Das Jahr 2011 dürfte für den Nutzfahrzeug- und Motorenbauer MAN ein Jahr der Weichenstellungen werden. Denn dann könnte sich entscheiden, ob der Münchener DAX-Konzern seine Eigenständigkeit behält oder unter dem Dach von Großaktionär Volkswagen mit dem schwedischen Konkurrenten Scania verschmolzen wird.


FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Monatelang verhandelten MAN und die Schweden im vergangenen Jahr über eine Zusammenarbeit bei Komponenten und in der Entwicklung – eine Fusion stand entgegen anderslautender Gerüchte offiziell nie zur Debatte. Es folgte – zumindest nach außen – monatelang Stillstand in den Gesprächen; unter anderem kartellrechtliche Bedenken sollen die Beteiligten ausgebremst haben, in bestimmten Bereichen gemeinsame Sache zu machen.

Mitte November kam das Thema wieder in den Blick der Öffentlichkeit: Die Übernahme von MAN durch Scania stehe bevor, hieß es in der Presse. Die Unternehmen reagierten prompt. Während MAN aber lediglich bestätigte, es gebe Gespräche über eine “engere industrielle Zusammenarbeit”, wurde Scania deutlicher: Die Schweden erklärten, die Gespräche hätten ergeben, dass Synergien nur bei einer Fusion gehoben werden könnten. Noch ist der Ausgang dieser Verhandlungen allerdings offen.

Über diese Lkw-Allianz wird spekuliert, seit VW bei MAN eingestiegen ist und die Mehrheit bei Scania übernommen hat. Die Fäden zieht im Hintergrund der Aufsichtsratsvorsitzende von VW und MAN, Ferdinand Piech. Der Porsche-Enkel drängt auf eine verstärkte Zusammenarbeit. 2006 war MAN noch mit dem Versuch gescheitert, Scania feindlich zu übernehmen.

Operativ wird MAN 2011 von der erwarteten globalen Erholung im Nutzfahrzeuggeschäft profitieren, nachdem das Unternehmen in diesem Jahr die Krise weitgehend verdaut hat. In Lateinamerika, wo die Münchener durch die Übernahme des dortigen VW-Geschäfts stark aufgestellt sind, wird mit einem anhaltenden Boom in der Nachfrage nach Nutzfahrzeugen gerechnet. Auch im Europa-Geschäft dürfte es weiter aufwärts gehen. Gleiches gilt für China, wo MAN über ein Joint Venture mit Sinotruk von der anhaltend hohen Nachfrage profitiert.