Die Zulieferer sehen sich nach der Krise wieder steigendem Preisdruck durch die OEMs ausgesetzt

Die Zulieferer sehen sich nach der Krise wieder steigendem Preisdruck durch die OEMs ausgesetzt (Bild: Industrieverband Blechumformung).

HAGEN/DÜSSELDORF (ks). In Zeiten steigender Rohstoffpreise stehe die Zulieferkette vor einer erheblichen Belastungsprobe, so eine Mitteilung der Industrieverbände IBU, FMI und VDFI. Die OEMs drückten seit Wochen ohne Rücksicht die Preise und verlagern wirtschaftliche Risiken auf ihre Lieferanten – ein Ende ist nicht in Sicht, teilen die Verbände mit. Die nach wie vor mit den Folgen der Krise kämpfenden mittelständischen Automobilzulieferer stehen demnach schon wieder mit dem Rücken zur Wand.

“Die positive Entwicklung der Automobilindustrie gehört nicht alleine den Herstellern und der Politik. Dass insbesondere die OEMs jetzt schon wieder an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen, ist nicht nachvollziehbar”, erklärt Bernhard Jacobs, Geschäftsführer des Industrieverbands Blechumformung.

Der Trick der Hersteller sei einfach: ohne deutliche Preisnachlässe kein Auftrag. Diese Praktiken werden Einkäufer-Boni, Savings oder Ratio genannt; Ziel sei, das Zulieferunternehmen maximal im Preis zu drücken – ohne Rücksicht auf die real steigenden Kosten bei Vormaterial, Personal und Energie. Die Zulieferer müssten sich neue Aufträge also durch Nachlässe erkaufen und zum Teil sogar selbst vor Auftragserteilung Zahlungen an die Hersteller leisten, die das sogenannte erwartete mehrjährige Ratiopotenzial widerspiegeln sollen. Selbst Riss- und Restschmutzprüfungen beispielsweise setzen die Hersteller den Angaben zufolge als kostenlose Dreingabe der Lieferanten heute oft wie selbstverständlich voraus.

„Vertragskultur war gestern“, sagt Werner Liebmann, Geschäftsführer des Fachverbands Metallwaren- und verwandte Industrien in Düsseldorf (FMI). „Wir haben nichts gegen einen Preiswettbewerb, der mit fairen Mitteln einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herstellt. Wenn aber große Hersteller oder Systemlieferanten ihre Marktmacht nutzen, um Preise soweit zu drücken, dass die mittelständischen Zulieferer unter der Gewinnschwelle liegen, dann ist das aus unserer Sicht unverantwortlich.“

Die zumeist mittelständischen Unternehmen machen dieses Spiel trotzdem häufig mit. “Wir müssen unsere Kunden halten und können derzeit nur auf bessere Zeiten – und bessere Preise – hoffen”, sagt ein Manager eines mittelgroßen Zulieferers. “Wir brauchen eine faire Partnerschaft, in der unsere Kunden unsere Existenz und unsere Kalkulation im Angesicht stark steigender Materialkosten anerkennen und respektieren. Das fordern wir immer und immer wieder. Die verständnisvollen Antworten der OEMs im Scheinwerferlicht von Preisverleihungen und ihr aggressives Handeln gehen dabei diametral auseinander.”

Wie kritisch die Situation der mittelständischen Automobilzulieferer nach wie vor ist, zeigt eine Analyse der IKB. Das Institut hat die Jahresabschlüsse 2009 und die Halbjahreszahlen 2010 vieler Branchenunternehmen analysiert. Das Ergebnis: „Die deutschen Automobilzulieferer haben 2009 tiefrote Zahlen geschrieben. Im Schnitt erzielten sie Verluste in Höhe von 2,6 Prozent des Umsatzes mit entsprechendem Substanzverlust auf der Eigenkapitalseite. Hinzu kommt, dass offenbar einige Hersteller nach Überwindung der Krise den Preisdruck auf ihre Zulieferer wieder erhöhen.“ Dabei untersuchte die IKB in ihrer Analyse in erster Linie die wirtschaftlich stärksten Branchenunternehmen einbezieht. Die Gesamtsituation der Branche dürfte sich demnach deutlich negativer darstellen, so die Zulieferverbände.

“Wir appellieren als Branchenverbände an die OEMs und die Systemlieferanten, die Stabilität der Zulieferkette dauerhaft zu erhalten. Kurzfristige Preisdrückerei gefährdet, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde”, sagte Wolfgang Hermann, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Federn-Industrie.