massiv an Bedeutung gewinnen wird für ZF Friedrichshafen der US-Markt, auf dem das Unternehmen fast ein halbes Jahrzehnt lang Verluste schrieb. Zwischen 2011 und 2013 will der Stiftungskonzern rund 400 Mio Euro in das US-Geschäft investieren. Der Umsatz soll bis 2015 dann auf 4 Mrd Euro jährlich steigen; 2010 waren es gerade einmal 1,6 Mrd Euro. Nordamerika dürfte dann der größte Einzelmarkt werden, sagte Härter.

Besondere Bedeutung für die Geschäfte auf dem US-Markt hat das neu entwickelte 9-Gang-Automatikgetriebe, das ZF Friedrichshafen auf der Automesse in Detroit vorgestellt hat. Das Getriebe soll in Greenville in South Carolina produziert werden, von wo aus auch der europäische Markt bedient werden soll. Sollte sich das Getriebe auch in China durchsetzen, sei später eine eigene Produktion im Reich der Mitte denkbar, sagte Härter.

In den USA gehören nicht nur die deutschen Hersteller zu den Kunden des Automobilzulieferers sondern auch die “Big Three” – GM, Ford und Chrysler. Mit Nissan konnte unlängst auch ein japanischer Autobauer gewonnen werden, wie Härter erklärte. ZF unterhält in Nordamerika 22 Standorte, davon sechs in Mexiko. Insgesamt arbeiten dort aktuell 5.100 Menschen, 1.000 neue Stellen könnten laut Härter bald dazu kommen.