Motorblock von Honsel: Möglicherweise geht der insolvente Zulieferer Honsel von der belgischen RHJ

Motorblock von Honsel: Möglicherweise geht der insolvente Zulieferer Honsel von der belgischen RHJ wiederum an einen Finanzinvestor, nämlich Anchorage (Bild: Honsel).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–”Eine Entscheidung ist in den nächsten Wochen möglich”, sagte Insolvenzverwalter Frank Kebekus am Donnerstag auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Bei der Entscheidungsfindung müsse man so schnell wie möglich, aber auch so sorgfältig wie nötig vorgehen. “Alle Gespräche drehen sich um den Verkauf von Honsel als Ganzes”, fügte der Rechtsanwalt hinzu.

Nach Aussage einer mit der Situation vertrauten Person buhlen aktuell der wichtige Honsel-Kunde ZF Friedrichshafen, der mexikanische Konkurrent Nemak und der auf die Sanierung von Unternehmen in Finanznöten spezialisierte Finanzinvestor Anchorage um den Leichtmetall-Spezialisten aus dem Sauerland. Die Amerikaner gehören zu den größten Honsel-Gläubigern.

Als Kaufpreis sind nach Aussage des Informanten 100 Mio Euro im Gespräch. Weder Insolvenzverwalter Kebekus noch Honsel wollten sich zu den Namen der Interessenten oder finanziellen Details äußern.

Um bessere Chancen auf den Zuschlag zu haben, erwägen ZF Friedrichshafen und Nemak laut dem Informanten eine gemeinsame Offerte für Honsel. Der Aufsichtsrat des Friedrichshafener Getriebe-Spezialisten werde sich demnach in der übernächsten Woche mit dem Thema beschäftigen. Eine Einigung schon Anfang April, wie von einigen Medien vermutet, erscheint daher zumindest fraglich.

Honsel-Großkunde ZF will nach Aussage der mit der Situation vertrauten Person mit der geplanten Übernahme die eigene Lieferkette sichern. Vor diesem Hintergrund hatte das Traditionsunternehmen bereits Ende letzten Jahres eine französische Honsel-Tochter gekauft, die wichtige Komponenten für Automatikgetriebe von ZF herstellt.

Sollten der Stiftungskonzern vom Bodensee zusammen mit Nemak den Zuschlag erhalten, solle Honsel komplett erhalten werden, hieß es von dem Informanten. Von ZF war keine Stellungnahme zu erhalten.

Die im Jahr 1908 gegründete Honsel AG, die zuletzt dem belgischen Finanzinvestor RHJ gehörte, ist in der Wirtschaftskrise unter die Räder geraten. Während des anschließenden heftigen Aufschwungs in der Autoindustrie konnte das hoch verschuldete Unternehmen notwendige Investitionen und Vorfinanzierungen nicht mehr stemmen. Ende Oktober 2010 meldete Honsel schließlich Insolvenz an – es handelte sich um eine der größten Pleiten in Deutschland des vergangenen Jahres.

Honsel setzte im Geschäftsjahr 2009/10 mit 4.000 Mitarbeitern rund 540 Mio EUR um. Das Unternehmen fertigt in Deutschland, Spanien, Brasilien und Mexiko Komponenten für Motoren, Getriebe, Fahrwerke und Karosserien von Pkw und Nutzfahrzeugen aus Aluminium und Magnesium.