Apple 3D-Touch-Technologie

Neue 3D-Touch-Technologie - Zulieferer profitieren von Apples Offensive. - Bild: Apple

Das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino stellte am Mittwoch zwei neue iPhones mit "3D-Touch"-Technologie vor.

Diese kann zwischen einer leichten Berührung und heftigerem Druck unterscheiden und erlaubt es den Nutzern, ihr Gerät je nach Intensität der Berührung auf unterschiedliche Weise zu kontrollieren. Apple hatte diese Technologie als erstes Unternehmen bei seinen Smartwatches und MacBook-Rechnern angewendet.

Apple produziert nicht selbst

Wie viele andere Handyhersteller produziert Apple seine Geräte nicht selbst, sondern heuert Auftragsfertiger wie die taiwanische Foxconn Technology Group an, um die Geräte nach eigenen Entwürfen zusammenzuschrauben. Apple nutzt dabei Teile von anderen externen Lieferanten, viele davon aus Taiwan oder andernorts in Asien, und erspart sich damit das Betreiben arbeitsintensiver Fertigungsstraßen.

"Die neue Touch-Technologie dürfte eine neue Nachfrage in die Lieferkette bringen. Und sie könnte wie ein Beschleuniger wirken, um die Smartphone-Nachfrage anzuheizen", sagt Freddie Liu, der Finanzvorstand des chinesischen Touchscreen-Herstellers TPK Holding.

Der Anteil dieser berührungsbasierten Smartphones könnte sich im kommenden Jahr weltweit auf 19 Prozent des globalen Smartphonemarkts erhöhen von 3 Prozent in diesem Jahr. Bis 2017 könnten 28 Prozent erreicht werden, glaubt die Forschungsgesellschaft Counterpoint. Die Nutzung dieser Technologie in Smartphones könnte in den kommenden beiden Jahren zu einem Plus von mehr als 6 Milliarden Dollar an potenziellen Einnahmen für die Zulieferer führen, meint Neil Shah, ein Analyst bei Counterpoint.

3D-Touch-Technologie mit speziellem Prozess

Die 3D-Touch-Technologie von Apple macht einen speziellen Prozess erforderlich, bei dem unter Einsatz von Hitze und Druck Komponentenschichten vereinigt werden. Dies hat TPK und die Foxconn-Tochter General Interface Solution ins Rampenlicht gerückt. Beide Firmen haben es seit Ende 2012 nicht mehr geschafft, neue Order für iPhones zu ergattern. Damals hatte sich Apple auf eine neue Display-Technologie verlegt, um seine Bildschirme dünner zu gestalten. Aber bei den jüngsten iPhones kommen die beiden Firmen wieder zum Zug und werden 3D-Touch-Komponenten mit der Hintergrundbeleuchtung des Displays kombinieren, wie mit der Angelegenheit Vertraute sagen.

Neue Aufträge könnten der in Taiwan notierten TPK rund 450 Millionen US-Dollar an zusätzlichen Einnahmen einbringen. Das wären 10 Prozent der Gesamteinnahmen in diesem Jahr, schätzen die Analysten von Fubon Research. Die Einnahmen von TPK waren 2014 um 19 Prozent auf 3,98 Milliarden Dollar gefallen. Der Grund für die rückläufigen Zahlen war die schleppende Nachfrage nach Touch-Screens bei Geräten, die nicht von Apple stammten. TPK dürfte laut Fubon trotz der Aufträge von Apple wahrscheinlich einen Rückgang der Gewinnmargen in diesem Jahr ausweisen. Denn die Firma habe Investitionen in neue Produktionsanlagen vorgenommen und der Preiswettbewerb intensiviere sich.

Im frühen Handel stiegen TPK-Aktien am Donnerstag um 3 Prozent auf 95,20 Neue Taiwan-Dollar. Die Investoren kauften Aktien, weil sie größere Order seitens Apple erwarteten.

Flexible Leiterplatten

Die 3D-Touch-Technologie macht flexible Leiterplatten notwendig, um den Prozessor mit anderen elektronischen Komponenten zu verknüpfen. Insider sagen, die US-Firma Analog Devices werde diese Komponente beisteuern. Morgan Stanley hat vor einem Monat das Kursziel von Analog Devices auf 62 von 60 Dollar angehoben. Die US-Investmentbank führte die starke Nachfrage nach dem 3D-Touch-Prozessor der Firma für die iPhones von Apple ins Feld. Analog Devices lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Halbleiter-Tochter von Foxconn, Zhen Ding Technology Holding, der japanische Hersteller elektronischer Teile, Nippon Mektron und Sumitomo Electric Industries würden ebenfalls flexible Leiterplatten für die neuen iPhones liefern, sagen mit der Angelegenheit Vertraute. Die Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.

Metallabschirmungsplatten

Zu den 3D-Touch-Komponenten gehören auch Metallabschirmungsplatten für den nötigen Halt. Die in Nagano ansässige Elektronikfirma Minebea und die US-Firma Jabil Circuit seien die Hauptlieferanten, sagen Insider. Beide Unternehmen lehnten einen Kommentar ab. Apple wollte zu seiner Lieferkette keine Stellung nehmen.

In diesem Jahr werden noch mehr Handyhersteller die Touch-Funktion in ihre Smartphones einbauen, sagen Analysten. Das wird Teile-Herstellern neue Einnahmeperspektiven eröffnen. In der vergangenen Woche hatte der chinesische Smartphone-Hersteller Huawei Technologies auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin ein neues Vorzeigemodell mit einer Touch-Technologie vorgestellt, die der Apple-Funktion gleichkommt.

"Wir erwarten, dass führende Smartphone-Produzenten die neue Touch-Technologie nutzen, um ihre Premium-Smartphones abzuheben, während sich die Konkurrenz verschärft", sagt die Analystin Nicole Peng von Canalys.

Apple bringt seine neuen iPhones nach eigenen Angaben in 12 Ländern heraus. Dazu gehören die USA, China, Großbritannien, Australien und Japan. Starttermin ist der 25. September. Im jüngsten Geschäftsjahr per 27. Juni verkaufte die Firma 47,5 Millionen Geräte und damit 35 Prozent mehr als im Vorjahr.