Stama-Geschäftsführer Dr. Achim Feinauer (Bild: Stama).

Stama-Geschäftsführer Dr. Achim Feinauer (Bild: Stama).

von Sebastian Moser

Herr Dr. Feinauer, wie hat STAMA die Krise überstanden?

Wie in der gesamten Branche sind auch bei uns die Aufträge im vergangenen Jahr um rund 75% zurückgegangen. Wir haben schnell mit dem Abbau von Überstunden reagiert und dann die Kurzarbeit eingeführt. Leider mussten wir trotzdem insgesamt 50 Mitarbeiter freisetzen. Eine deutliche Besserung beim Auftragseingang gibt es erst seit einigen Monaten. Zugpferd ist dabei die Automobilindustrie und einen regelrechten Boom erleben wir in China. Aber wegen des schwachen ersten Halbjahres 2010 wird sich dies im Umsatz erst 2011 auswirken.

Können Sie nach dieser „saure-Gurken-Zeit“ auf wieder anziehende Bestellungen schnell genug reagieren?

Wir selbst als Maschinenhersteller haben keine Engpässe und könnten schnell liefern. Ein Hemmschuh ist allerdings, dass einige unserer Zulieferer lange Lieferzeiten haben. Insbesondere Kugelrollspindeln und Führungen haben derzeit Lieferzeiten von bis zu 9 Monaten. Zwar versuchen wir dies durch vorausschauenden Einkauf aufzufangen, es führt aber dennoch zu der ein oder anderen Verzögerung.

Laut Gildemeister-Chef Dr. Rüdiger Kapitza werden nur große Maschinenhersteller langfristig eine Chance haben. Ist STAMA groß genug?

Ich hoffe mal, dass die Krise jetzt vorbei ist und die haben wir sehr gut überlebt. Wir sind ein sehr gesundes Unternehmen und haben seit über 10 Jahren keine Verluste gemacht und auch am Ende dieses Jahres werden unter dem Strich keine roten Zahlen stehen. Zudem sind wir im Besitz zweier Eigentümerfamilien, die sehr weitsichtig denken und handeln. Wir sehen also keine Gefahr für unser Unternehmen.

Sind die Sitten am Markt im Zuge der Krise schlechter geworden?

Wir wurden tatsächlich häufiger mit unrealistischen Rabattforderungen konfrontiert und teilweise war auch der Umgangston aggressiver. Wir mussten reagieren und unsere Preise im vertretbaren Maß nach unten anpassen. Auf die Rabattschlachten anderer Hersteller haben wir uns aber nicht eingelassen. Denn unsere Maschinen sind anspruchsvolle High-Tec-Produkte, die teilweise rund um die Uhr absolut zuverlässig komplexe Bauteile in höchster Qualität produzieren müssen. Das kostet Geld und das müssen wir auch verdienen. Die meisten Kunden wissen und akzeptieren dies auch. Dazu kommt: Wer einmal extreme Rabatte gewährt hat, kann höhere Preise später vor dem Kunden nicht mehr rechtfertigen.

Auf welche technischen Trends setzt STAMA bei der Entwicklung neuer Lösungen?

Höchste Produktivität bei geringem Platzbedarf unserer Maschinen ist einer unserer Schwerpunkte und unter diesem Motto steht auch der diesjährige STAMA-Auftritt auf der Branchenmesse AMB Stuttgart. Besonders in den Industrieländern ist es sehr teuer, eine neue und größere Halle für die Fertigung zu errichten. Ein Kunde kann sich das sparen, wenn er eine alte Maschine durch eine neue mit doppelter Produktivität ersetzt. Das gilt sogar für Länder mit deutlich niedrigeren Grundstücks- und Baukosten wie die USA, Indien oder China. Weiter setzen wir auf einen schnell wachsenden Bedarf an Automatisierungslösungen. Die Lohnkosten steigen weltweit und es wird in vielen Ländern immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden. Die Lösung kann nur eine mannarme Fertigung rund um die Uhr sein. Dritter Schwerpunkt ist die Energie-Effizienz unserer Lösungen. Momentan ist dieses Thema etwas in den Hintergrund geraten, aber es wird definitiv wieder kommen.

Was ist hier Stand der Dinge bei STAMA?

Wir bieten für unsere Maschinen ein ECO-Mode-Paket an. Sobald keine Späne fallen werden dabei alle Peripherieeinheiten abgeschaltet, beispielsweise Hydraulik, Kühlung und Absaugung. Damit lässt sich in unproduktiven Nebenzeiten bis zu 80 Prozent Strom sparen. Diese Option kostet unter 2000 Euro.

…die jeder Kunde gerne ausgibt?

Leider nein. Nur jeder Dritte Kunde bestellt dieses Paket mit. Der Durchbruch dürfte erst kommen, wenn sich diese Investition nach höchstens einem Jahr finanziell amortisiert. Das liegt sicher daran, dass viele Anwender angesichts konjunktureller Unwägbarkeiten nicht auf längere Zeiträume hinaus planen und investieren. Dazu kommt, dass Energie offensichtlich noch zu billig ist.

ÜBER STAMA:

STAMA liefert hauptsächlich Prozesse und Systeme für die spanende Fertigung mit dem Fokus auf niedrigen Stückkosten. Das reicht von der Maschine über die Vorrichtungen bis hin zu Werkzeugen und flexiblen Automatisierungslösungen. Kernkompetenz sind 3- oder 5-achsige doppelspindlige vertikale Bearbeitungszentren sowie Fräs-Dreh-Zentren. Wichtigste Abnehmer sind die Automobilindustrie, Präzisionswerkzeughersteller, Medizintechnik und Hydraulikhersteller. Das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Schlierbach bei Göppingen hat 370 Mitarbeiter und mit 18 % eine enorm hohe Ausbildungsquote.

Vita Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Achim Alexander Feinauer

Jahrgang 1968

Studium der Studiengänge Maschinenwesen und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Stuttgart

Promotion

Berufliche Stationen:

Ab 1994 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum Fertigungstechnik Stuttgart im Arbeitsbereich Werkzeugmaschinen

Ab 1997 Verschiedene Funktionen bei der Firma Ex-Cell-O,

zuletzt Gesamtkonstruktionsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung

Ab 2003 Geschäftsführer der Firma STAMA Maschinenfabrik GmbH